Burgenland
03/04/2016

Auflösung von Feuerwehren droht

Neue Herausforderungen für Kommandanten durch Strukturwandel am Land und Abwanderung.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Alle 90 Minuten wird eine der 325 Feuerwehren im Burgenland zu einem Einsatz gerufen. Unentgeltlich und neben ihrem Job stellen sich 17.000 Burgenländer in den Dienst ihrer Mitmenschen. Doch die Anforderungen an die Einsatzkräfte steigen. Das und auch der Strukturwandel in den Dörfern werde bis 2020 "einiges bewegen", sagt Landesfeuerwehrkommandant Alois Kögl.

Künftig könnte es – vor allem im Südburgenland – Zusammenlegungen von Feuerwehren kleinerer Ortschaften geben. Während man im Nordburgenland bis zum Sieggraber-Sattel gut aufgestellt sei, dürfte es vor allem im Bezirk Oberwart aufgrund der Abwanderung "problematisch" werden, meint Kögl. "Im Südburgenland gibt es sehr viele kleinststrukturierte Gemeinden. Da wird es passieren, dass sich einige Organisationen in den kommenden Jahren auflösen werden."

Jüngstes Beispiel ist das Ende der Feuerwehr in der 95-Einwohner-Ortschaft Hasendorf (Bezirk Güssing). Der bisherige Kommandant Walter Maikisch hatte seine Funktion mehr als 20 Jahre inne. "Es ist schade. Aber wir waren am Schluss nur noch vier Leute", sagt Maikisch. Jetzt engagiert er sich gemeinsam mit seinen Kollegen bei der Feuerwehr der Großgemeinde Tobaj, zu der auch Hasendorf gehört.

Sicherheit

Die Sicherheit sieht Kögl durch mögliche weitere Fusionen nicht gefährdet. Was sich verändern wird, das sei die Struktur der Dorfkultur. "Die Veranstaltungen der Feuerwehren kurbeln ja nicht nur das gesellschaftliche Leben an. Sie hat ja auch eine wirtschaftliche Bedeutung", sagt Kögl.

Während es bei der Feuerwehr so viele Jugendliche gibt wie noch nie zuvor, kämpft man auf der anderen Seite mancherorts mit der Besetzung der Führungsspitze.

Auch Oberpullendorfs Bezirksfeuerwehrkommandant Martin Reidl weiß um das Problem Bescheid. "Wir haben im Burgenland zwar einerseits genug Freiwillige, doch an der Spitze wird’s immer enger." Grund dafür sei, dass das Engagement eines Kommandanten "immer näher an einen 40-Stunden-Job rückt". Neben den Einsätzen sind Schulungen und administrative Aufgaben zu erledigen. Neue Vorschriften und die Einführung der Registrierkasse würden den Freiwilligen ihren Einsatz erschweren. Zudem komme der Druck am Arbeitsplatz und das Unverständnis von so manchen Chefs. "Im Bezirk wurde ein Feuerwehrmann-Kommandant von seinem Arbeitgeber gekündigt. Er musste oft zu Einsätzen fahren."

Wenige vor Ort

Seit seinem 16. Lebensjahr engagiert sich Ewald Weber bei der Freiwilligen Feuerwehr Lutzmannsburg. Nach knapp zehn Jahren als Kommandant will der 49-Jährige diese Funktion mit Jahresende zurücklegen. "Es wird schwierig, die Feuerwehr aufrechtzuerhalten. Es sind immer weniger Leute vor Ort, wenn es im wahrsten Sinn des Wortes brennt", sagt Weber. Und das, obwohl die Zahl der Feuerwehrmitglieder landesweit etwa gleich bleibt. "Aber wenn am Mittwochvormittag die Sirene heult, ist dann halt nur eine Handvoll Leute wirklich da." Viele könnten nicht von der Arbeit weg oder sind Pendler. Gleich den Hut drauf hauen will Weber nicht. "Ich will, dass es eine geordnete Nachfolge gibt, wenn ich gehe."

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