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Chronik | Burgenland
05/09/2019

Szelinger geht als BMV-Obmann und könnte als Chef der BMV-Tochter UDB zurückkehren

Markus Szelinger (2. v. re.) geht als BMV-Obmann, Michael Lampel (2. v. links) folgt ihm.

Dass der Burgenländische Müllverband (BMV) seit Dienstagabend einen neuen Obmann hat, kam überraschend – allerdings nur für Außenstehende.

Der seit November 2013 amtierende Obmann Markus Szelinger trat im Rahmen einer außerordentlichen Vollversammlung in Raiding zurück, sein SPÖ-Bürgermeisterkollege aus Neufeld an der Leitha, Michael Lampel, wurde mit 97 Prozent zum Nachfolger an der Spitze des Gemeindeverbandes gewählt. Die Funktionsperiode dauert bis zur nächsten Kommunalwahl im Herbst 2022. Der 1980 gegründete Verband spiegelt die kommunalen Machtverhältnisse wider. Weil die SPÖ landesweit auch in den Gemeinden trotz herber Verluste bei den letzten Wahlen die Mehrheit hat, stellt sie den Obmann, die ÖVP mit dem Mogersdorfer Bürgermeister Josef Korpitsch den Stellvertreter.

Szelinger, so erfuhr der KURIER aus sicherer Quelle, ist zurückgetreten, weil er sich für eine andere Position in Stellung bringen will: Die Geschäftsführung des Umweltdienstes Burgenland (UDB). Der UDB ist eine 100-prozentige Tochter des BMV und erledigt in dessen Auftrag die Müllentsorgung in allen 171 Gemeinden des Landes. Außerdem ist der UDB, der zuletzt 31,3 Millionen Euro umgesetzt hat und rund 230 Arbeitnehmer beschäftigt, für Gewerbe- und Industrieabfälle zuständig.

Derzeit stehen der als SPÖ-nahe geltende Franz Predl und Rudolf Haider (ÖVP-nahe) an der Spitze des Umweltdienstes Burgenland GmbH. Die Jobs sind lukrativ, die erfolgsabhängigen Gehälter erreichen fast Landesratsniveau (das sind rund 14.700 Euro brutto), so ein Insider. Predl will aber nach rund vier Jahren im Unternehmen wieder zu seinem früheren Arbeitgeber A.S.A. zurückkehren, Szelinger ist ein heißer Nachfolge-Kandidat. „Das kann ich weder bestätigen noch will ich es dementieren“, sagt Szelinger zum KURIER. Er wolle sich beruflich verändern, aber fix sei noch überhaupt nichts, so der Bürgermeister von Stadtschlaining.

Nach KURIER-Informationen wird ein UDB-Geschäftsführerposten schon in den nächsten Tagen ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist dauert einen Monat und am Ende entscheidet der 14-köpfige rot-schwarze BMV-Vorstand mit Zwei-Drittel-Mehrheit. Die SPÖ braucht damit für ihren Kandidaten zwar Stimmen von der ÖVP, aber weil auch die Verlängerung von ÖVP-Mann Haider in Bälde ansteht, ist das wohl nur Formsache. Szelinger erfüllt jedenfalls die Voraussetzungen, er ist Jurist und hat reichlich Erfahrung in der Abfall-Wirtschaft.

Strittig ist, ob ein Geschäftsführerposten beim UDB mit dem Bürgermeisteramt vereinbar ist – für die SPÖ wäre der Abgang des Kommunalpolitikers Szelinger aus dem Schlaininger Rathaus ein schwerer Schlag. Er hat 2012 die Gemeinde von der ÖVP zurückerobert und 2017 bei der Bürgermeister-Direktwahl noch einmal fast zehn Prozent auf 74 Prozent zugelegt.

Dass beide Positionen unvereinbar seien, stimme so nicht, sagt Szelinger. Bürgermeister-Kollegen im Müllverband sehen das freilich anders. Gut möglich, dass sich das auch in der Ausschreibung für den UDB-Chefposten wiederfindet.