Kontinuität bleibt bei Rapid nur ein Traum

FUSSBALL EUROPA LEAGUE: DINAMO MINSK - SK RAPID WI
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH Der nächste Neuaufbau? Rapid und Trainer Zoran Barisic drohen im Sommer weitere Abgänge

Transfers: Warum die besten Spieler auch künftig nicht langfristig gehalten werden können.

Zoran Barisic hatte einen Traum. "Wir möchten über zwei, drei Jahre eine Mannschaft aufbauen. Wenn wir zusammen bleiben, können wir wirklich Erfolge feiern."

Die neue Rapid-Führung wollte dem Trainer den Wunsch erfüllen. Auch wenn das damals mit viel Wenn und Aber verbunden war.

Ja, ...

... wenn die Gehälter nach starken Leistungen erhöht werden können;

... wenn die Qualität da ist, um auch international Erfolge feiern zu können;

... wenn sich die Spieler wirklich auf ein modernes, stimmungsvolles Zuhause wie das Allianz Stadion freuen können;

... ja, dann werden die Rapidler ihre Leistungsträger zusammenhalten und mit einer eingespielten Mannschaft bei der Rückkehr nach Hütteldorf ernsthaft den Titel angreifen können.

Tatsächlich liegen jetzt Millionen auf der Bank. Im Europacup wurde erstmals seit 20 Jahren überwintert. Im Juli werden 28.300 Fans die Eröffnung im ausverkauften Allianz Stadion feiern.

Alles wurde getan, um die angestrebte Kontinuität zu verwirklichen. Nur der Traum von Barisic, der erfüllt sich trotzdem nicht.

Eingespielter Erfolg

"Jetzt bin ich über ein Jahrzehnt da und zum ersten Mal sind alle Stammkräfte beim Trainingsstart noch da", jubelte Steffen Hofmann im Juni. Was ein eingespieltes Team bewirken kann, zeigte sich vom Jahresstart 2015 bis zum Aus im Champions-League-Play-off: Von 29 Pflichtspielen wurden 18 gewonnen, nur drei verloren.

Doch mit der vergebenen Top-Chance im dramatischen Finish gegen Donezk war für Robert Beric das Kapitel Rapid erledigt. Vergangene Woche hat Thanos Petsos seinen (ablösefreien) Abschied im Sommer angekündigt. Und Florian Kainz wird – sofern er fit und in Form bleibt – auch nicht im Allianz Stadion einlaufen.

Das ist aber noch nicht alles. Gut möglich, dass von den zehn Feldspielern aus dem Barisic-Traum ein Jahr nach dem Beric-Verkauf nur noch die Hälfte da sein wird: fünf aus zehn. Denn neben Kainz und Petsos werden für den Sommer auch Stefan Stangl und Louis Schaub am Transfermarkt hoch gehandelt.

Die Verträge beider laufen im Sommer 2017 aus, ein Ja der Spieler zur vorzeitigen Verlängerung ist nicht zu erwarten. Schaub hat noch dazu eine Ausstiegsklausel in moderater Höhe, die Richtung Vertragsende natürlich nicht höher wird.

Der 21-Jährige ist zwar noch bis März verletzt, aber durch die außergewöhnliche Europacup-Bilanz (elf Tore in 19 Spielen) ohnehin auf vielen Scouting-Listen vorgemerkt. Einige gute Auftritte nach dem Comeback sollten reichen, um das Wunschziel Deutschland zu erreichen.

Stangl ist zwar erst seit einem halben Jahr Stammspieler, dafür aber auf einer international besonders gefragten Position. Der linke Verteidiger hat sich schon in den Fokus von mehreren Klubs mit Rang und Namen gespielt. Sein Manager Thomas Böhm weiß als langjähriger Berater von Stranzl und Fuchs, wie Transfers gehen, bei denen alle Beteiligten zufrieden sind.

Sind es also nur hohle Phrasen, wenn den Fans erzählt wird, wie schön es bei Rapid ist? Nicht unbedingt.

Vor dem Abschied

Es gibt zwei stichhaltige Argumente, die immer wieder auftauchen, wenn der Abschied näher rückt:

1. Das Geld Rapid zahlt gut, alleine für die Europacup-Erfolge wurde jeder Spieler mit sechsstelligen Summen belohnt. Durch das neue Stadion wird künftig noch mehr Geld zu verteilen sein. Allerdings kann die internationale Konkurrenz trotzdem immer mehr oder oft gar ein Vielfaches bieten.

2. Die Gegner Rapid kauft zumeist junge, hungrige Spieler. Nach einiger Zeit ist dann zu hören: "Ich will nicht ewig zwei Mal im Jahr in Wiener Neustadt oder in Grödig spielen." Nicht die Heimspiele und schon gar nicht die Europacup-Auftritte sind das Problem, um die Auswärtspartien geht es.

Barisic hat realisiert, dass sein Traum geplatzt ist. Rapid hat die Taktik geändert und mittlerweile den finanziellen Spielraum, gute Angebote auch abzulehnen. So wie bei Kainz sollen die Abgänge hinausgezögert werden, damit mehr Zeit bleibt, die Nachfolge zu regeln.

Aber eines bleibt gleich: Rapid wird für die Big Player am Transfermarkt nur ein Ausbildungsverein bleiben.

(kurier) Erstellt am
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