Zur mobilen Ansicht wechseln »
Die Hacker von Anonymous haben die ungarische Verfassung nach eigenem Gutdünken "ergänzt"
Die Hacker von Anonymous haben die ungarische Verfassung nach eigenem Gutdünken "ergänzt" - Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Letztes Update am 05.03.2012, 10:18

Ungarn: Anonymous schreibt Verfassung um. Das Hacker-Kollektiv hat die Website des Verfassungsgerichtshofs lahmgelegt und den Text des umstrittenen Grundgesetzes geändert.

Die Hacker-Gruppe Anonymous hat den Text der neuen ungarischen Verfassung umgeschrieben: Dies hat die ungarische Nachrichtenagentur MTI am Sonntagabend mitgeteilt. Dabei griff das Hacker-Kollektiv in den auf der Webseite des ungarischen Verfassungsgerichtes zugänglichen Text des umstrittenen Grundgesetzes ein und veränderte eine entscheidende Passage.

Die Hacker hätten mehrere Stellen der Präambel der Verfassung namens "Nationales Glaubensbekenntnis" ergänzt, berichtet die Internetzeitung Index und zitiert: "Wir verkünden, dass die Ideologien der Tyrannen, Herrscher, Diktatoren nur kurze Abschnitte der Geschichte sind, deren Tyrannei das Volk jederzeit beseitigen, gegen die es sich erheben kann." Die Webseite war daraufhin zeitweise nicht erreichbar.

Umstrittene Gesetzeslage

REUTERSHungarys Prime Minister Viktor Orban addresses a news conference at the end of an European Union leaders summit in Brussels December 9, 2011. Europe divided in a historic rift on Friday over building a closer fiscal union to preserve the euro, with
Im Kreuzfeuer der Kritik: Ungarns Premier Viktor Orban - Foto: REUTERS

Die am 1. Jänner 2012 in Kraft getretene neue Verfassung war im Vorfeld scharf kritisiert worden, sowohl im In- als auch im Ausland mehrten sich ablehnende Stimmen. Kritiker sehen in dem Grundgesetz, das mit der Zwei-Drittel-Mehrheit der rechtskonservativen Regierungspartei Fidesz-MPSZ verabschiedet wurde, ein Instrument zum Abbau der Demokratie in Ungarn. Besorgnis gibt es vor allem um die Souveränität von Verfassungsgericht, Notenbank, Gerichten, Medien, und der Datenschutzbehörde.

Anonymous hatte bereits im Dezember 2011 und im Jänner 2012 Drohungen in Richtung ungarische Regierung gesandt und behauptet, Premier Viktor Orban und seine Fidesz-MPSZ-Partei würden "die ungarische Demokratie ermorden". Weiter hatten die Hacker die Ungarn in einer Videobotschaft zum Widerstand gegen die Orban-Regierung aufgerufen.

Erst kürzlich legten sich die Hacker mit der Interpol an - die Behörde fasste 25 Mitglieder der Vereinigung. Die NATO stuft die Gruppe als "Bedrohung" ein; das lockere Netzwerk von Hackern hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Reihe von Cyberattacken bekannt - auch in Österreich. Nach eigener Darstellung will man damit für Freiheit im Internet eintreten.

Anonymous ist eine lockeres Netzwerk von Hackern, die sich in den vergangenen Jahren zu einer Reihe von Cyberattacken bekannt haben. Nach eigener Darstellung wollen sie damit für Freiheit im Internet eintreten. Die NATO stuft die Gruppe als "Bedrohung" ein.
(apa/ep) Erstellt am 05.03.2012, 09:55

Stichworte:


Diskussion

Kommentare aktualisieren
Bitte Javascript aktivieren!