Liposome in Cremes: Alles nur Schwindel?

Creme…
Foto: Fremd/4FR PHOTOGRAPHY/Istockphoto .

Die Kosmetikindustrie wirbt häufig mit den Mini-Kügelchen – so wirken sie wirklich.

„Mit dem Liposomen-Komplex gegen Hautalterung“ – so werben manche Kosmetikhersteller für ihre Cremen und Beauty-Produkte. Die Idee: Anti-Aging-Substanzen sowie  nährende Wirkstoffe werden mit Hilfe der hohlen Mini-Kügelchen als Trägersubstanz in tiefere Schichten der Haut transportiert. Erwünschter Effekt: Strahlend schöne Haut, die sich verjüngt. Liposome wären also angeblich in der Lage, die oberen Hornschichten mühelos zu durchbrechen und kleine Wunder zu bewirken. Stimmt das?

Liposome kommen nicht durch

Eine neue Studie der University of Denmark, veröffentlicht im Journal Plos One,  lässt nun aufhorchen. Die Studienautoren Jes Dreier sowie Jonathan Brewer kommen darin zu dem Schluss, dass Liposome die äußere Hautschicht gar nicht durchdringen können, ohne dabei zu zerbrechen. Die Studie ergänzt Erkenntnisse aus dem Jahr 2013, wonach die Forscher schon einmal zeigen konnten, dass Liposome ihre „Fracht“ (also diverse Beauty-Substanzen) verlieren – und zwar exakt in jenem Moment, wo sie auf der Hautoberfläche auftreffen.  „Diemal haben wir eine neue Methode angewandt und wiederum hat sich gezeigt, dass intakte Liposome es gar nicht schaffen, die Hautoberfläche zu durchdringen. Deshalb wäre es wichtig, die Meinung zu Liposomen zu verändern, speziell in der Kosmetikindustrie, wo sie ja immer so dargestellt werden, als könnten sie die Haut schützen bzw. Substanzen in die Haut einschleusen“, sagt Jonathan Brewer.

Neues Mikroskop hilft, die Haut zu studieren

Die Forschergruppe ist die erste weltweit, die für diese Studie ein spezielles Mikroskop verwendet haben – ein Nanoskop. Damit gelingt es, die Haut genau zu studieren. Mithilfe dieser Technik ist es möglich, die Aktivität der Moleküle und Liposome genau zu beobachten. Dabei wird auch offensichtlich, wie Hautzellen funktionieren. Die Forscher schließen allerdings die Möglichkeit nicht aus, dass Liposome zumindest helfen würden, diverse Substanzen „auf den Weg zu bringen“, also in Bewegung zu setzen.

„Wenn die Liposomen auf die Haut kommen, brechen sie. Dabei ist nicht klar, ob die Substanzen verloren gehen. Es kann durchaus sein, dass eine chemische Reaktion in Gang gesetzt wird, die bewirkt, dass Wirkstoffe die Hautbarriere tatsächlich durchbrechen können. Man kann also schon behaupten, dass Liposome funktionieren – aber nicht so, wie es die Kosmetikindustrie glauben machen möchte“, sagen die Forscher.

(kurier/gk, eureka) Erstellt am
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