Politik/Inland

Warum der Dornauer „Schorsch“ der Fettnäpfchen-König von Tirol ist

Georg Dornauer, der Schorsch, wie er auch gerne genannt wird, bleibt der Fettnäpfchen-Kaiser in Westösterreich. Jetzt ist auch noch sein Jagdgewehr weg, von der Polizei konfisziert, weil er die Langwaffe nicht ordentlich versperrt daheim, sondern in seinem Auto am Flughafen verwahrt hat – und das Fenster offenließ. Es ist nur ein weiterer Negativ-Punkt auf einer langen Liste der Verfehlungen des 36-jährigen SPÖ-Bürgermeisters von Sellrain, der dieses Amt seit 2016 innehat.

Warum er seine Waffe mithatte, muss erst geklärt werden. Dornauer selbst feierte jedenfalls am Freitagabend in seinem Tal, wo er auch Bürgermeister ist, Hubertusfeier.

Alle Inhalte anzeigen

Am Samstag ging es dann vom Innsbrucker Flughafen zum Landesparteitag der SPÖ im Burgenland, zu seinem Parteifreund Hans Peter Doskozil.

Alle Inhalte anzeigen Alle Inhalte anzeigen

Dornauer ist aber auch SPÖ-Chef der Landespartei Tirol, die zuletzt von 17,25 Prozent bei den Landtagswahlen 2018 gewählt wurde. Bei der Nationalratswahl im September schafften die Tiroler Genossen gerade einmal 13 Prozent.

Der Jagdgewehr-Affäre gingen andere Fettnäpfchen, die irgendwo zwischen Unvermögen und Dummheit eingereiht werden müssen, voraus.

Am Tag nach der Nationalratswahl im September, die für die SPÖ und deren Frontfrau Pamela Rendi-Wagner zum Desaster wurde, hatte Dornauer die sonderbarste Erklärung für das schlechte Ergebnis, und warum es nicht gelingt, abtrünnige FPÖ-Wähler zur SPÖ zu holen: „Der klassische FPÖ-Wähler wählt keine Frau mit einem Doppelnamen“, richtete er Rendi-Wagner aus. Was schräg anmutet, angesichts prominenter FPÖ-Frauen wie Susanne Riess-Passer (die inzwischen nur mehr Riess heißt), Dagmar Belakowitsch-Jenewein (die inzwischen nur mehr Belakowitsch heißt), Helene Partik-Pablé oder Beate Hartinger-Klein.

Dornauer hatte auf Twitter ein angebliches E-Mail veröffentlicht, in dem von Spenden von Tiroler Unternehmen an die EU-Abgeordnete Barbara Thaler (ÖVP) die Rede war. Die ÖVP sprach von einem Fake-Mail und forderte Dornauers Rücktritt. „Ich für meine Person weiß, dass ich zu 100 Prozent richtig gehandelt habe“, verteidigte er damals sein Handeln. Zwar gebe es noch keine eindeutigen Beweise, dass das E-Mail echt sei, dafür allerdings „glaubwürdige Indizien“.

Übrigens: Der Tiroler Neos-Chef Dominik Oberhofer hatte das möglicherweise gefälschte Mail ebenfalls erhalten, im Gegensatz zu Dornauer aber nicht veröffentlicht, sondern der Tiroler Polizei übergeben.

Für Ärger sorgte seine Aktion, die Fahne vor dem Innsbrucker SPÖ-Büro zu ändern: Statt der traditionellen roten Rose unter dem SPÖ-Logo platzierte Dornauer ein Foto - von sich. Selma Yildirim, Spitzenkandidatin der SPÖ bei der verganenen Nationalratswahl, befand: „Ich fordere, dass diese Beklebung unverzüglich wieder entfernt wird.“

Im August gab der querköpfige Landesparteichef der rechten Zeitschrift Info-Direkt ein Interview und wurde dafür prompt heftig kritisiert.

Im März veröffentlichte er ein Foto, das ihn gesellig mit dem Ex-FPÖ-Abgeordneten und Angeklagten im Buwog-Prozess Walter Meischberger zeigt. Dornauer kommentierte sein Foto mit „mein Freund Walter Meischberger“. Die Genossen warfen ihm deshalb einmal mehr „fehlendes Gespür“ vor.

Horizontale

Und fast auf den Tag genau vor einem Jahr fiel Dornauer das erste Mal bundesweit auf (und durch): Bei einer Sitzung des Landtages ließ der Mann mit dem zweifelhaften Skilehrer-Charme die wegen Krankheit daheim gebliebene grüne Landesrätin Gabi Fischer, die das Geschehen im Livestream beobachtete, grüßen und fügte den Fettnäpfchen-Satz hinzu: „Also jetzt will ich mir die Landesrätin nicht in der Horizontalen vorstellen!“

Die Kritik an dieser Art von Sexismus eskalierte kurzfristig so sehr, dass Rendi-Wagner ihm einen Sitz im SPÖ-Präsidium, in das normalerweise alle Landeschefs automatisch eingeladen werden, verweigerte.

Seine Reaktion damals begründete wohl den Mythos des Fettnäpfchen-Königs: „Sexismus entsteht beim Empfänger“, sagte er zunächst. Und meinte damit wohl, er habe das ja gar nicht sexistisch gemeint, vielmehr seien jene sexistisch, die das absichtlich missverstehen.

Erst später entschuldigte er sich mehrmals und durfte schließlich doch ins SPÖ-Präsidium einziehen.

Gegenüber dem KURIER wollte Dornauer nicht Stellung nehmen, er verweist in der Langwaffen-Affäre auf die Bezirkshauptmannschaft, die sich der Sache angnommen hat.