Chronik
30.03.2018

Ministeriumsbericht: „Bedeutsame Serie von Bahn-Unfällen“

47 Verletzte, eine Tote – laut Verkehrsministerium gibt es Zusammenhänge zwischen fünf Zugkollisionen.

Im Straßenverkehr wäre es so: Stellen Sie sich einmal vor, jedes Spediteurs-Unternehmen könnte seine eigene Fahrschule aufmachen. Für die Ausbildung der Chauffeure wäre ausschließlich diese Firma selbst verantwortlich. Die Prüfung nimmt anschließend ein Sachverständiger ab, der hauptberuflich in der Spedition selbst arbeitet. Kontrollen finden anschließend keine mehr statt, da es keine Polizei gibt, die das alles kontrolliert. Die Lenker dürften auch mit Gefahrengut unterwegs sein.

Unvorstellbar? Die Folge wäre ein Chaos?

Auf der Schiene funktioniert das zumindest so. Rund zehn verschiedene Bahnunternehmen haben in Österreich bereits ihre eigenen Fahrschulen installiert, Tendenz durch mehr Privatisierung steigend. Während es für jeden Beruf – vom Wagenmeister bis zum Zugbegleiter – gesetzlich exakte Vorschriften gibt, fehlen diese bei den Lokführern. Zwar sind einige Eckpunkte in einer Verordnung geregelt, allerdings gibt es für die vielleicht wichtigste aller Ausbildungen keine Mindestdauer.

Insider: Ausbildung verkürzt

Insider berichten davon, dass zuletzt deshalb immer wieder die Ausbildung verkürzt wurde, obwohl den Lokführern mehr Arbeit zusätzlich aufgehalst wird. Sie müssen die Passagiere überwachen oder mitunter sogar Weichen selber stellen.

Das alles könnte eine mehr oder weniger wichtige Rolle bei den letzten Unfällen spielen. Gleich fünf schwere Zugsunfälle der vergangenen zwölf Monaten werden in einem Bericht des Verkehrsministeriums jedenfalls als „bedeutsame Serie von Unfällen“ bezeichnet. Die Vorfälle mit 47 Verletzten und einer Toten haben „offensichtliche Auswirkungen auf die Regelung der Eisenbahnsicherheit beziehungsweise das Sicherheitsmanagementsystem der beteiligten Eisenbahnunternehmen“ . Das Sicherheitsmanagement umfasst unter anderem die Lokführerausbildung.

Die gleiche Ursache befürchtet

Die fünf Unfälle (in Niklasdorf, Kritzendorf, Linz und zweimal Wien) dürften nach vorläufigen Erkenntnissen die gleiche Ursache haben – der jeweilige Lokführer hat ein Haltesignal übersehen. Glaubt man den Erkenntnissen des Verkehrsministeriums und vor allem den Berichten von mit den Details vertrauten Personen, deutet offenbar einiges auf einen Systemfehler hin. Das könnte die Ausbildung betreffen aber auch die Ausstattung mit sogenannten 500-Herz-Magneten. Diese werden beim Überfahren eines Haltsignals aktiviert und bremsen den Zug ein – in Niklasdorf etwa hätte der Cityjet statt 80 km/h vermutlich nur 25 km/h gehabt als er gegen den deutschen Eurocity prallte. Vermutlich hätte es keinen Todesfall gegeben.

Bei einem der fünf Fälle soll der Magnet falsch eingebaut gewesen sein, bei einem weiteren mangelnde Streckenkenntnis (Ausbildung) eines Lokführers vorgelegen sein.

Im Büro von Verkehrsminister Norbert Hofer heißt es, dass die fünf Berichte aktuell auf „Systemfehler oder Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter ausgewertet“ werden. Gleichzeitig wird ein Ausbau der 500-Hertz-Magneten geprüft. Außerdem werde derzeit an einem „Konzept für eine konzentrierte Ausbildung der Triebfahrzeugführer“ gearbeitet. Die ÖBB betonen, dass Erkenntnisse bei der Ausbildung eingebaut werden. Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Unfällen sieht man bisher nicht. Derzeit läuft aber auch die Analyse einer externen Beraterfirma.