Fliegt Jus-Studium bald von der Uni? Minister will mehr FH-Studenten

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Foto: KURIER/Martin Gnedt Zu viele Studien haben zu wenig  Studenten, klagt Minister Mitterlehner

Mitterlehner stört das unkoordinierte Fächerangebot. Das soll ab 2019 anders werden.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner tritt nur selten in Person des Wissenschaftsministers auf, der er seit 2013 ist. Sein gestriger Auftritt wird den Professoren und Rektoren wohl noch einige Zeit in Erinnerung bleiben.

Ineffizienzen

Es geht ihm um ein grundsätzliches Problem. Seit über zehn Jahren sind die Unis autonom – und können selbst über Studienangebot und Uni-Alltag entscheiden. Einzig das Geld kommt – in Form einer dreijährigen Finanzierungszusage – vom Ministerium. Bisher waren damit alle grundsätzlich zufrieden. Mitterlehner beklagt dadurch entstandene, offensichtliche Ineffizienzen.

Ein paar Beispiele: Im Erstfach Slowakisch studieren in Wien je ein Mann und eine Frau, ebenso bei Bulgarisch (Doktorat), wobei hier ein Mann sein Studium in Wien bestreitet, eine Frau an der Uni Salzburg. All das kein Einzelfall.

Weil das hinterfragenswert ist, startet Mitterlehner nun einen Nachdenkprozess, der im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen sein soll. Ziel: Ein Fächerabgleich des Studienangebots der Universitäten. In Österreich werden derzeit an 22 Unis und 21 Fachhochschulen rund 1500 unterschiedliche Studiengänge für Bachelor- und Masterstudien angeboten.

Schieflage

Entsprechend unterschiedlich ist die Nachfrage. Der Großteil der Studienanfänger (41.000) verteilt sich auf 20 Fächer (Medizin, BWL, Architektur, etc.), aber gerade einmal 230 Beginner sind nach Auskunft des Ministeriums in den 20 Fächern mit der geringsten Auslastung.

So ist das aber wenig sinnvoll, wenig effizient, belastet die Unis und deren Forschung. Der Fächerabgleich, Teil eines größer angelegten Strategieprozesses, soll ab 2019 bereits wirken, dann beginnt auch die neue dreijährige Finanzierungsperiode der Hochschulen.

"Wirtschaftsnahe Studien"

Mitterlehner geht aber noch einen Schritt weiter: Nur 13 Prozent der Studierenden lernen an Fachhochschulen, viel weniger als in der Schweiz oder in Bayern, wo das rund ein Drittel sind.

Um die forschenden Unis zu entlasten, will der Minister "wirtschaftsnahe" Bachelor-Studien wie Informatik, Betriebswirtschaftslehre, eventuell sogar Jus, nur mehr an den Fachhochschulen anbieten. Nur das Doktorat, vielleicht auch die Masterstudien, sollen an den Unis studiert werden können.

Die Unis sollen in diesen "Strategieprozess", den das Ministerium startet, eingebunden werden. Mit viel Applaus rechnet Mitterlehner nicht: "Wir werden damit nicht nur Begeisterung ernten bei den Unis. Bei den FH schon eher. Da werden Machtbereiche verschoben."

(kurier) Erstellt am
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