Buzz 12.12.2011

Amy Winehouse: Nicht alles Verborgene ist ein Schatz

© Bild: Bryan Adams

Am 2. Dezember erscheint "Lioness: Hidden Treasures", die erste posthume CD der im Juli verstorbenen Amy Winehouse.

Von Material für vier Alben, das Amy Winehouse hinterlassen haben soll, ist im Internet die Rede. Die Plattenfirma spricht von zwei noch möglichen CDs. Denn mindestens ein Dutzend Songs hat die Künstlerin für eine Veröffentlichung gesperrt.
"Wir werden Amys Wünsche selbstverständlich respektieren", sagte Darcus Beese, der Präsident ihres Labels Island, dazu kürzlich dem Guardian.

Die zwölf Songs, die jetzt auf "Lioness: Hidden Treasures" erscheinen, hat sie nicht gesperrt. Sie hat sie aber auch nicht selbst veröffentlicht, sich zu ihrer Vermarktung nie bekannt. Es könnte sein, weil Winehouse sie nicht für ausgereift genug befand, um darüber überhaupt zu diskutieren.

Klar, schlecht wird die Britin, die am 23. Juli im Alter von nur 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung starb, nie klingen. Dazu war sie zu talentiert. Aber vom Opener "Our Day Will Come", der Reggae-Bearbeitung eines Doo-Wop-Songs, bis zum Leon-Russell-Klassiker "A Song For You" glaubt man, eine Sammlung von Demos zu hören. Es fehlt der Zund, das Feuer, der Glanz.

Zwei Neukompositionen: Auf dem ersten posthumen Album von Amy Winehouse sind ihre zwei selbstkomponierten, bisher unveröffentlichten Songs die Highlights.
© Bild: Bryan Adams

Das Schlagzeug klingt häufig wie hölzernes Geklopfe, die Stimme oft unengagiert, so als hätte Winehouse etwas anderes im Kopf oder wolle sich in dem Song erst orientieren.
Und auch die Songauswahl lässt vermuten, dass Beese sich bei der Suche nach Verwertbarem schwertat. Es gibt Cover-Versionen, Überbleibsel aus den Sessions für ihr erstes Album "Frank", eine langsamere Version des Hits "Valerie" und das schon auf Tony Bennetts Album veröffentlichte Duett "Body & Soul".
Nur "Like Smoke" mit Rapper Nas und "Between The Cheats" über ihre Ehe mit dem untreuen Blake Fielder-Civil sind neue Winehouse-Kompositionen, die für das dritte Album bestimmt waren. Und gleichzeitig die Highlights.

So bleibt am Ende das Gefühl, dass es sich bei "Lioness: Hidden Treasures" doch um respektlose Geschäftemacherei handelt - nicht darum, der Öffentlichkeit zu geben, was Winehouse ihr ohnehin geben wollte, nur nicht mehr konnte. Dieses Album hätte ein Bootleg sein müssen - eine Ergänzung für glühende Fans, die wissen wollen, wie ihr Idol sein Genie entwickelt hat. In eine Reihe gestellt mit dem mit siebenfach Platin-veredelten "Back To Black" wird es dem Talent von Amy Winehouse einfach nicht gerecht.

(Brigitte Schokarth)

Zwei Neukompositionen: Auf dem ersten posthumen Album von Amy Winehouse sind ihre zwei selbstkomponierten, bisher unveröffentlichten Songs die Highlights.
© Bild: Bryan Adams

Die Toten sind höchst lebendig im Popbusiness. Noch heute streiten sich die Erben um die Rechte an der Musik des 1970 gestorbenen Jimi Hendrix. Kein Wunder: Tote Stars sind weiter Vielverdiener. Rund 123 Millionen Euro spülte etwa Michael Jacksons Musik nach seinem Tod innerhalb von zwölf Monaten in die Börserln seiner Erben. Und es ist so bald kein Ende in Sicht: Bis 2017 sollen insgesamt zehn posthume Alben erscheinen. Genauso viele Studioalben also, wie Jackson in seiner ganzen Karriere selbst veröffentlicht hat.

Zwei Neukompositionen: Auf dem ersten posthumen Album von Amy Winehouse sind ihre zwei selbstkomponierten, bisher unveröffentlichten Songs die Highlights.
© Bild: Bryan Adams

Beim zweiten Jackson-Nachlassalbum, "Michael", kämpften die Produzenten mit Fälschungsvorwürfen. Jüngst ist das dritte erschienen, und es könnte beispielhaft für die oft zweifelhafte Qualität stehen, die posthume Veröffentlichungen aufweisen: "Immortal" verwendet die Originalstimme Jacksons. Verpackt in "Neuvertonungen" seiner Hits durch einen "Musikdesigner". Passend zu einer Jackson-Zirkusshow. Da muss man schon sehr Fan sein.

Jackson steht aber nicht alleine da: Der griff ins Archiv ist ganz allgemein zumeist finanziell lohnender als künstlerisch. Die Rechnung ist simpel: Auf posthumen Alben sind - klarerweise - Songs, die zu Lebzeiten nicht veröffentlicht wurden. Mit gutem Grund.

Wie etwa bei den 2008 wiederaufgetauchten Falco-Aufnahmen, die zur CD "The Spirit Never Dies" zusammengestellt wurden. "Gefährliche Nähe zum Schunkelschlager", urteilte die APA.

( Georg Leyrer)

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Erstellt am 12.12.2011