200 Hektar Schilf werden am Neusiedler See abgebrannt

Unkontrollierte Großbrände wie jener im März 2023 sollen in Zukunft vermieden werden.
Am Samstag findet in Jois eine Brandschutzübung mit wissenschaftlicher Begleitung statt. Kontrolliertes Abbrennen per Verordnung wird angedacht.

Im Schilfgürtel am Neusiedler See bei Jois findet am Samstag eine große Brandschutzübung statt. Diese wird wissenschaftlich begleitet, um Erkenntnisse über die Folgen des Schilfabbrennens für die Natur und Umwelt zu erlangen. Gezieltes Brandmanagement sei allerletztes Mittel unter den Methoden zur Erneuerung des Schilfgürtels, betonte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

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Mehr als die Hälfte des Schilfs am Neusiedler See ist über 20 Jahre alt und damit für die Tierwelt unattraktiv. Aufgrund des Klimawandels schreite die Überalterung des Schilfs auch noch schneller voran, gab Gewessler zu bedenken. Auch wenn die Temperatur aktuell unter null Grad liegt, durch die wärmeren Winter friere der See kaum mehr zu, so Gewessler: "Das erschwert den Schilfschnitt und der ist wichtig, um das Schilf zu verjüngen. Wir brauchen eine Lösung, um das Naturjuwel für zukünftige Generationen zu erhalten."

200 Hektar Schilf werden am Neusiedler See abgebrannt

Am Donnerstag fand im Joiser Feuerwehrhaus eine Pressekonferenz über die Brandschutzübung statt. 

Ein gezieltes Brandmanagement ist eine Methode zur Erneuerung, allerdings nur als "allerletztes Mittel". Die negativen Auswirkungen auf Klima, Ökologie und Luftqualität muss man abwägen mit den positiven Aspekten, betonte die Ministerin. Die geplante, einmalige Brandschutzübung soll daher Erkenntnisse über die positiven und negativen Auswirkungen liefern sowie die Feuerwehren bestmöglich auf den Ernstfall vorbereiten. Die gewonnenen Daten sollen außerdem eine Entscheidungsgrundlage bieten für eine etwaige gesetzliche Regelung. Diese könnte mittels Verordnung des Landeshauptmanns das kontrollierte Abbrennen von Altschilf ermöglichen, erklärte Gewessler.

Abrennen von Schilf ist seit den 90ern illegal

Das Abbrennen von Schilf ist seit Mitte der 1990er-Jahre im Bundesluftreinhaltegesetz verboten. Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf (SPÖ) verwies jedoch auf eine Studie von WWF und BirdLife, die das kontrollierte Abbrennen empfehle. Koordiniert wird die Übung von der Biologischen Station Illmitz, begleitet unter anderem von der BOKU Wien, TU Wien und der Universität Wien, Geosphere Austria oder der Herpetologischen Gesellschaft.

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Thomas Zechmeister, Leiter der Biologischen Station Illmitz, erklärte: "Im Zuge des umweltökologischen Monitorings wird festgestellt, welche Auswirkung die Temperaturwalze auf die Organismen hat." Das Altschilf breche nach etwa 15 Jahren in sich zusammen und werde Knickschilf, das dann eine dicke Mullschicht bildet. Die natürliche Verjüngung durch Jungschilf werde dadurch verhindert, so auch Zechmeister. Die Brandschutzübung biete Gelegenheit, den Zustand des Schilfgürtels vor, während und nach dem Feuer zu untersuchen.

Der stellvertretende Landesfeuerwehrkommandant Harald Nakovich verwies auf mehrere große Schilfbrände in den vergangenen Jahren, etwa in Illmitz, Winden, Breitenbrunn und Mörbisch. Diese konnten nur unter massivem Personal- und Materialeinsatz unter Kontrolle gebracht werden. Die Übung soll daher auch Erkenntnisse über präventive Maßnahmen wie Kanäle, Schneisen und Gräben sowie die Arbeit der neu geschaffenen Einheit für Vegetationsbrandbekämpfung liefern. An der Übung in Jois nehmen 300 Feuerwehrmitglieder teil, der Übungsbereich umfasst eine Fläche von 200 Hektar.

Wasserzuleitung: Innerösterreichische Lösung wird angestrebt

Zum Stand der geplanten Wasserzufuhr in den Neusiedler See erklärte Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ), dass derzeit intensiv an einer inner-österreichischen Lösung gearbeitet werde. Man sei dazu gut abgestimmt mit Niederösterreich und dem Landwirtschaftsministerium: "Hier laufen gute Gespräche." Aktuell beträgt der Wasserstand 115,3 Meter über Adria. Das ist etwa 20 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert, aber 30 Zentimeter über dem Vorjahreswert.

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