© Sylvia Groesswang

Chronik Burgenland Aus Ihrer Region
04/16/2020

„Bald werden die meisten wieder so viel kaufen wie vorher“

Kabarettist Harald Pomper aus dem Südburgenland sorgte mit einem Kaffeefilter als Mundschutz für Aufsehen.

von Stefan Jedlicka

Eigentlich war es zu Beginn der Corona-Krise nur als Gag gedacht. Kabarettist und Musiker Harald Pomper postete am 3. März in den sozialen Medien Facebook und Instagram ein Foto, auf dem er einen Kaffeefilter als Schutzmaske verwendete und mit dem Satz „I will survive“ versah. Bei der Vorpremiere seines neuen Programms „Das wird man wohl noch sagen dürfen“ am 5. März in Bad Vöslau (NÖ) machte er dann auch eine kleine Nummer daraus, die er vor wenigen Tagen nun auf YouTube veröffentlichte.

Neues Programm

Da aber derzeit ein Mangel an Atemschutzmasken herrscht und sich ein Kaffeefilter offenbar tatsächlich dazu eignet, griffen Ärzte und Medien im In- und Ausland die Idee auf. Und so gibt es inzwischen bei diversen Medien – von österreichischen Tageszeitungen und dem Politmagazin Focus bis zu amerikanischen News-Blogs – Beiträge, wie man diese Kaffeefiltermasken herstellen kann. „Es freut mich, dass ich mit meiner kleinen Idee vielleicht einen kleinen Beitrag in der Corona-Krise liefern kann“, schmunzelt der Kabarettist.

Pomper hofft, bald mit seinem neuen Programm wieder auf Tour gehen zu können. Die Premiere am 26. März in der Kulisse Wien musste abgesagt werden und wird am 28. Oktober nachgeholt. Im Burgenland ist er voraussichtlich erst wieder am 10. Oktober in der KUGA Großwarasdorf zu Gast.

Prophetisch

Das Bemerkenswerte daran: „Es ist ein Abgesang auf unsere Wachstumsgesellschaft, in der man immer mehr will, immer mehr kauft. Auf den Wachstums- und Selbstoptimierungswahn. Also im Prinzip geht es um genau das, was derzeit passiert“, sagt Pomper. Dass er damit fast prophetisch die Veränderung vorhergesagt hat, amüsiert ihn. „Ich hätte aber nicht gedacht, dass das so rasch gehen würde“, fügt er hinzu.

Online-Gitarrenkurs

Ob er an eine dauerhafte Veränderung glaubt? „Manche Leute werden auch nach der Corona-Krise wahrscheinlich vorübergehend mit weniger auskommen, aber bald werden die meisten, fürchte ich, wieder genauso viel kaufen und genauso viel herumfliegen in der Welt wie vorher“, prognostiziert Pomper.

Er selbst bietet angesichts der Ausgangsbeschränkungen einen Online-Gitarrenkurs mit spezieller Technik an. „Jetzt sind Beschäftigungsideen für daheim gefragt. Musik als Stimmungsmacher und Balsam für die Seele ist unschlagbar“, meint der Kabarettist und hofft: „Beim Aufräumen hat Mann oder Frau vielleicht eine Gitarre im Kasten gefunden und besinnt sich auf alte Pläne, endlich ein Instrument zu lernen.“ Pomper laboriert seit Längerem an einer Nagelverletzung und hat häufig nur zwei Finger zur Verfügung, um Gitarre zu spielen. „Durch die komplizierte Verletzung am linken Ringfinger konnte ich nicht mehr klassische Akkorde an der Gitarre greifen. Praktisch über Nacht musste ich meine Technik umstellen, um weiterhin meine Auftritte absolvieren zu können“, erzählt er.

„Weil es Spaß macht“

Auf haraldpomper.com/ kurs zeigt er vor, wie es möglich ist, sämtliche Dur- und Mollakkorde nur im „Zweifinger-System“ zu spielen. Er hat dafür schon mehrere Lehrvideos online gestellt. „Man braucht keine theoretische Grundkenntnis, alles wird Schritt für Schritt erklärt und ich komme gänzlich ohne Harmonielehre aus“, verspricht Pomper. Mit einfachen Tricks kann man so schnell bekannte Hits begleiten. „Ohne stundenlanges Tonleiter-Üben, ohne schwieriges Notenlernen, ganz einfach zum Zeitvertreib – und vor allem natürlich, weil es Spaß macht!“

Dabei geht es dem Südburgenländer nicht immer nur um Spaß. Seine Trilogie „Endspiel Demokratie“ in den Jahren 2016 bis 2019 etwa war ein dreiteiliges Kabarettprogramm als „Warnung vor schleichender Entdemokratisierung Europas“, wie Pomper betont. „Leider auch ein bisserl prophetisch – vor Trump, Brexit und Co.“ 2018 schrieb er gemeinsam mit Franz A. Langer das Anti-Hass-Lied „A leiwandes Land“, das für den Zusammenhalt in der Gesellschaft eintritt.

Engagement

„Auch in schwierigen Zeiten wie der Flüchtlingskrise sollte die Gesellschaft nicht durch Gräben getrennt werden“, sagt er. „Es wurde aber auch im Text betont, radikale Strömungen beim politischen Islam nicht kleinreden zu wollen.“ Eingesungen und eingespielt haben das Lied bekannte Musiker wie Pizzera & Jaus, Harri Stojka, Cornelius Obonya, Leo Lukas, Eva Billisich oder Günther „GunklPaal. Unterstützung kam von Campino, Sänger der Band „Die Toten Hosen“, und von Schriftsteller Franzobel.

2017 machte sich Pomper übrigens auf eine „Zu-Fuß-Tournee“. „Auch wenn es heute unwirklich erscheint, war 2017 der Klimawandel noch nicht das ganz große Thema“, erinnert er sich: „Also ging ich durch halb Österreich zu meinen Auftritten, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen.“ Rund 700 Kilometer legte er dabei auf dem Weg zu 14 Veranstaltungen zurück.