Gudenus: "Habe viele homosexuelle Freunde"

GUDENUS Johann Interview
Foto: /juerg christandl „Putin ist nicht so blöd, wie er dargestellt wird“, sagt der fließend russisch sprechende blaue Spitzenmann Johann Gudenus im KURIER-Interview

Der Strache-Vize über die starken blauen Bande zu Putin und seine Warnung vor einer "Homo-Lobby".


Mit seinen Aussagen sorgte er nicht nur vor Ort für Aufsehen. "Als österreichischer Patriot schäme ich mich für die Sanktionen", erklärte Johann Gudenus, FPÖ-Vize und Klubchef im Wiener Rathaus jüngst bei einer Tagung in Moskau. Der Intimus von Parteiobmann Heinz Christian Strache behauptete zudem: Eine "mächtige Homosexuellen-Lobby" verfüge in der EU nicht nur über eigene Zeitungen und Fernsehsender, sondern "will eine absolute Gleichberechtigung von Homosexuellen und Lesben. Es ist schwer vorstellbar, wohin das alles führen wird".

KURIER: Herr Gudenus, haben Sie schon einmal eine Diktatur besucht?

Johann Gudenus: Nein, meines Wissens nicht. Das ist auch eine Definitionsfrage, der Oberste Gerichtshof hat mir bestätigt, dass ich sagen darf, Wien ist unter Rot-Grün auf dem Weg zur Despotie.

Wien ist despotisch. Tschetschenien, wo Sie 2012 zu Besuch waren, nicht?

Tschetschenien ist wahrscheinlich autokratisch regiert.

Warum sind Sie gerade dort hingefahren, wo Präsident Kadyrow nachweislich Leute verfolgt oder verschwinden lässt.

Ich habe bei dieser selbst bezahlten Reise Kadyrow gesagt, dass wir in Österreich ein Tschetschenen-Problem haben, offiziell sind 26.000 hier, nach russischen Quellen 42.000. Sie stellen ein gewaltiges Sicherheitsproblem dar. Präsident Kadyrow hat gesagt, ja, ich verfolge schon Menschen, aber nicht 40.000. Vielleicht einige Tausend. Also hat ein Großteil der Tschetschenen in Österreich keinen Asylgrund.

Dafür gibt es Asylverfahren. Finden Sie es gut, dass es so viele Diktaturen gibt, wo Menschen eingesperrt werden?

Nein, aber ich bin auch nicht dafür, dass die USA den Weltpolizisten spielen und seit 1945 30 Militärinterventionen gemacht haben. Da hat Österreich kein einziges Mal Sanktionen verlangt.

Dafür haben Sie ja Österreich in Moskau auch kritisiert.

Ich habe in Moskau gesagt, ich bin österreichischer Patriot und liebe meine Heimat. Aber ich schäme mich dafür, dass Österreich bei den EU-Sanktionen mitmacht. Die EU-Politik ist ein verlängerter Arm der NATO und diese ist ein verlängerter Arm der USA.

Aber man hat den Eindruck, dass Putin aufgrund der Sanktionen eher bereit ist, zu verhandeln.

Den Herrn Putin kratzen Sanktionen herzlich wenig. Sie schaden aber der österreichischen Wirtschaft.

Würde Slowenien in Kärnten einmarschieren, würden Sie nicht auch Solidarität der anderen EU-Staaten erwarten?

Da wäre es gut, wenn wir ein starkes Bundesheer hätten, das gerade kaputtgespart wird.

Sind wir uns einig, dass unsere Freiheit im Kalten Krieg darauf beruhte, dass die NATO uns im Zweifel verteidigt hätte?

Ja, darüber sind wir uns einig.

Während Putin als Geheimdienstler dem aggressiven Sowjetsystem gedient hat?

Das ist seit 1991 vorbei.

Woher kommt dann Ihre Ablehnung der NATO?

Weil sie ihr Wort gebrochen hat, sich in Osteuropa nicht zu erweitern.

Aber wenn Sie Pole oder Balte wären, wären Sie nicht froh, dass die NATO Sie vor den Russen beschützt?

Das kann ich nicht beurteilen. Wenn Sie Russe wären, hätten Sie nicht gerne, dass die NATO Sie einkreist. Nach dem 2. Weltkrieg waren die Russen zurückhaltend.

Die Russen hatten ganz Osteuropa im Griff.

Aber Wien wurde auch von den Russen befreit.

Gut, dass wir uns darüber einig sind, dass Österreich vom Nationalsozialismus befreit wurde, das haben in der FPÖ nicht immer alle so gesehen.

Aber die Amerikaner sind noch immer in Deutschland.

Weil die Deutschen das so wollten, während die meisten Bürger in der DDR die russischen Truppen bis zur Wende gegen ihren Willen ertragen mussten.

Das ist richtig.

Woher kommt dann Ihr Hass auf die Amerikaner?

Ich habe keinen Hass auf die Amerikaner.

Aber auf der Krim waren Sie auf Einladung eines Belgiers, der gegen den "amerikanisch-zionistischen Imperialismus" kämpft.

Ich war eingeladen , Wahlen zu beobachten. Ich wäre auch zur Abstimmung nach Schottland gefahren, wenn ich eingeladen worden wäre.

Die Schotten haben zuerst abgestimmt und stellen danach jetzt die Weichen für die Zukunft. Auf der Krim sind die Russen zuerst einmarschiert und erst danach wurde abgestimmt.

Ich war auf der Krim und habe keine Beeinträchtigung einer freien Wahl beobachtet.

Der amerikanische Politologe Mitchell Orenstein behauptet, Putin würde die rechten Parteien in Europa benutzen um die EU zu destabilisieren.

Das glaube ich nicht. Die Entwicklung zu einer multipolaren Welt kommt ganz von allein, weil immer mehr Länder keine Hegemonie der USA wollen.

Dafür braucht es aber ein starkes Europa, gegen das die FPÖ ist.

Wir sind sehr wohl für ein starkes Europa, aber eines der Vaterländer und nicht ein zentralistisches Europa.

Orenstein behauptet auch, es fließe russisches Geld an rechte Parteien im Westen.

Wir haben kein Geld erhalten.

Sie machen als Partei oder Person auch keine Geschäfte mit Russland?

Nein, weder mit dem Staat noch mit russischen Firmen.

War das immer so?

Ich war vor meiner Zeit in der Politik in einer kleinen Handelsfirma tätig, die Geschäfte mit Osteuropa, aber nicht mit Russland gemacht hat.

Wie oft waren Sie schon in Brüssel?

So fünf, sechs Mal, schätze ich.

Wo haben Sie dort konkret jene "Homosexuellen-Lobby" ausgemacht, von der Sie jüngst in Moskau geredet haben?

Ich habe angesprochen, dass es in Europa für alles eine Lobby gibt: Für Alkoholika, für Nichtalkoholika, für Öl, für Gas, für was auch immer.

Warum sprechen Sie ausgerechnet in Moskau, wo Homosexuelle unterdrückt werden, den ihrer Meinung zu großen Einfluss einer Homosexuellen-Lobby an?Ich habe nichts gegen Homosexuelle. Ich habe viele homosexuelle Freunde, es gibt auch viele Homosexuelle, die uns wählen. Mir geht es darum, dass es eine Lobby gibt, die Dinge sehr stark vorantreibt, die ich nicht haben will: Adoption von Kindern durch Homosexuelle oder die gleichgeschlechtliche Ehe. Dass es dafür eine Lobby gibt, ist ein Faktum. Das habe ich weder gewertet noch sonst was.

Außer es ausgerechnet in Moskau zu sagen, wo viele Homosexuelle unterdrückt werden?

Dass sie verfolgt werden, finde ich übertrieben. Aber natürlich gibt es noch vieles aufzuholen.

Wladimir Putin soll nun neuerlich gedroht haben, binnen Stunden in Warschau mit der russischen Armee einmarschieren zu können. Trauen Sie ihm diese Aussagen zu?

Putin ist nicht so blöd, wie er dargestellt wird. Er ist ein kühler Taktiker. Ich glaube daher nicht, dass ihm so etwas über die Lippen käme.

In der EU gibt es aber ein Protokoll genau mit diesen Zitaten.

Ich weiß nicht, ob es stimmt. Ich war nicht dabei.

(kurier) Erstellt am
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