Chronik | Burgenland
25.03.2017

Am Seeufer gehen die Wogen hoch

Die Bagger sind aufgefahren, doch nun stehen das geplante Hotel und 23 Seevillen auch bei Behörden am Prüfstand.

Rund um den Neusiedler See gehen derzeit die Wogen hoch. Grund dafür sind touristische Projekte, die umgesetzt werden (sollen). Nicht zum Wohlgefallen aller. Die "BürgerInnenitiative Freunde des Neusiedlersees" macht auf der Plattform Avaaz.org gegen die Projekte im UNESCO-Welterbe-Gebiet mobil.

Ein neues Vier-Sterne-Hotel und 23 exklusive Seevillen in Neusiedl am See, zwei Seerestaurants in Weiden und Breitenbrunn sowie ein Villenpark in Oggau rufen Kritiker auf den Plan. "Mit der Bebauung des Seeufers wird in unseren Augen ein besorgniserregender Weg eingeschlagen. Es wird nicht nur gegen die Wünsche der Anrainer geplant. Daraus erwächst auch Schaden für lokale Betriebe und das Weltkulturerbe Neusiedler See", sagt Rudi Golubich von der Bürgerinitiative. Der See solle allen als Erholungs- und Freizeitgebiet erhalten bleiben und nicht zahlungskräftigem Publikum vorbehalten sein, lautet die Forderung.

Knapp 1400 Unterschriften wurden via Avaaz.org binnen weniger Tage gesammelt. Die Petition soll Landes-und Gemeindepolitikern übergeben werden. Auch eine Volksabstimmung stehe für die Bürgerinitiative im Raum.

Bagger fahren auf

"Der Neusiedler See darf nicht der Wörther See des Burgenlandes werden", sind sich SPÖ und Grüne in Neusiedl am See einig. "Ich bin entsetzt über die überdimensionalen Bauten im Naturschutzgebiet und Weltkulturerbe", sagt SPÖ-Vizebürgermeisterin Elisabeth Böhm. Die SPÖ der Stadt sei "klar gegen dieses 30-Millionen-Euro-Megaprojekt". Die Petition habe sie bereits unterschrieben, sagt Böhm.

Auch Alexandra Fischbach, Stadträtin der Grünen, begrüßt die Bürgerinitiative. Mehr noch: Die Grünen wollen einen Entschließungsantrag im Landtag einbringen, mit der Forderung, ein "Neusiedlersee-Entwicklungskonzept" auszuarbeiten.

Doch die Bagger sind bereits aufgefahren: Derzeit wird an der Umsetzung des Projektes "Am Hafen", zu dem der Bau von 23 Seehäusern zählt, gearbeitet. Wie es mit dem Projekt weitergeht, steht in den Sternen. Wie der KURIER erfuhr, hatte die zuständige Bezirkshauptmannschaft den Betreibern – der Neusiedl am See Projektentwicklung GmbH – einen Bescheid über die Nichtigkeitserklärung der Baugenehmigungen zugestellt. Man habe sofort Rechtsmittel dagegen eingebracht, sagt Geschäftsführer Wolfgang Gollner.

Sämtliche Auflagen seien erfüllt worden. Außerdem gebe es für die Seevillen eine "BF-Widmung", eine Widmung, die eine touristische Nutzung des Hotels sowie der Seevillen vorsehe. Auch der Seezugang bleibe für die Öffentlichkeit weiterhin zugänglich und werde im Gegenteil sogar erweitert, heißt es von der Betreibergesellschaft. Zur Kritik politischer Parteien wolle man nicht Stellung nehmen.

Für ÖVP-Bürgermeister Kurt Lentsch sind die Kritiken der Projektgegner in Hinblick auf die bevorstehenden Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen jedenfalls politisch motiviert. "Das ist ein Wahlkampfthema", ärgert sich Lentsch. Das Projekt "Am Hafen" sei fünf Jahre lang im Gemeinderat diskutiert und von den Behörden überprüft worden. "Bisher war der Platz, auf dem das Hotel gebaut werden soll, verwahrlost. Jetzt wird endlich ein g’scheites Projekt dort umgesetzt", erklärt der Stadtchef.

Spannungsfeld

"Ein Spannungsfeld zum Landesentwicklungsprogramm" (LEP) ortet hingegen Peter Zinggl, Referatsleiter der Landesplanung im Burgenland, für das Projekt "Am Hafen". Die vorgesehene Art der Finanzierung über "buy to let" (kaufen, um zu vermieten, Anm.) stehe grundsätzlich im Konflikt zum LEP. Dieses besagt, dass Uferzonen des Neusiedler Sees nur touristisch genutzt werden dürfen. "Das Konzept eines Verkaufs würde dem aber widersprechen", sagt Zinggl, der das Projekt prüft.

Auch die Grünen sehen vom "touristischen Mehrwert keine Spur mehr. Wir wollen keine weitere private Hausnutzung am See", sagt Fischbach. Bürgermeister Lentsch kontert: Hotel sowie Seevillen würden der Stadtgemeinde mehr Gäste bringen.

Wie lange das Verfahren dauern werde, sei nicht abzuschätzen, heißt es von den Behörden.