Frühlingsgefühle: Debüt-Album von Giantree

Giantree
Foto: Dominique Hammer Giantree: Bassistin Franzi, Gitarrist Roli, Schlagzeuger Konsti, Sänger Hele und Synthie-Queen Ada (v.l.n.r.)

Am Freitag präsentierte die Band ihr lang ersehntes erstes Album im Haus der Musik. Mit Roli und Ada haben wir über das Album gesprochen.

Nachdem uns die heimische Band Giantree bereits den letzten Sommer mit Songs wie "Time Loops" und "Communicate" versüßte, erscheint am Freitag nun endlich das  lang ersehnte Debütalbum. Im Rahmen des Springbreak-Festivals im Haus der Musik wird das sympathische Quintett rund um die Brüder Roli und Hele die neue Platte "We All Yell" vorstellen. KURIER.at sprach vorab mit Synthie-Queen Ada und dem Gitarristen Roli über Macken von Bandmitgliedern, was das Erwachsenwerden mit sich bringt und wofür es sich zu Leben lohnt.

KURIER.at: Am Freitag erscheint euer erstes Album "We All Yell". Was kann man sich erwarten? Oder wie würdet ihr es beschreiben?

Ada: Das Album lebt von dem relativ einzigartigen Schlagzeugsound, Bass-Schlagzeugkombinationen und den Chorgesängen. Wir singen fast bei jedem Song zu dritt.

Roli: Also kein typischer Chorgesang, sondern ein Unisono-Gesang von Hele, Ada und ab und an auch mir. Das ergibt einen ganz eigenen Stimmencharakter. Ansonsten ist das Album an britisch-skandinavischer Musik orientiert. Wir haben es in unseren eigenen vier Wänden aufgenommen und gemischt. Viele haben sich gewundert, was wir da für eine super Soundästhetik zusammengebracht haben.

Der Albumname "We All Yell" klingt eher nach etwas Lautem, Krachigem. Das Album ist jedoch viel ruhiger, als dieser Titel vermuten lassen würde. Was war die Idee dahinter?

Roli: Den Albumtitel haben wir in unserer aktuellen Single "Life Was Young" gefunden. In dem Song lautet die Refrainzeile "We All Yell, We All Yell". Wir schreien was raus, wir schimpfen. Ich finde, das ist ziemlich charakteristisch für das gesamte Album. Auch wenn die Musik gefühlvoll und emotional ist, hat sie auch etwas Massives und Druckvolles. Wie auch bei "Time Loops". Tell me that I`am not, Waisting my time… (Roli beginnt zu singen und mit seinem Fuß lautstark den Takt anzugeben).

Ada: Wir schreien unsere Emotionen einfach gemeinsam raus.

Roli: Wir hatten sogar Angst, dass das Album zu druckvoll wäre und haben im Nachhinein noch zwei langsamere Tracks hinzugefügt. "Lull" und "Itchekin" sind halt so langsamere Interludes zum Runterkommen.

Mit eurer aktuellen Single "Life Was Young" seid ihr gleich mal auf Platz 7 in den FM4-Charts eingestiegen. Fühlt ihr euch denn jetzt nicht mehr jung?

Ada: Den Text hat eigentlich Hele geschrieben und ich hab dann noch was dazugeschrieben. Es spiegelt so das Alter von 16 bis 25, wo man halt so richtig Gas gibt und Party macht. Die Bassistin und ich sind ja doch zehn Jahre jünger als Hele (Anmerkung der Redaktion: Ada ist 22). Ich hab mich da aber trotzdem irgendwie reinfühlen können.

Roli: Es geht wohl um die Quarterlife-Crisis. (Anm. Roli wird demnächst 30). Hele ist sogar noch älter als wir (lacht). Das Video, das wir dazu gedreht haben, geht auch in die Richtung. Jeder von uns hat ein Double im Kindesalter gehabt, so zwischen 7 und 12. Die haben wir beim Spielen und Rumtollen gefilmt, wie sie dann eine Life Location entdecken, sich auf die Bühne stellen und mit unseren Instrumenten spielen. Sie haben auch unsere Klamotten an, die nicht einmal so viel zu groß waren. Wir dachten, das würde skurril ausschauen, aber die Sachen haben ihnen echt fast gepasst.

Ada: Weil wir so klein sind (lacht).

Roli: Ja genau. Weil wir so eine kleine Band sind.

Was hat sich seit eurer EP 2010 verändert?

Roli: Das war Giantree pre. Vor Ada, Franzi und Konsti. Das waren nur noch die Ausläufer von dem Bandprojekt mit meinem Bruder. Das war so ultra-melancholisch, Richtung Keane, Coldplay. Das war dann auch vom Zeitgeist nicht mehr up to date. Einfach ein anderer Sound.

Wie habt ihr denn als Band zusammengefunden?

Ada: Konsti, der Schlagzeuger, und ich sind zeitgleich dazu gekommen. Ich bin durch ein Filmprojekt dazugekommen, wo von der alten EP Musik genommen wurde.

Roli: Mit "Time Loops" hab ich dann einen neuen Sound im Kopf gehabt. Das mussten trockene Drums sein, die direkt einfahren, tighte Bässe, Sythie-Sound und dieser 80er-Einschlag. Ein bisschen wie dieser Wham!-George-Michael-Glockensound. Das war vielleicht auch, weil wir den Song um die Weihnachtszeit aufgenommen haben.

Nachdem Konsti und Ada dazugekommen sind, haben wir eine Zeit lang mit Profi-Bassisten gespielt. So gut die alle waren, das war aber kein Band-Gefüge. Wenn du bezahlt in mehreren Band-Projekten spielst, bist du ja mehr eine musikalische Nutte. Wir haben dann ein ganz normales Ausschreiben gemacht und dann hat sich Franzi gemeldet. Sie ist eigentlich aus Berlin und studiert hier an der Angewandten.

Für euer Video zu "Time Loops" habt ihr ja gleich mehrere Jungschauspieler rekrutieren können. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Sabrina Reiter, Michael Fuith und den anderen?

Roli: Das war der Regisseur Manu Johns, der auch das Video zu "Communicate" gemacht hat. Der ist mit denen befreundet. Die Idee von einem Laufvideo in Slow Motion war von uns. Und er hat gemeint, wir brauchen Gesichter, die man kennt.

Ist es schwierig mit dem eigenen Bruder Musik zu machen? (Anm. Roland und Hele sind Brüder)

Roli: Es ist eine gewisse Hass-Liebe. Jetzt geht’s gerade (lacht).

Ada: Oh ja. Die kommen sich immer wieder in die Haare. Aber nie wirklich ernsthaft. Der Band-Zusammenhalt ist definitiv da.

Wie entstehen bei euch die Songs? Kommt jemand mit einem Vorschlag oder entstehen die Songs eher durch gemeinsames Jamen im Proberaum?

Ada: Es ist ziemlich unterschiedlich. Die Songs auf dem Album sind ja nur zum Teil neu entstanden. Die anderen sind aus einem Songpool, den vor allem die zwei Brüder schon länger hatten. Bei einigen Sachen war dann auch unser Manager dabei, der auch Musiker ist.

Roli: Es gab natürlich Re-Arrangements. Ein weiterer Teil besteht aus gemeinsam geschriebenen Songs. Hele ist Meister der Melodien, ich bin eher für das Gerüst zuständig. Zum gemeinsamen Jammen haben wir gerade leider kaum Zeit, weil wir meistens für Konzerte proben.

Ada: Ich hab letztens einen Songtext per Mail verschickt. Ich glaube, das wird jetzt immer mehr so laufen.

In welchen Lokalen in Wien kann man euch denn antreffen?

Ada: Am ehesten kann man uns bei Konzerten gemeinsam antreffen.

Roli: Ja. Bei unseren eigenen (lacht). Natürlich sind wir beste Freunde, aber man trifft dann auch gerne andere Leute.

Ihr habt ja bis zum Sommer noch einige Shows vor euch. Freut ihr euch schon auf das Tourleben? Beziehungsweise wie sieht das bei euch aus?

Ada: Das Schönste ist, wenn die Leute dann richtig mitsingen und du merkst, die kennen, was du machst. Es macht einfach Spaß.

Hat eure Band irgendwelche Spleens?

Ada: Wir nehmen vieles vielleicht zu ernst. Kurz vor dem Konzert wird die Setlist nochmal verändert und dann kennt sich keiner mehr aus. Wir sind sehr selbstkritisch und versuchen oft krampfhaft etwas zu verbessern.

5 kurze Fragen aus unserer FragWürdig-Reihe

CD Cover Foto: Monkey Music "We All Yell" erscheint am 23. März bei Monkey.

Eine Regel im Leben, an die ich mich halte:

Roli: Fettfrei essen. Ab diesem Wochenende (lacht).

Ada: Nicht mehr von der Bühne fallen.


Zwei Entscheidungen, die ich bereue:

Ada: Schwierig, wenn alles so gut läuft. Hmmh… Ich hab mir immer noch kein Moog (Anm. Sythesizer) gekauft.

Roli: Ich habe mir gerade meine Haare selbst geschnitten und hab das ein bisschen schlampig gemacht. Das bereue ich gerade.

Ada: Wir treffen einfach immer die richtigen Entscheidungen (lacht).


Drei Sachen, an die ich glaube:

Ada: Dass Musik, das Leben verändert.

Roli: Dass die Zeit und die Energie, die man für etwas investiert, zurückkommt.

Ada und Roli sind sich einig: Die Liebe.


Vier Dinge, für die es sich zu leben lohnt:

Musik, Liebe, Sex und das Leben an sich.


Fünf Dinge, die man über euch  wissen sollte:

Ada: Franzi ist total tiernarrisch.

Roli: Ada ist unsere Modeschnecke. Hele ist unsere wehleidige Diva. Konsti ist unser Energiebündel. Und ich bin… ein körperliches Wrack (lacht). Ich wär` natürlich lieber der geheimnisvolle Gitarrist oder das verkannte Genie. Nein warte. Ich bin der Kapellenmeister!

(kurier) Erstellt am
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