Wie es nach den Asbestfunden im Süd- und Mittelburgenland weitergeht
Die Organisiation Greenpeace machte auf die Fälle publik
Während Greenpeace am Donnerstagabend in Unterwart zu einer Informationsveranstaltung lud und dem Land nach den Asbestfunden im Süd- und Mittelburgenland Laschheit vorwarf, hatte die vom Land eingerichtete Taskforce diesen Vorwurf schon Lügen gestraft.
Denn bereits am frühen Donnerstagnachmittag informierten Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizin-Uni Wien als Leiter der Taskforce, der Asbest-Sachverständige Michael Kochberger und Vizelandesamtsdirektor Andreas Temmel im Eisenstädter Landhaus über die jüngsten Messergebnisse und die kommenden Schritte.
„Die Taskforce arbeitet nicht langsam“, so Hutter.
Hatte das Expertengremium zunächst Luftmessungen an den von Greenpeace genannten neun Standorten sowie in den vier schon seit dem Jahreswechsel behördlich geschlossenen Steinbrüchen durchgeführt, haben mittlerweile 25 Gemeinden im ganzen Land Messungen beantragt. Diese 100 Messpunkte werden nun abgearbeitet. In den nächsten zwei Wochen sollen sie abgeschlossen und im Frühjahr bei trockenen und milderen Witterungsbedingungen wiederholt werden.
Weit unter Grenzwert
Die Ergebnisse von 36 Messpunkten wurden am Donnerstag auf der Homepage des Landes veröffentlicht. Bei keinem sei der Referenzwert von 1.000 Fasern pro m³ überschritten worden. Bei 33 der 36 Messpunkte liege der Wert unter 400 Fasern. An drei Messpunkten wurden Werte zwischen 560 und 810 Fasern pro m³ gemessen – aber nahe einer stark befahrenen, gestreuten Straße.
Andreas Temmel, Hans-Peter Hutter, Michael Kochberger (v.li.)
Weil es bei Asbest keine „sichere Grenze“ für die Gefahrlosigkeit gebe, habe man mit dem „Lebenszeitrisiko ein sehr kluges Modell entwickelt“, so Taskforce-Leiter Hutter. Für ein erhöhtes Risiko, etwa an Lungenkrebs zu erkranken, müsste man demnach dem Grenzwert rund um die Uhr und ein Leben lang ausgesetzt sein.
"Keine Hauruck-Aktion"
„Wir wollen nichts verharmlosen, das wäre ärztlich indiskutabel“, versicherte Hutter, andererseits wolle man aber auch „Übertreibungen vermeiden“. Grundsätzlich könne er sagen, dass auf den bisher beprobten Flächen „keine akute Gefahrenabwehr“ notwendig sei, mittelfristig aber etwa asbesthaltiges Streugut entfernt werden solle. „Fachgerecht“, betonte Hutter, denn jede „Hauruck-Aktion“ wäre kontraproduktiv, weil dadurch erst recht buchstäblich Staub aufgewirbelt werden könnte.
Beim Krankenhaus Oberwart, wo die höchste Asbestkonzentration gemessen wurde (dort wird gerade das alte Spital aus den 1980er-Jahren abgerissen), habe man schon reagiert, sagte Temmel. Schüttung und Splitt seien inzwischen gebunden worden, etwa durch Humusierung.
Außerdem pocht die Taskforce weiterhin auf gesetzliche Bestimmungen auf Bundesebene, die Gewinnung und Inverkehrbringen natürlich vorkommenden Asbests, etwa Gestein aus Steinbrüchen, an einen verbindlichen Grenzwert knüpfe. Das Land habe hier „keine Regelungskompetenz“, so Temmel.
Steinbrüche vor Klärung
Simone Fankhauser vom Umweltbundesamt hat in der Vorwoche gegenüber dem KURIER von einem „rechtlichen Graubereich“ gesprochen. Zwar ist seit 1990 verboten, asbestbelastetes Material in Verkehr zu bringen, aber mit der Einschränkung, dass die Fasern „absichtlich zugesetzt“ wurden. In Steinbrüchen komme Asbest aber „natürlich“ vor.
Die Beprobungen der Taskforce in den Steinbrüchen sollen gemeinsam mit Ausbreitungsrechnungen auch helfen zu klären, ob von dort künftig Material „ohne Asbest-Beifang“ in Verkehr gebracht werden kann. In den kommenden Wochen werden die Ergebnisse vorliegen.
Wie es mit den vier Steinbrüchen weitergeht, soll also noch im Frühjahr klar sein.
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