"Live-Techno ist der neue Punk"

So sieht Live-Techno aus: Gudrun von Laxenburg erobern mit ihrer "Rockshow" die Clubs in Österreich und Deutschland.
Foto: Gudrun von Laxenburg

Das Wiener Trio Gudrun von Laxenburg bringt live auf Instrumenten gespielten Techno in die Clubs. Damit kehrt elektronische Musik zu ihren Wurzeln zurück.

Die weiße "Spacebrille" auf, stellt sich Christoph Mateka unter Beifall wieder an seinen analogen Synthesizer. Die orange-roten Scheinwerfer sind auf ihn gerichtet. Seine Melodie geht sofort ins Ohr. Mateka wippt mit dem ganzen Körper. Die Menschen im Club sehen ihm gebannt zu und hoffen auf einen neuen Adrenalinkick. Sie johlen. Am Höhepunkt der Spannung setzt July Skone am Schlagzeug mit dem Techno-Beat ein. Wie Mateka hat er eine Brille und einen weißen LED-Anzug mit neonfarbenen Streifen an.

Nach einer Minute sind alle wieder in Bewegung, tanzen, hüpfen, zappeln, kreisen mit den Armen in der Luft, feuern die drei leuchtenden und blinkenden Männchen auf der Bühne an, die untertags Wiener Musik- und Filmstudenten sind. Lichtblitze setzen ein, vorne an der Bühne tanzen sich ein paar Männer in Ekstase. Skone muss lächeln. Er weiß, die Nummer wird die Menge 3 Minuten und 40 Sekunden lang nicht aus den Fängen lassen. Die Menge wird jubeln. So etwas hat sie noch nicht erlebt. Denn die Wiener Formation Gudrun von Laxenburg spielt Techno mit analogen Instrumenten.

"Wir versuchen nur, fette Sounds zu machen"

"Wir selbst definieren das als Live-Techno oder Live-Electro. Wir wollen aber eine Rockshow machen." July Skone, Schlagzeuger der Wiener Formation Gudrun von Laxenburg, macht sich keine Gedanken über die Wurzeln von Techno. "Wir versuchen nur, fette Sounds zu machen. Live-Electro ist der neue Punk." Auch ihre Fans würden das nicht hinterfragen. Skone, Christoph Mateka und Daniel Helmer an den Synthesizern produzieren seit zweieinhalb Jahren elektronische Musik. "Es hat als Gag begonnen, als Eurodance-Trash nach dem Motto: Mut zur Hässlichkeit." Auch heute machen sie noch Remixes von Eurodance-Nummern. "Aber wir wollen davon weg und uns im Studio weiter entwickeln, Neues entdecken."

Längst entdeckt worden sind Gudrun von Laxenburg nicht nur von Clubbetreibern und den Medien. Bei Konzerten würden sie gefragt, wo man ihre Musik denn kaufen könne. Dabei haben die selbst ernannten Soundfetischisten kein Label. "Gudrun von Laxenburg funktioniert derzeit nur live", sagt der 25-jährige Skone. Die Bandmitglieder haben bereits mit den Wiener Poprockern Mondscheiner oder der Deutsch-HipHop-Gruppe Panta Rhei Erfolge verzeichnen können. So erfolgreich wie jetzt waren sie aber noch nie. Auch wenn die Show vom Spaß am "totalen Wahnsinn" lebe, würden sie es ernst meinen, sagt Skone. Mit der Idee, Techno analog zu spielen, sind sie aber nicht allein. "Wir haben das nicht erfunden", sagt auch Skone.

Analoge Wurzeln des Techno

So sieht Live-Techno aus: Gudrun von Laxenburg erobern mit ihrer "Rockshow" die Clubs in Österreich und Deutschland. Foto: Gudrun von Laxenburg So sieht Live-Techno aus: Gudrun von Laxenburg erobern mit ihrer "Rockshow" die Clubs in Österreich und Deutschland.

Amerikanische Komponisten wie La Monte Young legten in den USA der 60er Jahre mit ihrer "Minimal Music" den analogen Grundstein für Techno. Im Jahr 2011 wird er wieder mit Instrumenten und sogar Orchestern gespielt. Bereits vor Gudrun von Laxenburg konnten sich die österreichischen Elektro Guzzi mit analogem Techno einen Ruf erspielen. In Deutschland spielt das Brand Brauer Frick-Ensemble elektronische Clubmusik live. Die "Techno-Lichtgestalt" Moritz von Oswald verwendet zwar noch seine Turntables, tritt aber gemeinsam mit Symphonieorchestern auf. Und die Detroit-Techno-Legende Carl Craig hat diesen März bereits zum zweiten Mal mit dem Orchester Les Siècles live gespielt. 2005 legte auch Jeff Mills, einer der bedeutendsten Techno-DJs, mit den Philharmonikern von Montpelier (Vermont, USA) auf.

Gudrun von Laxenburg setzen sich mit all dem zum Teil auseinander. Vorbilder haben sie aber kaum gefunden. Sie konzentrieren sich lieber auf den eigenen Weg. "So schön Österreich ist, so sehr stößt man an seine Grenzen", sagt Schlagzeuger July Skone. Neben einer neuen EP im Herbst mit drei Tracks stehen deshalb jetzt auch Auftritte in Deutschland an. Denn von dort bekommen sie genauso Anfragen wie aus der Schweiz. Auch in Österreich selbst wird Live-Techno aber noch wichtiger werden, sagt Skone. "Ich sehe eine Aufbruchstimmung, was Live-Electro betrifft. Es brodelt."

(KURIER.at / Stephanie Lehner) Erstellt am
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