Süditalien mit Mozzarella und "Sissi"-Flair

Apulien/Kampanien…
Foto: /Julia Pfligl  

Während das weniger bekannte Apulien durch Ursprünglichkeit besticht, raubt einem Kampanien mit seiner Amalfiküste den Atem.

Der Mozzarella schmeckt warm und salzig – ganz anders, als wir ihn von österreichischen Supermärkten kennen. Dina, die freundliche Italienerin mit den raspelkurzen Haaren, rührt in einer großen Wanne, bis sich das Lab zu einem weichen Klumpen formt. Davon zwickt sie kleine Teile ab, formt sie zu Knötchen und legt sie behutsam in 90 Grad heißes Wasser – spätestens jetzt ist klar, warum sich der Name von "mozzare", dem italienischen Wort für "abzwicken", ableitet. Und warum Dinas Hände so rot sind.

Apulien/Kampanien… Foto: /Julia Pfligl Dina macht Mozzarella

Vom italienischen Weichkäse bekommen wir auf unserer fünftägigen Reise durch Apulien und Kampanien reichlich – meist in Kombination mit Weißbrot, Tomaten und Olivenöl, immerhin wollen die Früchte der 60 Millionen Olivenbäume, die in Apulien wachsen, verwertet werden. "In Italien würde niemand Mozzarella kaufen, der älter als zehn Tage ist", erzählt Dina. Wenn möglich, wird der Käse immer am selben Tag gegessen, frisch, warm und salzig.

Florenz des Südens

Für Liebhaber der italienischen Küche hat die östlichste Provinz Italiens – der Absatz des Stiefels – einiges zu bieten. In der Masseria, dem landwirtschaftlichen Betrieb, wo wir Dina bei der Mozzarella-Herstellung zusehen und auch gleich zu Mittag essen, ist fast kein Platz mehr auf dem Tisch: getrocknete Tomaten, gebackene Zucchiniblüten, grüne und schwarze Oliven, Ricotta, Wurst, Focaccia und frittierte Kartoffelbällchen werden serviert, und das sind erst die Antipasti, der Gang vor der Vorspeise. Es folgen Pasta (wie machen es die Italiener bloß, dass sie so anders schmeckt als bei uns?), Fleisch und, um nach dem Mahl wieder auf die Beine zu kommen, ein Espresso mit Grappa. Na Mahlzeit.

Apulien/Kampanien… Foto: /Julia Pfligl

Eigentlich sind wir ja nicht wegen des Essens hier – zumindest nicht nur. Apulien ist vor allem historisch und architektonisch interessant, wie sich bei einem Spaziergang durch Lecce herausstellt. Die vielen barocken Bauten, errichtet aus dem für die Region typischen, weichen Tuffstein, haben der Stadt den Namen "Florenz des Südens" eingebracht. Während die Sonne langsam untergeht und uns Reiseführer Sascha durch die kleinen Gassen mit den Straßencafés und kleinen Geschäften führt, kommt ein frisch vermähltes Ehepaar mitsamt Hochzeitsgesellschaft aus der Kirche – ein fast kitschiger Anblick.

Apulien… Foto: /Prima Reisen Barocke Fassade in Lecce

Höhlen und "Iglus"

Kitschig ist auch Alberobello – auf seine eigene Art. Die 10.000-Einwohner-Stadt besteht aus kleinen, weißen Häuschen mit Kegeldächern, den Trulli. In den "Iglus aus Stein", wie sie Sascha nennt, lebten die Ärmsten der Armen, weil Stein das billigste Material war und die Bewohner für ihre spartanischen, mörtellosen Unterkünfte keine Steuern zahlten.

Apulien/Kampanien… Foto: /Julia Pfligl

Die 1300 Trulli, die es heute noch gibt, stehen unter Denkmalschutz und sind ein Besucher-Hotspot in Apulien. Manche wurden zu Souvenirshops umfunktioniert, andere haben sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt. So wie der Trullo von Pasquale, den wir besichtigen dürfen. Die zwei Zimmer sind einfach, aber ordentlich eingerichtet, auf dem Tisch steht eine Vase mit Blumen. Doch auch er wohnt nicht mehr hier. Wie fast alle Bewohner von Alberobello ist seine Familie in den 1980er-Jahren in die Neustadt übersiedelt.

Apulien/Kampanien… Foto: /Julia Pfligl Paquale zeigt sein Trullo

Nach einem Badestopp an der Küste – der Sand ist fein, das Meer klar und türkis – verlassen wir die Region in Richtung Matera. Die europäische Kulturhauptstadt 2019 gehörte früher zu Apulien, liegt jetzt aber in der Basilikata, der Region zwischen Apulien und Kampanien. Wer durch die Felsenstadt spaziert, spaziert durch die Vergangenheit: Überall befinden sich Höhlensiedlungen, die Sassi, in denen die arme Bevölkerung Süditaliens hauste. Erst vor 60 Jahren wurden die Bewohner ausgesiedelt, die Sassi später zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und renoviert. Dass heute noch 3000 Menschen in den Höhlen wohnen, ist trotzdem kaum zu glauben.

Apulien/Kampanien… Foto: /Julia Pfligl Felsenstadt Matera

"Sissi"-Drehorte

Etwa drei Stunden dauert die Fahrt nach Kampanien. Die Region ist vor allem für ihren spektakulären Küstenabschnitt, die Amalfiküste, bekannt. Schon die Macher der "Sissi"-Trilogie dürften sich in die Gegend um Neapel verliebt haben: Jene Filmszene, in der die Kaiserin Ausgrabungen besucht, wurden nicht in Athen, sondern in Paestum gedreht – inmitten der Ruinenstätte steht einer der besterhaltenen Tempel der Welt.

Apulien/Kampanien… Foto: /Julia Pfligl Tempel von Paestum

Auch Ravello, der kleine, malerische Ort 300 Meter über dem tiefblauen Meer, war einer der Drehorte des Filmklassikers aus den 1950er-Jahren: Als Kulisse dienten die Gärten der Villa Rufolo, die atemberaubend auf einem Felsvorsprung gebaut wurde und in der sich schon Richard Wagner inspirieren ließ.

Apulien/Kampanien… Foto: /Julia Pfligl Atemberaubender Ausblick von der Villa Rufolo

Unter Ravello liegt Amalfi mit seinen bunten, in den Steilhang gebauten Häusern – unser letzter Stopp, bevor wir von Neapel nach Wien fliegen. Der berühmte Dom und die engen Gassen mit den schicken Boutiquen sind trotz Vorsaison voll mit Touristen – ein starker Kontrast zum ursprünglichen, verhältnismäßig untouristischen Apulien. Nur das Essen, das schmeckt auch hier vorzüglich.

Apulien/Kampanien… Foto: /Julia Pfligl Dom von Amalfi Zurück zur Übersicht

Info

Anreise Tägliche Flüge von Wien nach Brindisi via Rom oder Mailand mit Alitalia bzw. Niki. www.alitalia.com; flyniki.at

Übernachten In komfortablen Trulli nächtigen: 4*-Grand Hotel la Chiusa di Chietri, fünf Kilometer von Alberobello. www.lachiusadichietri.it

– Für einen Badeurlaub in Apulien eignet sich das 4*-Strandhotel del Levante in Torre Canne mit schöner Pool- und Gartenanlage. www.dellevante.com

– Wer gerne ursprünglich urlaubt, wohnt am besten in einer Masseria (landwirtschaftlicher Betrieb mit Übernachtungsmöglichkeit). Eine Übersicht gibt es unter www.masserien.de

Essen Regionale Wurst- und Käsespezialitäten bietet die Latteria im Zentrum von Matera. Via Duni Emanuele 2, ☎ +39 0835 312058

Angebot Prima Reisen bietet die Rundreise Apulien und Kampanien inkl. Flügen, 4*-Hotels mit HP ab 999 €/P./DZ; Highlights: Lecce, Otranto, Trani, Bari, Alberobello, Ostuni, Altamura, Matera, Amalfiküste, Pompeji, Vesuv. Termine: 16. bis 23. April, 15. bis 22. Oktober 2016– Sternfahrt Apulien 1 Woche, inkl. Flug, Ausflüge, 4*-Hotel mit HP ab 969 € /P./DZ. Highlights: Alberobello, Ostuni, Trani, Bari, Altamura, Matera.

Termine wöchentlich von 23. 4. bis 28. 5.16 und 1. 10. bis 15. 10. 16 – Details: Prima Reisen, 1040 Wien, Favoritenstraße 42 ☎ 01/50 50 22 20, favoriten@primareisen.com, www.primareisen.com

Auskunft Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, 1060 Wien, Mariahilfer Straße 1b/Top XVI ☎ 01/505 16 39, www.italia.it; www.enit.at; Tourismus-Auskunft für Apulien: www.viaggiareinpuglia.it

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