Vor Finanzkollaps: "Beste Erste Liga aller Zeiten" zerfällt

Fussball
Foto: /Agentur Diener/ Kuess Viele Patienten: In der Erste Liga geht’s nicht nur Klagenfurt (Eler) schlecht.

Der zweiten Spielklasse gehen die Klubs aus. Die Abstiegsregel soll entschärft werden.

Das wird die beste Erste Liga aller Zeiten. Ganz sicher.

Zu Saisonbeginn wurde noch gejubelt. Über die violetten Aufsteiger aus Salzburg und aus Klagenfurt. Über das urbane Flair in der zweiten Spielklasse mit sieben Klubs aus Landeshauptstädten. Über den Abstiegskampf, der bei so viel sportlicher Qualität nichts anderes als spektakulär werden kann.

Ein halbes Jahr später darf das abgeschlagene Schlusslicht FAC mit dem Klassenerhalt planen. Den Wienern fehlen nach dem peinlichen Saisonstart (Trainer Pacult erreichte in zehn Runden null Punkte) zwar 18 Zähler auf den rettenden achten Platz – doch in dieser Liga reicht es, finanziell zu überleben.

Wenn es schlecht läuft, wird es im Sommer nicht einmal zehn Vereine geben, die alle Lizenzkriterien erfüllen. Inklusive FAC wohlgemerkt.

Quo vadis, Erste Liga?

Als Fixabsteiger steht Austria Salzburg fest. Mit Passiva von 1,3 Millionen Euro musste der Aufsteiger Insolvenz anmelden. "Ich gehe davon aus, dass sie die Saison fertig spielen können. Dann folgt aufgrund der Insolvenz zwingend der Abstieg", sagt Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer.

Der eine Aufsteiger darf also keinen Lizenzantrag mehr stellen, der andere – Austria Klagenfurt – könnte freiwillig verzichten. In der Kleinen Zeitung erklärt Klagenfurt-Präsident Peter Svetits, dass "in den kommenden zwei Monaten" neue Sponsoren gefunden werden müssen. Sechsstellige Beträge würden fehlen. Svetits (laut Ex-Teamchef Hickersberger "der böse Geist des österreichischen Fußballs") zeigt sich von der lokalen Politik enttäuscht – allein, in Kärnten wird nach dem Hypo-Debakel nicht der nächste Krisenklub gerettet werden können.

Damit scheinen die zwei Fixabsteiger schon gefunden. Es könnte aber noch schlimmer kommen: Wiener Neustadt gab schon im Herbst bekannt, dass die Reserven aus der Stronach-Zeit aufgebraucht sind. Derzeit sucht ein neuer Vorstand nach Finanzquellen, um die Lizenz erhalten zu können.

Außerdem hat Kapfenberg neben dem Imageproblem (Stichwort Wettskandal mit den ehemaligen KSV-Spielern Taboga und Kuljic) laut fanreport.com auch ein finanzielles: Lotto-Millionär Hubert Scheer soll immer wieder ausgeholfen haben; im November ist der Obmann von Maria Lankowitz verstorben.

Liga-Reform

Ebenbauer sieht der Krise ins Auge: "22 Prozent aller Einnahmen gehen an die Klubs der Erste Liga. Ohne Solidarität der Großen würde es also gar nicht gehen." Dass es so nicht weitergehen kann, weiß aber auch der Liga-Vorstand: "Durch den Beschluss zu zwei Fixabsteigern in einer Zehnerliga ist die Risikobereitschaft gestiegen. Es zeigt sich, dass es langfristig so nicht geht." Die Liga kann den nach Druck der Landesverbände gefassten Beschluss nicht selbstständig kippen. "Aber wir sollten uns dringend zusammensetzen."

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(kurier) Erstellt am
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