Maze ist Gesamtweltcup-Siegerin

FRANCE ALPINE SKIING WORLD CUP
Foto: APA/EDDY LEMAISTRE Mrs. "Unstoppable": Tina Maze.

Die Slowenin siegt in Meribel vor Nicole Hosp und Michaela Kirchgasser.

Die Rechenstifte können eingepackt werden. Auch eine Dame kann schon einpacken. Tina Maze braucht heuer gar nicht mehr die Brettl’n anschnallen – der Gesamt-Weltcup ist der Slowenin nach dem gestrigen Erfolg bei der Super-Kombination in Meribel nicht mehr zu nehmen. Neun Rennen vor Saisonende kann die Deutsche Maria Höfl-Riesch die 29-Jährige nach deren Sieg in der gestrigen Super-Kombination nicht mehr einholen. Die Weltmeisterin selbst schied als Dritte der Abfahrt im Slalom aus und hat nun 958 Punkte Rückstand. „Für mich ist ein Traum wahr geworden. Ein Traum, für den ich allerdings hart gearbeitet habe“, sagt Maze nach ihrem ersten Triumph im Gesamt-Weltcup.

Ihren ersten Weltcup-Sieg hat die Slowenin übrigens am 26. Oktober 2002 in Sölden gefeiert. Maze musste sich den Platz auf dem obersten Stockerl allerdings mit zwei Damen teilen: mit der Norwegerin Andrine Flemmen und mit der Österreicherin Nicole Hosp.

"My way is my decision." In der slowenischen Hitparade war sie mit ihrem Song längst an der Spitze angekommen, in der Welt des Sports steht sie seit Ende Februar ganz oben. Getreu ihrem als Sängerin und Athletin gelebten Motto ging Tina Maze in den vergangenen Jahren ihren eigenen Weg, der die ehrgeizige 29-Jährige nun zum Gesamtsieg im alpinen Skiweltcup führte. Erstmals gelang einer Slowenin der Coup, als konstanteste Skirennläuferin einer Saison ausgezeichnet zu werden. Die Trophäe bekommt Maze, der auch ein Imagewandel gut bekommt, freilich erst beim Finale in Lenzerheide. Maze wurde am 2. Mai 1983 in Slovenj Gradec geboren. Als sie ein Jahr war, übersiedelten die Eltern mit ihr nach Prevalje in das Gemeindegebiet von Crna na Koroskem. Auf der Dolina-Piste zog sie als Dreijährige ihre ersten Schwünge. "Tina erschien immer als Erste. Und wenn ich den Bügellift um 17.00 Uhr abstellen wollte, bettelte Tina geradezu um eine zusätzliche Fahrt, damit sie nochmals durch die ausgeflaggten Tore sausen konnte. Sie hatte einen ... ... außergewöhnlichen Willen, wollte besser werden als die anderen", erinnerte sich Mazes erster Trainer Primoz Vodovnik kürzlich in der Berner Zeitung. "Tinas Wille ist das eine. Sie war auch mit reichlich Talent gesegnet", fügte er hinzu. Ihr erstes Weltcuprennen gewann Tina Maze an 26. Oktober 2002, ex aequo mit der Tirolerin Nicole Hosp (li.) und der Norwegerin Andrine Flemmen (Mi.) hatte sich die damals 19-Jährige im Riesentorlauf in Sölden durchgesetzt. Vereinzelt gelangen ihr auch in den folgenden Jahren Siege, so richtig los ging es aber erst im Privatteam. Das aktuelle Umfeld ist stabil und auch der Schlüssel zum Erfolg. Die Stöckli-Pilotin vertraut derzeit auf drei Italiener und einen slowenischen Physiotherapeuten. Chef des 2008 gegründeten "Team to aMaze", wie es auf der Website heißt, ist der Italiener Andrea Massi, Headcoach und Lebensgefährte der Sportlerin. Die beiden lernten einander 2002 kennen, als er als Fitnesstrainer zur slowenischen Mannschaft stieß. Im Gesamtweltcup war der Anstieg seit 2008/09 mit Platz sechs rasant, es folgten die Endplatzierungen vier, drei, zwei und nun eins. Maze hat in ihrer Karriere bisher 20 Weltcuprennen gewonnen - und sich einmal wegen ihrer Unterwäsche mit der FIS angelegt. Seit dem Super-G-Erfolg am 13. Jänner in St. Anton zählt sie zum elitären Kreis jener sechs Läuferinnen, die Siege in allen fünf Disziplinen gefeiert haben. Am 2. März knackte sie in Garmisch den 2.000-Punkte-Rekord von Hermann Maier aus der Saison 1999/2000. Sie wurde dreimal zu Sloweniens "Sportlerin des Jahres" gewählt. Auch die Medaillenausbeute der Schmuckdesignerin und Sängerin kann sich sehen lassen. Bei Weltmeisterschaften stand sie 2009 in Val d'Isere als Zweite im Riesentorlauf erstmals auf dem Podest. 2011 reiste sie als Riesentorlauf-Weltmeisterin und Kombinations-Silbermedaillengewinnerin aus Garmisch-Partenkirchen ab. In Schladming gewann sie zusätzlich zum Super-G-Titel noch jeweils Silber in Riesentorlauf und Kombination. Bei Olympia 2010 in Vancouver/Whistler wurden es jeweils silberne Plaketten in Riesentorlauf und Super-G.

Hosp und Kirchgasser am Podium

Hosp war auch am Sonntag in der Nähe der großen Triumphatorin. Die 29-jährige Tirolerin wurde hinter der überragenden Super-G-Weltmeisterin von Schladming Zweite, unmittelbar vor der Salzburgerin Michaela Kirchgasser. Zwei Lichtblicke, die im Trubel um Maze gestern etwas untergingen.

Tina Maze hat mit ihrem neuesten Sieg eine weitere Bestmarke erreicht. Der achte Sieg in diesem Winter war auch der 18. Podestplatz in der laufenden Saison. Dieses Kunststück war zuvor lediglich der Schwedin Pernilla Wiberg und der Liechtensteinerin Hanni Wenzel gelungen. Tina Maze besitzt noch neun Möglichkeiten, Mitte März als alleinige Rekordhalterin dazustehen.

Maze hatte schon zuvor die kleine Kristallkugel im Riesenslalom sicher und sich gestern auch die Kombinations-Wertung gesichert.

  Super-Kombi: Endstand    
1. Tina Maze SLO 1:59,54
2. Nicole Hosp AUT 2:00,36
3. Michaela Kirchgasser AUT 2:00,44
4. Julia Mancuso USA 2:01,00
5. Marie-Michele Gagnon CAN 2:01,36
6. Elena Curtoni ITA 2:01,42
. Veronique Hronek GER 2:01,42
8. Lara Gut SUI 2:01,72
9. Lotte Smiseth Sejersted NOR 2:02,32
10. Ilka Stuhec SLO 2:02,49
Weiter:      
19. Stefanie Moser AUT 2:03,68
20. Margret Altacher AUT 2:03,70
21. Elisabeth Görgl AUT 2:03,71
25. Tamara Tippler AUT 2:04,46

Ausgeschieden in der Abfahrt: Regina Sterz (AUT), Stacey Cook (USA), Edit Miklos (HUN), Klara Krizova (CZE), Larisa Yurkiw (CAN)

Steckbrief

Tina Maze

Steckbrief der slowenischen Weltcup-Dominatorin in diesem Winter

Tina MAZE (SLO/29 Jahre):
Geboren am 2. Mai 1983 in Slovenj Gradec (Windischgrätz)
Wohnort: Crna na Koroskem
Größe/Gewicht: 1,71 m/63 kg
Familienstand: ledig
Ski: Stöckli
Schuhe: Lange
Verein: SK Crna TAB
Hobbys: Musik, Beach-Volleyball
Homepage: www.tinamaze.com

Größte Erfolge:
WM: Weltmeisterin 2011 im Riesentorlauf und 2013 im Super-G, WM-Zweite 2009 und 2013 im Riesentorlauf sowie 2011 und 2013 in der Super-Kombination
Olympia: Silber 2010 im Super-G und Riesentorlauf
Weltcup: 19 Siege (12 Riesentorlauf, 2 Slalom, 3 Super-Kombination, 1 Abfahrt, 1 Super-G) und 37 weitere Podestplätze, Gesamtsiegerin 2012/2013, Gesamtzweite 2011/12, Gesamtdritte 2010/11, Riesentorlauf-Siegerin 2012/13
Eine von bisher nur sechs Skirennläuferinnen mit Weltcup-Siegen in allen fünf alpinen Disziplinen
Sonstiges: Dreimal Sloweniens "Sportlerin des Jahres" (2005, 2010, 2011)

Hintergrund

Alle Gesamtweltcup-Siegerinnen

Die Gesamtsiegerinnen im alpinen Ski-Weltcup der Damen seit 1967

 1967 Nancy Greene (CAN)
 1968 Nancy Greene (CAN)
 1969 Gertrud GABL (AUT)
 1970 Michele Jacot (FRA)
 1971 Annemarie PRÖLL (AUT)
 1972 Annemarie PRÖLL (AUT)
 1973 Annemarie PRÖLL (AUT)
 1974 Annemarie MOSER-PRÖLL (AUT)
 1975 Annemarie MOSER-PRÖLL (AUT)

 1976 Rosi Mittermaier (GER)
 1977 Lise-Marie Morerod (SUI)
 1978 Hanni Wenzel (LIE)
 1979 Annemarie MOSER-PRÖLL (AUT)
 1980 Hanni Wenzel (LIE)
 1981 Marie-Theres Nadig (SUI)
 1982 Erika Hess (SUI)
 1983 Tamara McKinney (USA)
 1984 Erika Hess (SUI)
 1985 Michela Figini (SUI)
 1986 Maria Walliser (SUI)
 1987 Maria Walliser (SUI)
 1988 Michela Figini (SUI)
 1989 Vreni Schneider (SUI)
 1990 Petra KRONBERGER (AUT)
 1991 Petra KRONBERGER (AUT)
 1992 Petra KRONBERGER (AUT)
 1993 Anita WACHTER (AUT)

 1994 Vreni Schneider (SUI)
 1995 Vreni Schneider (SUI)
 1996 Katja Seizinger (GER)
 1997 Pernilla Wiberg (SWE)
 1998 Katja Seizinger (GER)
 1999 Alexandra MEISSNITZER (AUT)
 2000 Renate GÖTSCHL (AUT)

 2001 Janica Kostelic (CRO)
 2002 Michaela DORFMEISTER (AUT)
 2003 Janica Kostelic (CRO)
 2004 Anja Pärson (SWE)
 2005 Anja Pärson (SWE)
 2006 Janica Kostelic (CRO)
 2007 Nicole HOSP (AUT)
 2008 Lindsey Vonn (USA)
 2009 Lindsey Vonn (USA)
 2010 Lindsey Vonn (USA)
 2011 Maria Höfl-Riesch (GER)
 2012 Lindsey Vonn (USA)
 2013 Tina Maze (SLO)

(APA / mod) Erstellt am
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