Köln: Polizei löste Pegida-Demo auf

Nach heftigen Krawallen setzte die Polizei Wasserwerfer und Pefferspray ein.

Teilnehmerin bei der Demo mit Anspielung auf die Aussage von Kölns Oberbürgermeisterin Reker, die als Schutzmaßnahme Frauen geraten hat, "mehr als eine Armlänge" auf Abstand zu gehen. Am Ende setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Im Folgenden einige Bilder von den Demos in Köln ...         

Die Polizei hat am Samstag eine Großdemonstration in der Kölner Innenstadt aufgelöst. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln hatten am Samstag über 1000 Menschen gegen Rassismus und Sexismus demonstriert. Unter dem Motto "Pegida schützt!" gingen auch die islamfeindliche Pegida-Bewegung NRW und die rechtsextreme Partei Pro Köln auf die Straße. Sie versammelten sich auf dem Breslauer Platz hinter dem Kölner Hauptbahnhof. Neben rund 1.700 Beamten der Landespolizei waren nach Angaben einer Sprecherin mehrere Hundertschaften der Bundespolizei im Einsatz. Nach Krawallen setzte die Polizei Wasserwerfer und Pfefferspray ein und löste die Kundgebung schließlich auf.

Ganz in der Nähe protestierten gleichzeitig mehr als 1.300 Menschen überwiegend friedlich gegen Rassismus und Sexismus. Hintergrund beider Demonstrationen waren die massiven sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in der Domstadt

Pöbeleien schon zu Beginn

Die Polizei war vor allem rund um den Dom und den Hauptbahnhof im Einsatz. Bereits zu Beginn der Veranstaltungen bepöbelten sich im Bahnhof rechte und linke Demonstranten. Die Polizei musste beide Seiten trennen. Opponents of anti-immigration right-wing movement Foto: REUTERS/WOLFGANG RATTAY

Wie in einem Live-Stream von RT zu sehen war, begannen sich im Laufe der Demonstration in den ersten Reihen Teilnehmer zu vermummen. Sie skandierten unter anderem: "Wir wollen keine Salafistenschweine!". Auch wurden immer wieder Feuerwerkskörper gezündet, Gegenstände geworfen und Reichskriegsflaggen geschwenkt. Auch die "Lügenpresse" wurde mit Gegröle bedacht. Die Gegenseite reagierte mit Rufen wie "Wir wollen keine Nazischweine" und "Nazis raus!". Police use water cannon during protest march by su Foto: REUTERS/WOLFGANG RATTAY

Wiederholt wurden gewaltbereite Demonstranten von der Polizei verwarnt und friedliche Teilnehmer aufgerufen, sich "räumlich und für die Polizei sichtbar von den gewaltbereiten Personen im vorderen Teil zu distanzieren". "Bringen Sie die Polizei nicht dazu, gegen Sie vorzugehen", hieß es.

Wasserwerfer und Pfefferspray

Schließlich stoppten die Einsatzkräfte den Demo-Zug und brachen die Demonstrationen nach einer kurzen Beratungszeit um 16.30 Uhr ab. Doch einige Teilnehmer wollten sich dem nicht beugen. "Wir sind das Volk" riefen sie, und setzten sich auf die Straße. Manche warfen erneut Flaschen auf die Polizei. Diese reagierte mit dem Einsatz von Wasserwerfern und Pfefferspray.

Wie die Polizei mitteilte, hatten sich unter die Pegida-Demonstranten viele gewaltbereite Hooligans gemischt. Es gab mehrere Festnahmen. Ein Journalist soll bei den Krawallen verletzt worden sein. Augenzeugen berichteten von weiteren Verletzten, die unter anderem Schnittwunden im Gesicht gehabt hätten.

Erinnerungen an 2014

Im Oktober 2014 war eine Demonstration von Hooligans und Rechtsextremen - der Gruppe Hogesa - am selben Ort völlig aus dem Ruder gelaufen. Damals lieferten sich Demonstranten und Polizisten stundenlange Straßenschlachten, 50 Polizisten wurden verletzt.

Lutz Bachmann bei Pegida-Demo in Antwerpen

Auch in der belgischen Hafenstadt Antwerpen haben am Samstag mehrere hundert Anhänger der Pegida-Bewegung demonstriert. Im flämischen Norden des Landes hat sich ein Ableger von Pegida gebildet. Auch Pegida-Gründer Lutz Bachmann habe an der Kundgebung teilgenommen, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga am Samstag.

Einige Straßen entfernt versammelten sich Gegendemonstranten, die für mehr Toleranz und Hilfe für Flüchtlinge eintreten.

Fast 400 Anzeigen nach Silvester in Köln

Die Zahl der Strafanzeigen nach der Silvesternacht in Köln hat sich unterdessen drastisch erhöht. Inzwischen gebe es 379 Anzeigen, teilte die Polizei am Samstag mit. In etwa 40 Prozent der Fälle ermitteln die Kriminalbeamten demnach unter anderem wegen Sexualstraftaten. Der Blick der Polizei richtet sich den Angaben zufolge größtenteils auf Personen aus nordafrikanischen Ländern. Es müsse aber noch ermittelt werden, ob sie mit konkreten Straftaten in Verbindung gebracht werden können. Zuletzt war die Zahl der Anzeigen mit rund 170 angegeben worden.

 
 
 
Rechtsextremen-Demo an bayrischer Grenze

Mehrere Festnahmen

Rechtsextreme haben im oberbayerischen Freilassing (Landkreis Berchtesgadener Land) am Samstagnachmittag gegen die deutsche Grenz- und Flüchtlingspolitik demonstriert. Nach Polizeiangaben nahmen etwa 400 Personen teil. Veranstalter war das Bündnis "Wir sind die Grenze", das bereits am 12. Dezember eine ähnliche Aktion organisiert hatte.

Rund 300 Gegendemonstranten hatten sich dagegen unter dem Motto "Grenzenlos solidarisch statt ausgrenzend menschenfeindlich" versammelt. Aufgerufen zu der Gegen-Demo hatte das Bündnis "Freilassing setzt Zeichen".

Wie die Polizei am späten Nachmittag mitteilte, wurden aus den Reihen der Gegendemonstranten kurzzeitig zehn linksgerichtete Personen festgenommen. Außerdem wurden drei Männer aus dem rechten Lager identifiziert, die bei der Demo im Dezember den "Hitler-Gruß" gezeigt hatten. Gegen sie wurden Anzeigen erstattet.

Mehrfach versuchten Gegendemonstranten die Demo der Rechten zu stören, die Protestierer vom Weg abzubringen oder sie zu blockieren. Die Polizei musste schließlich einschreiten und Kleingruppen von der Demonstration fernhalten und abdrängen. Wegen Beleidigungen von Polizeibeamten gab es Festnahmen, ebenso wegen sogenannter "Passivbewaffnung", dem Tragen von Schutzausrüstung während einer Versammlung. Auch wurden zwei Messer bei einem Versammlungsteilnehmer sichergestellt.

(KURIER / tan) Erstellt am