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12/05/2011

Rettet die Breitenseer Lichtspiele

Wiens ältestes Kino, die Breitenseer Lichtspiele, steht vor dem Aus. Zuletzt blieb der kleine Saal in Penzing häufig leer.

von Josef Gebhard

Charlton Heston als Judah Ben Hur und Liz Taylor als Cleopatra, dazu David und Goliath - mit großem Kino warten derzeit die Breitenseer Lichtspiele in Penzing auf. Doch kaum jemand will die Historienschinken sehen. "Am Sonntag mussten die erste und zweite Vorstellung entfallen. Zur dritten kamen gerade vier Personen", sagt Anna Nitsch-Fitz und seufzt. Die 73-Jährige betreibt seit mehr als 40 Jahren das kleine Penzinger Kino, das 1905 gegründet wurde und damit das älteste der Stadt ist. Wenn im Februar 2012 der Sandalenfilm-Schwerpunkt ausklingt, könnte das auch das Ende des Kinos bedeuten. "Schweren Herzens" überlegt sich Nitsch-Fitz, ihr Lichtspieltheater zuzusperren. Zuletzt wurde es immer schwieriger, den kleinen Saal mit seinen 168 klapprigen Holzsesseln auch nur halbwegs zu füllen. "Im September hatten wir pro Vorstellung durchschnittlich 2,5 Besucher. Über das ganze Monat haben wir 921 Euro eingenommen", sagt die frühere Lehrerin.

Wie viele andere Traditionskinos leiden auch die Breitenseer Lichtspiele an der Konkurrenz der großen Kinozentren, die Betreibern wie Frau Nitsch-Fitz vor allem das jüngere Publikum mit den aktuellen Blockbustern abspenstig machen. Die Umrüstung auf moderne digitale Vorführtechniken ist trotz Förderungen teuer. Und mit Nischenprogrammen - etwa alte Stummfilme mit Klavierbegleitung - lässt sich nur der harte Cineasten-Kern gewinnen. Zwar gäbe es jährlich 13.000 Euro an Kino-Subventionen, doch das reicht laut Nitsch-Fitz nicht: Zuletzt investierte sie jeden Monat 1500 Euro aus eigener Kasse, um das Kino am Leben zu erhalten. "Ich muss meine Rechnungen nach Dringlichkeit sortieren."

Partnersuche

Wiederholt hat sich Nitsch-Fitz nach einem größeren Partner umgesehen: Das Filmarchiv entschied sich dann aber doch für eine andere Spielstätte, auch die Verhandlungen mit den Organisatoren der Viennale scheiterten. "Sie haben gesagt, dass sie keinen weiteren Standort mehr brauchen", sagt Nitsch-Fitz enttäuscht. Sie will die Hoffnung aber nicht aufgeben, dass der aktuelle Klassiker-Schwerpunkt bis Februar noch genügend Zuseher anlockt. Das Programm stimmt zumindest ein wenig optimistisch: Auch im Film triumphiert letztendlich der kleine David über den übermächtigen Goliath.

Tipp: Dei Breitenseer Lichtspiele zeigen einen Film über Clayton Patterson, Amerikas Underground Reporter Nr. 1.
Die Termine: Dienstag, 1. November, 20:30 (Film-Premiere)
Mittwoch, 2. November, 20:30
Donnerstag, 3. November, 20:30
ab 19:00 jeweils Meet & Greet mit Clayton Patterson