Knapp unterhalb des Gipfels des Großen Pyhrgas stieg Carl Steiner durch fehlende Sicht ins Leere und stürzte eine Steilwand hinab

© /laumat.at/Reinhold Schabetsberger

Rettungsaktion
01/07/2017

Bergsteiger überlebte Absturz und Nacht bei minus 18 Grad am Berg

35-Jähriger stürzte über Steilwand und wartete in einem Schneeloch auf seine Rettung.

von Wolfgang Atzenhofer

"Ich dachte, ich habe meinen Lieblingsberg im Griff. Dieses Mal hat er mich abgeworfen."

Der 35-jährige Carl Steiner, der von Freitag auf Samstag in Oberösterreich Dutzende Bergretter in Atem gehalten hat, konnte gestern im Spital Kirchdorf/Krems fast unverletzt seinen zweiten Geburtstag feiern, wie er sagte. Der Techniker war am Freitag bei einer Bergtour auf den Großen Pyhrgas bei Spital am Pyhrn nach eigener Schätzung 400 Meter abgestürzt. Per Handy alarmierte er die Retter. Doch die 60 Helfer mussten wegen Lawinengefahr und Dunkelheit die Suche gegen 23 Uhr unterbrechen. Nach einer Nacht in einem Schneeloch bei minus 18 Grad konnte der fitte Bergfex aus Prambachkirchen Samstagvormittag vom Team eines ÖAMTC-Hubschraubers gerettet werden.

Schritt ins Leere

"So viel Glück hat man sicher kein zweites Mal im Leben", ist sich Steiner bewusst. Nie wieder werde er bei solchen Wetterverhältnissen eine Tour durchziehen, schwört er. Den Augenblick, in dem er in 2200 Meter Seehöhe durch einen extremen Schneesturm völlig blind den einen Schritt nach links ins Leere machte, wird Steiner nie vergessen. "Dann ist es dahingegangen. Ich bin gefallen, gerutscht und gepurzelt. Das dauerte schon einige Zeit , bis ich Gott sei Dank im tiefen Schnee lag", erinnert er sich. "Mir war klar, dass ich nur im Schneeloch überleben könnte", erzählt er. An Schlaf war in der Nacht nicht zu denken. Zu groß war die Gefahr, zu erfrieren. Steiner: "Der schönste Moment war, als am Morgen die Sonne durchgebrochen ist."

Mit dem Geretteten freuten sich auch die rastlosen Bergretter. "Es gibt aber auch Unverständnis, dass jemand bei solchen Bedingungen eine solche Tour unternimmt", sagt Georg Schürrer von der Bergrettung Spital.

Das extreme Wetter brachte am Freitag in der Steiermark auch eine fünfköpfige Wandergruppe mit zwei Kindern im Alter von sechs und acht Jahren in Bergnot. Die Gruppe musste von 30 Bergrettern aus einer nicht bewirtschafteten Berghütte am 2390 Meter hohen Zibitzkogel, Bezirk Murau, gerettet werden. Unerträglicher Wind und 22 Minusgrade ließen das Quintett in der Hütte Zuflucht suchen.

Einen ungewöhnlichen Einsatz hatten Freitag Feuerwehrleute in Oberneukirchen in OÖ zu bestehen. Dort war ein entlaufenes Pferd in einem Teich eingebrochen.

Kälte bis Mittwoch

Mit Temperaturen von unter minus 26 Grad etwa in Tannheim in Tirol, in Radstadt in Salzburg oder am Sonnblick (3106 m) in der Nacht auf Samstag dürfte der Höhepunkt der Kältewelle überschritten sein, bis Mittwoch bleibt es aber eisig. Erwartet wird leichter Schneefall bei bis zu minus 13 Grad. Die Lawinengefahr bleibt hoch.

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