Das Disneyschloss in der Volksrepublik

Das "Eis- und Schneefestival" in der chinesischen Stadt Harbin ist eines der größten seiner Art. An Kitsch und Pomp ist es jedoch nicht zu übertreffen.

Kitsch, Pomp und keine Spur von Wirtschaftskrise. Wenn China sich der Welt präsentieren will, dann wird geklotzt und nicht gekleckert. Aktueller Beweis: Das "Eis- und Schneefestival" in Harbin. Bereits zum 29. Mal findet dort das sogenannte "Eislaternenfest" statt. Zur Eröffnung am 5. Jänner wurde ein riesiges Feuerwerk abgefackelt. Dass sie das können, bewiesen die Chinesen zuletzt bei den Olympischen Spielen. Damals wurde die Live-Übertragung des Feuerwerks effektvoll mit Archivaufnahmen aufgepäppelt. In der Eisstadt Harbins ist hingegen alles echt. Im Winter erreichen die Temperaturen in der Provinzhauptstadt im Nordosten Chinas bis zu Minus 40 Grad Celsius. Ideale Voraussetzungen für die ambitionierten Pläne der Organisatoren: An verschiedenen Plätzen in der Stadt werden filigran gearbeitete Eis- und Schneeskulpturen ausgestellt. Russische Tänzer bei der Eröffnungszeremonie am 5. Jänner. Das Festival lockt jährlich tausende Touristen in die Region. Die größten Skulpturen sind Nachbauten berühmter Baudenkmäler. So fanden sich in den vergangenen Jahren der Pariser Louvre oder der Pekinger Sommerpalast in der Provinz im Nordosten Chinas. Nachts werden die beeindruckenden Figuren dann in knallig bunten Farben erleuchtet. Die Bauten sind nicht nur zum Anschauen. Auf Eisrutschen sausen Besucher ins Vergnügen. Die Touristenattraktion gehört neben Sapporo, Oslo und Québec mittlerweile zu den vier größten Eis- und Schneefestivals der Welt. Insgesamt bedecken die Figuren eine Fläche von 750.000 Quadratmetern. Übrigens: Harbin sollte auch einigen Wiener Neustädtern ein Begriff sein. Immerhin verbindet die beiden Städte seit 2006 eine Städtepartnerschaft. Hierzulande kann man von den beeindruckenden Skulpturen nur träumen – dafür bei deutlich angenehmeren Temperaturen. Bei 40 Grad Minus gefriert selbst kochendes Wasser innerhalb von Sekunden. Das riesige Schloss ist die Hauptattraktion des diesjährigen Festivals. 180.000 Kubikmeter Eis und 150.000 Kubikmeter Schnee wurden dafür verwendet, verriet der Bauleiter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Unglaublich: Insgesamt bauten, spachtelten und schaufelten 7.000 Menschen, um das gigantische Projekt umzusetzen.

                   

(KURIER / kob) Erstellt am
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