© Waves/Matthias Hombauer

Buzz
12/05/2011

Waves-Vienna: Überraschend und ernüchternd

Drei Tage Talente-Schau der Indie-Szene: Die Highlights kamen unerwartet, das Publikum nicht wirklich zahlreich, der Star-Act bot weniger als erwartet.

Zwölf Bühnen entlang des Donaukanals, der Praterstraße und der Hauptallee in Wien bespielte das ambitionierte Waves-Team rund um Festival-Direktor Thomas Heher von Mittwochabend bis Samstagnacht. Neben Keynote-Reden zum Hauptthema Ost-West-Austausch für Konferenzteilnehmer und Workshops für Musiker gab es einiges zu entdecken: Sin Fang aus Island am Freitag im Flex. Rubik, eine finnische Band, Donnerstag im Clubschiff. Oder ebenfalls Donnerstag das Quintett Dry The River aus England.
Möglicherweise füllte das angereiste Fachpublikum das Flex dabei ja mit seiner Wichtigkeit aus - von einem Gedränge wie es bei Einzel-Shows dort oft so üblich ist, war aber nichts zu spüren.

Sanfte Töne

Wer die Band, deren Debütalbum im kommenden Februar erscheinen soll, am frühen Donnerstagabend erlebte, wird sich aber ihren Namen und besonders die Stimme von Frontman Peter Liddle merken: Mit leidendem, schneidendem Ton führte er durch Songs, die von sanften Tönen zu wuchtigen Hymnen mit Coldplay-Anklängen anschwollen.

Mit ihrer Musik, die dem Erbe von Punk ebenso viel verdankt wie dem jüngsten britischen Folk-Revival, gelten Dry The River in Großbritannien schon als neues "großes Ding" nach den Grammy-Anwärtern Mumford & Sons. Beim Waves-Festival ließ sich trotz des vergleichsweise intimen Rahmens erahnen, wie die hippieske Combo auf großen Festivalbühnen wirken könnte - ihre Musik ist, allein durch Dynamik, für Größeres bestimmt.
Laute Schreie Nicht einmal bei Zola Jesus, dem derzeitigen
"nächsten Superstar" der Indie-Szene, musste das Flex, wie angekündigt, wegen Überfüllung dicht machen. Schön voll war's natürlich schon. Immerhin hat die Amerikanerin mit ihrem vorigen Album "Stridulum II" und dem eben erschienenen "Conatus" packende Werke abgeliefert.

Live allerdings - mit nur drei Begleitmusikern - fehlt dem sphärischen Sound die Vielfalt. Die Klanglandschaften, die auf CD Goth, Industrial, Electronic und auch klassische Einflüsse vereinen, wurden im Flex auf Keyboards und Drums heruntergebrochen und wirkten so auf Dauer eintönig. Auch so mancher falscher Ton entkam ihrer Kehle, wenn sie sich zu sehr reinsteigerte, zu laut schrie und die blonde Mähne beutelte wie ein Derwisch im Delirium. Alles in allem war der Star-Act des ersten Waves-Festivals nicht enttäuschend, aber sicher ernüchternd.

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