FPÖ will, dass Wendelin Mölzer Chef-Job bei "Zur Zeit" abgibt

KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: VILIMSKY
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER Harald Vilimsky

"Distanz zwischen Partei und Zeitung täte gut", sagt EU-Spitzenmann Harald Vilimsky.

Ich selbst verwende einen anderen Begriff dafür – und würde mich freuen, wenn wir alle andere Begriffe verwenden." Das sagt Heinz-Christian Strache zum N-Wort, das der geschasste EU-Wahl-Spitzenkandidat Andreas Mölzer verwendet hatte. Die EU wurde von ihm als "Negerkonglomerat" qualifiziert.

Wird auch Mölzers Sohn Wendelin, Chefredakteur von Zur Zeit, die sein Vater herausgibt, vom N-Wort lassen? "Ich kann das nur unterstreichen, was der Obmann sagt. Ich werde auch in Zur Zeit darauf schauen", sagt Mölzer junior zum KURIER. Er ist nicht nur journalistischer Kopf der rechten Postille, in der Fußball-Star David Alaba 2012 wegen seiner Hautfarbe heruntergemacht wurde (da war Mölzer jun. noch nicht Chefredakteur). Er ist auch blauer Nationalratsmandatar. Ist für die FPÖ vertretbar, dass Andreas Mölzer ob seiner Äußerungen zwar "nur noch Privatmann" ist, Sohn Wendelin aber nach wie vor in Zur Zeit werkt? "Er ist ein sehr intelligenter Bursche, der weiß, dass eine Korrektur in der Blattlinie nötig ist, dass Dinge anders formuliert werden sollten. Ich glaube, dass die Debatte auch bei ihm einen Nachdenkprozess eingeleitet hat", sagt FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl.

Der neue EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky, derzeit noch blauer Generalsekretär, geht dem KURIER gegenüber weiter: "Eine freundschaftliche Distanz täte gut – dass Partei und Zeitung nicht mehr in Personalunion sind in der Person des Herrn Mölzer." Heißt das, er sollte sich von Zur Zeit verabschieden? "Wir werden die Sache gemeinsam diskutieren. Und eine gute Lösung finden."

Vilimsky im Porträt:

Der 47-Jährige Vilimsky ist die „erste Garnitur“, wie HC Strache sagt: Er arbeitet seit Jahren für den FP-Chef, erst in der Wiener Landesorganisation, seit 2006 als Generalsekretär der Bundespartei. Bei der Präsentation der "Doppelspitze" hatte Strache noch vom "Libero" Mölzer gesprochen, Vilimsky solle den "Mittelstürmer" geben – jetzt steht der Wiener als alleinige Spitze da. In der Politik ist der geprüfte PR-Berater seit Anfang der 1990er-Jahre. Der am 22. Juli 1966 geborene begeisterte Motorradfahrer absolvierte 1990 den Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit, dann folgten Stationen beim Kuratorium für Verkehrssicherheit, im FP-Parlamentsklub und im Wiener Rathaus. 2004 wurde er Landesparteisekretär der Wiener FPÖ - da konnte er schon auf einige Jahre kommunalpolitischer Erfahrung zurückblicken - als Bezirksrat in Wien Mariahilf bzw. als dortiger FP-Obmann.  Ein viel beschäftigter Freiheitlicher also, der folgerichtig 2006 die nächste Stufe in der Karriereleiter erklomm und Generalsekretär der FPÖ wurde. Vilimsky wird gerne als Straches "Mann fürs Grobe" bezeichnet, wohl auch in Abgrenzung zu seinem Co-Generalsekretär Herbert Kickl, der als der Stratege und Macher im Hintergrund gilt. In Aussendungen bzw. Aussagen gegenüber politischen Gegnern nehmen sich zwar beide kein Blatt vor den Mund. Der akademisch geprüfte PR-Berater ist aber jener Freiheitliche, in dessen Arbeit der Umgang mit den Medien eine zentrale Rolle spielt. Nicht zuletzt in seiner Funktion als Mediensprecher etwa ist er quasi von Amts wegen zuständig für die mitunter rituell anmutende ORF-Schelte der Blauen. Auch in der sogenannten Inseratenaffäre hat er insofern eine entscheidende Rolle gespielt, als jene Sachverhaltsdarstellung, die schließlich zu Ermittlungen der Staatsanwalt führte, von ihm stammte. Unangenehm entwickelte sich für ihn eine parlamentarische Anfrage in der Causa Alijew. Nachdem 2009 im Verfassungsschutzbericht vor einer "Instrumentalisierung" österreichischer Abgeordneter durch ausländische Geheimdienste gewarnt worden war, musste er sich für diese Anfrage regelrecht rechtfertigen und auch im Spitzel-U-Ausschuss zur "Kasachen-Causa" aussagen. Zwischendurch bekam er sogar "Angst um Leib und Leben". Diese musste er 2008 unterdrücken, als er im Selbstversuch die Wirkung einer Taser-Pistole erprobte (zum Video). Ziel seines schmerzhaften Tests war, für die Einführung der umstrittenen Waffe im Strafvollzug zu werben. "Wenn sich ein Politiker freiwillig dazu entschließt, ist es auch einem Häftling zuzumuten", so Vilimksy damals, der nach dem Selbstversuch von einer "interessanten Erfahrung, die ich aber nicht täglich brauche" sprach. Im FPÖ-Klub verantwortet der künftige EU-Abgeordnete weiters die Bereiche Inneres und Europa und war langjähriger Sprecher für Verkehr und Infrastruktur. Von seinem Chef Strache wurde er schon einmal als FP-Personalreserve für den Innenminister genannt. Aus der blauen Regierungsbeteiligung wurde indes nach der Nationalratswahl 2013 nichts, und so soll Vilimsky nun das EU-Parlament aufmischen. Schließlich beschreibt er selbst es als eine seiner ureigensten Fähigkeiten, "politisch auf den Tisch hauen zu können". Die internationalen Vernetzungsbestrebungen der FPÖ wird Vilimsky fortführen können: 2008 und 2009 war er zu Gast bei den Kongressen der umstrittenen "Anti-Islamisierungsbewegung" "Pro Köln". Er selbst verweist auf seine "intensive Reisetätigkeit" über Jahre hinweg.
(Bild: Mölzer und Vilimsky)
  Ideologisch wird ihm freiheitliche Sattelfestigkeit attestiert. Dass er einst in der Zeitung Der Völkerfreund hymnisch der "Sonne des Deutschtums" huldigte (es ging um Deutsch-Chilenen), bezeichnete er später als "poetische Jugendformulierung", meinte aber auch noch 2009 in der Presse: "Ich stehe zu jedem Satz, den ich geschrieben habe." Die FPÖ bezeichnet er als "Mitte-Rechts"-Partei. Privat ist von Vilimsky überliefert, dass der verheiratete Vater einer Tochter per Motorrad etwa auch schon die Sahara durchquerte. Weiters isst er gerne Krautfleckerl, gilt als Italienfan und hat ein Faible für irische Musik.
 

Strache-Trauma?

Indiskutabel ist für die Freiheitlichen Ewald Stadlers Verhalten. Der Ex-Blaue, der dann Oranger war und nun die Reformkonservativen befehligt, hat angesichts Andreas Mölzers Abgang befunden: Die FPÖ sei eine "endgültig eine ideologiebefreite Disco-, Spaß-, Clubbing- und Schnupfer-Partie." Kickls Replik: "Es wäre am Besten, ihm einen Exorzisten zu schicken. Er hat ein schweres Strache-Trauma." Vilimsky urteilt über den einstigen FPÖ-Dobermann: "Stadler steht vor dem Trümmerhaufen seines politischen Lebens. Er beißt in unflätiger Weise hin." Der oberösterreichische FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner gerät in Rage beim Gedanken an Stadler: "Ich bin froh, dass diese charakterlose Figur mit dem Dritten Lager nichts mehr zu tun hat. Er vertritt keine christlichen Werte. Das Fegefeuer wird bei ihm lebenslang brennen."

ARCHIVBILD: MÖLZER ZIEHT SICH ALS FPÖ-SPITZENKANDI Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER Andreas Mölzer Mitgrund für die verbale Schärfe der Blauen ist die Sorge, dass wahr wird, worauf Stadler spitzt: Dass rechtslastige Bürger wegen Mölzers Demontage bei der EU-Wahl für seine Rekos stimmen. Stadler hat ja kund getan, zu überlegen, Mölzer zu seiner Partei zu holen. Der Ex-Orange habe seinen Vater nicht einmal kontaktiert, sagt Wendelin Mölzer. Stadler wolle "nur einen Keil in die FPÖ treiben". Andreas Mölzer werde sich jedenfalls "sicher nicht mit Stadler ins Bett legen".

Die umstrittenen Aussagen Mölzers

Bleibt Andreas Mölzer Listenerster für die FP? Seine umstrittenen Aussagen könnten den gebürtigen Steirer seinen Platz im EU-Parlament kosten. Die Wortmeldungen auf einer Veranstaltung im Februar im Wiener Palais Epstein waren man Magazin der Süddeutschen dokumentiert worden – hier Auszüge daraus. Mölzers Vergleich zwischen EU und Drittem Reich: "Es ist wirklich so, dass die Europäische Union, so wie sie sich jetzt entwickelt, zu einer politisch korrekten Bürokratur wird, zu einer paternalistischen Diktatur, die den Menschen alles vorschreibt, die im Inneren eine Reglementierungsdynamik entwickelt..." "... wo die alte Sowjetunion oder auch das Dritte Reich wahrscheinlich harmlos und liberal fast, möchte ich sagen, auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt missverstanden werde, waren. Weil es sicher nicht so viele Regeln und Vorschriften, Gebote und Verbote gegeben hat wie heute in der EU." Mölzers Sager über kleine Sizilianer und ein "Negerkonglomerat": "Es gibt das real existierende Brüssel. Und da ist es wirklich so, dass alle, von den Portugiesen bis zu den Esten, von den Schweden bis zu den Sizilianern, die nimmt man nicht so wahr, weil sie wirklich 1,60 zum Teil nur groß sind, alle über uns lachen, über die Deutschen und Österreicher.  Wir sind die einzigen, die bei einem Termin einigermaßen pünktlich sind. Wir sind die einzigen, die um 9 schon arbeiten und nicht erst um 11.“ Mölzer setzt fort: „Und es ist wirklich so: Es ist eine Frage auch des gestalterischen, des Arbeitsethos, was aus diesem Europa wird: Entweder sind wir ein Negerkonglomerat, totales Chaos, sage ich jetzt bewusst brutal politisch nicht korrekt. Wo das Chaos sich vermehrt, wo Massenzuwanderung, wo institutionelles Chaos, wo wirre Konzerninteressen (sind), Konzerninteressen sind ja auch irrational, sind ja auch wirr.“
  „Sie müssen sich vorstellen, was diese Masse dort, diese Bande an Lobbyisten anstellt. Das sind ja die meisten Vollidioten. Das sind ja nicht kühl kalkulierende Wirtschaftsstrategen. Und was diese Partie anstellt, was die aus Europa macht, das ist ja ein Chaos."

  Darüber hat auch ein Kommentar in der rechten und FP-nahen Zeitschrift Zur Zeit, dessen Herausgeber Mölzer ist, für Aufregung gesorgt. Unter dem Pseudonym "F.X. Seltsam" wurde ein Kommentar über den Fußballer David Alaba verfasst. Laut der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch ist dieser Kommentar Mölzer selbst zuzuordnen - Zur Zeit bestritt dies, es handle sich bei "F.X. Seltsam" um ein "Wandersynonym".
  Hier die umstrittenen Passagen aus dem Kommentar, das Alabas Fußballklub FC Bayern zum Inhalt hat: „(...) Patriotische Gefühle sind da allerdings absolut fehl am Platz. Denn Bayern, gar solche aus München, gibt es bei dieser Mannschaft kaum mehr, vielmehr Gladiatoren eben aus aller Herren Länder, Holländer, Franzosen - und auch einen Österreicher….
  … Und zwar einen höchst bedeutenden, der - wenn auch nunmehr für das Endspiel gesperrt - immer wieder spielentscheidend auffiel: David Alaba aus Wien. Dieser lässt sich gerne in Lederhose abbilden und mit der Aussage zitieren: 'Ich bin ein echter Wiener'. Nichts besonderes wäre das, wenn der 19jährige echte Wiener - zurzeit möglicherweise medial der bedeutendste Österreicher - nicht pechrabenschwarz wäre..."
  "...Der Sohn eines nigerianischen Gesangskünstlers und einer Philippinin ist also das typische Wiener Produkt unserer wunderbaren multikulturellen Zuwanderungsgesellschaft. (...) Aber so sehen die echten Wiener unserer Tage nunmehr aus." Mölzer hat sich nicht zum ersten Mal mit gelinde gesagt unorthodoxen Aussagen ins Kreuzfeuer der Kritik gebracht. Er schrieb in den 1980ern etwa für die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als "rechtsextrem" eingestufte Postille Aula – dort las man, so berichtet profil, anlässlich des Gedenkens zum 8.Mai 1945 Dinge folgender Art: „Wer von Befreiung spricht, verhöhnt all die Opfer, die die deutsche Nation im Jahre 1945 zu beklagen hatte.“ (Aula 5/1985). Und ebenso dort: „Rudolf Heß (…) ist ein Symbol für unzählige Deutsche, die für Verbrechen zu büßen hatten, die sie individuell mit Sicherheit nie begangen hätten.“ (Aula 10/1987, zitiert nach profil)
  Der Öffentlichkeit bekannt wurde der Vorsitzende der Alten Herren des Corps Vandalia im Februar 1992: Vor dem Freiheitlichen Akademikerverband äußerte er seine Befürchtung, dass sich in Deutschland und Österreich eine "Umvolkung" anbahne. Dieser Eklat sorgte nicht nur für massive Kritik, sondern führte indirekt auch zur Abspaltung von Heide Schmidt von der FP und zur Gründung des Liberalen Forums.

  1998 stand dann in Zur Zeit zu lesen: „Man sollte einem durchaus widergutmachungswilligen Land und seinen Bürgern nicht das Gefühl geben, dass sie gewissermaßen ad infinitum als Melkkuh für Ansprüche herhalten müssen, für die es keine rechtliche und moralische Grundlage mehr gibt.“ (zitiert nach profil).  
  Historische Ausritte kennzeichneten auch den weiteren Weg Mölzers. Die Parteispitze schockierte der EU-Abgeordnete etwa 2005 beim 60. Jahrestag zum Gedenken der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Auschwitz. Als einer von nur wenigen Europaparlamentariern weigerte er sich, für eine Auschwitz-Resolution zu stimmen, die Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit verurteilte, weil "mit dem Leid der Opfer tagespolitische Ambitionen verbunden werden", wie er damals erklärte.
  Ob Mölzer nun tatsächlich eine weitere Periode von Brüssel aus wirken wird, war dieser Tage nun offen. Die offizielle Kandidatenliste hat die FPÖ noch nicht eingereicht. Zeit für eine Umreihung bleibt also noch - die Deadline für die Einreichung ist der Freitag.
 

(kurier) Erstellt am
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