Fall Litwinenko: Putin billigte "wahrscheinlich" Ermordung

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Foto: epa Putin und der vergiftete Litwinenko.

Der russische Ex-Spion war 2006 mit hochradioaktiven Polonium vergiftet worden.

Knapp zehn Jahre nach dem Tod einer der prominentesten Kritiker Wladimir Putins, legte der britischer Richter Robert Owen am Donnerstag seine Untersuchungsergebnisse zu dem Mordfall vor.

Demnach hat der russische Präsident Wladimir Putin "wahrscheinlich" die Ermordung des ehemaligen russischen Geheimdienstmitarbeiters Alexander Litwinenko in London gebilligt. Das geht aus einem Bericht von Owen hervor, der den Fall des früheren FSB-Ermittlers untersucht hat.

Ebenfalls für wahrscheinlich hält der Richter, dass der Giftmord vom russischen Geheimdienst FSB beauftragt und auch vom damaligem FSB-Chef Nikolai Patruschew "wahrscheinlich gutgeheißen worden" wurde - aber auch "von Präsident Putin".

Botschafter ins Außenministerium zitiert

Als Reaktion hat Großbritannien den russischen Botschafter Alexander Jakowenko zum Gespräch ins Außenministerium zitiert. Außerdem würden die Vermögenswerte der beiden Tatverdächtigen eingefroren, kündigte Innenministerin Theresa May an.

Keine strafrechtlichen Konsequenzen

Da die Untersuchung des britischen Richters kein Prozess war, wird der Bericht auch keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen. Dennoch ist der Bericht diplomatisch äußerst heikel, zumal die britische Regierung den Fall eigentlich nicht öffentlich untersuchen wollte. Litwinenkos Witwe Marina setzte sich jedoch vor Gericht durch.

Was passierte 2006?

Am 23. Dezember 2006 starb Alexander Litwinenko in einem Londoner Krankenhaus an einer Vergiftung durch Polonium 210. Das Gift wurde ihm am 11. November 2006 bei einem Treffen mit zwei russischen Ex-Geheimdienstmitarbeitern in einer Hotelbar heimlich in den Tee geleert.

Die beiden Russen, Andrei Lugowoi und Dmitri Kowtun, hatten Ermittlungen zufolge während ihrer Reise von Russland nach England an verschiedenen Orten radioaktive Spuren hinterlassen, die beweisen sollen, dass sie radioaktives Material mit sich führten.

Hinweise auf die Ex-Geheimdienstmitarbeiter machte Litwinenko selbst. Bei Befragungen im Krankenhaus gab er an, Lugowoi habe ihm Tee angeboten. Scotland Yard fand später an der Teekanne hohe radioaktive Strahlung. Noch auf dem Sterbebett beschuldigte Litwinenko Putin des Verbrechens. Als Ex-Mitarbeiter des Geheimdiensts kenne er das System und nur eine Person hätte die Macht, einen Mord im Ausland zu befehlen: Wladimir Putin.

Was hat Litwinenko getan?

Unter anderem beschuldigte Litwinenko den FSB, ihn mit dem Mord des damaligen Staatssekretärs Boris Beresowski beauftragt zu haben. In Großbritannien fand Litwinenko nicht nur Asyl, sondern soll auch den britischen Geheimdienst MI6 unterstützt haben. Dies und seine wiederholten Vorwürfe gegen Putin wurden als mögliche Mordmotive untersucht.

Warum keine Strafverfahren?

Die britische Staatsanwaltschaft leitete bereits im Mai 2007 ein Strafverfahren wegen Mordes ein. Jedoch lehnte Russland Auslieferungsanträge für die beiden Tatverdächtigen Lugowoi und Kowtun ab - beide stritten eine Beteiligung ab. Die Situation führte zu Spannungen zwischen London und Moskau, beide Seiten wiesen die Diplomaten aus.

Ohne die Verdächtigen konnte es zu keiner Stafverfolgung kommen. Aus diesem Grund wurde der Fall 2011 Gegenstand einer unabhängigen Untersuchtung. Bereits 2014 war diese beendet, jedoch entschied das höchste britische Gericht, dass eine von Litwinenkos Witwe geforderte öffentliche Untersuchung stattfinden muss.

 

Was ist Pololonium?

Polonium ist ein sogenannter Alphastrahler. Zwar können die Strahlen kaum Geweber durchdringen, gelangen die Isotope jedoch in den Körper (Nahrung, Wunden aber auch durch Rauch), wirkt es extrem tödlich. Bereits 0,1 Mikrogramm reines Polonium 210 führt innerhalb von wenigen Tagen zum Tod.

(kurier / moe) Erstellt am
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