Buzz 16.01.2012

Grelle Forelle: Für Schickis oder Hipsters?

Die Grelle Forelle am Donaukanal von außen: Wir haben uns an die Hausregeln gehalten und im neuen Club keine Fotos gemacht. © Bild: Grelle Forelle

Am Wochenende eröffnete ein neuer Club in Wien: KURIER Kult stellte sich brav an der Spittelauer Lände in die Schlange und hat sich umgesehen.

Sich anstellen. Wie schrecklich. Wir von Gästelistenplätzen verwöhnten Medienfuzzis müssen uns erstmal daran gewöhnen, nicht wichtiger als das gemeine Fußvolk zu sein. Aber was tut man nicht alles aus Neugier. So haben wir uns am Freitag gemäß den Hausregeln des neuen Clubs Grelle Forelle brav in der Schlange angestellt um zu sehen, was den Wiener Feieranten Neues geboten wird. Der Hausbrauch in Kürze: Keine Gästeliste, keine Fotos, Eintritt ab 21.

Während des Wartens auf den Einlass hatten wir schon mal Kontakt mit unliebsamen, betrunkenen Zeitgenossen, die es nach eher unenglischer Art nicht verstehen wollten, sich zu gedulden und sich vordrängen wollten. Beim Eingang schließlich angekommen, konnten wir uns von der rigiden Türpolitik der Grellen Forelle überzeugen: Nachdem zwei Wartende der Türsteherin nicht den Hauptact des Abends nennen konnten, kam der schlichte Verweis: "Wenn ihr nicht wisst, wer heute spielt, seid ihr auch nicht richtig hier." Und schon war die Schlange um zwei Personen kürzer.



Viel Platz für Tanz und Trank

Nachdem die 15 Euro Eintritt bezahlt waren, die Jacken nach weiterem Anstehen sicher bei der Garderobe untergebracht waren, endlich der erste Eindruck: gar nicht übel, ziemlich gut sogar. Architektonisch wird kluge Zurückhaltung geübt, im Detail ist guter Geschmack versteckt. Auf dem Weg zum Mainfloor quert man einen kleinen ersten Floor mit DJ-Pult und (Snack-)Bar. Dann schließlich auf ins Herz der Grellen Forelle: Räumliche Großzügigkeit erfreut alle, die nicht unbedingt am nassgetanzten T-Shirt anderer kleben wollen. Die Bar bietet ausreichend Platz für Durstige und genug Personal. Auch wenn - wie an diesem Abend - viel los ist, muss nicht ewig auf die Drinks gewartet werden. Die Preise: wie überall.

Der Londoner DJ Damian Lazarus besorgte am 9. Dezember den Auftakt.
© Bild: Damian Lazerus/press

Was die Abgewiesenen von vorhin nicht gewusst haben: Damian Lazarus vom Label Crosstown Rebels führte das Line-Up am Eröffnungstag als Haupt-Act an. Der Brite sollte offenbar Underground-Flair verbreiten. Auch der Local DJ Moogle war weit davon entfernt, sich einem Mainstream-Publikum anzubiedern, sondern bot gewohnt gute elektronische Tanzmusik. Soweit wir erfahren durften, planen die Besitzer in Sachen Bookings weiterhin das Niveau hoch zu halten. Gewünscht ist in der Forelle anscheinend ein hippes Publikum, wie aus der Kooperation mit dem Magazin Vice geschlossen werden kann.

Das Publikum: Zu schön, zu brav, zu gebügelt?

Womit wir auch schon bei der Überraschung des Abends sind: dem geschniegelten Publikum. Der Club positioniert sich mit seiner Programmgestaltung eher undergroundig. In der Eröffnungsnacht kamen aber statt coolen Hipsters viele gegelte, frisierte und schnieke Menschen, die aussahen, als wären sie bei einem After-Work-Clubbing. Die üblichen Verdächtigen aus Pratersauna, Fluc und Co. blieben aus. Ein Boykott? Wie auch immer: Die Grelle Forelle hat Potenzial, abzuwarten bleibt wie sich die Kombination aus Bookings und Publikum entwickelt. Wir werden wohl noch öfter in der Schlange stehen.

Vice-Artikel

( Kurier ) Erstellt am 16.01.2012