"Eine Persiflage von Männerbünden"

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Foto: Gotthardt Das Sorority Team (v. links nach rechts: Therese Kaiser, Sandra Nigischer, Sena Beganovic, Katharina Brandl, Martina Schöggl, Vera Mayer).

Ein Wiener Frauennetzwerk will Alltagsseximus im Beruf Paroli bieten.

"Dinge, auf die man als ernährungsbewusste Frau von heute verzichten soll: Eier, Fleisch, Kohlenhydrate, Milchprodukte, Gemüse, Obst ... ." Die österreichische Autorin und Künstlerin Stefanie Sargnagel seufzt gequält ins Publikum. Einige verziehen den Mund zu einem sarkastischen Lachen, der Blick in die Gesichter von einigen Zuseherinnen verrät den Gedanken, der ihnen soeben durch den Kopf schießt: "Traurig, aber wahr."

12711072_937648769685270_6951356387462504224_o.jpg Foto: Pippa Parragh, vogelfrei Stefanie Sargnagel liest aus Binge Living. Sargnagel liest zum Auftakt der Kunst- und Kulturreihe "femtrails" des Frauennetzwerkes "Sorority" in der Requisite in Wien. Der in Wien ansäßige Verein will auf die Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt aufmerksam machen und mit Veranstaltungsreihen wie dieser zeigen, dass es großes Interesse an feministischen Themen gibt. Im KURIER-Interview erzählen die beiden "Sorority"-Obfrauen Therese Kaiser und Katharina Brandl und Kassier Martina Schöggl, warum auch Männer bei dem Frauennetzwerk mitmachen dürfen, auch wenn sie keinen Kuchen backen.

KURIER: Warum habt ihr euch dazu entschieden, mit "femtrails" eine Veranstaltungsreihe für Kunst- und Kulturschaffende ins Leben zu rufen?

Therese Kaiser: Im Kunst- und Kulturbereich gibt es sehr viele Selbstständige, die zum Teil mit prekären Arbeitsrealitäten zu kämpfen haben. Die Nivellierung nach unten, die derzeit am Arbeitsmarkt passiert, ist hier besonders sichtbar. Wenn man dann noch eine Frau ist, hat man es besonders schwer.

Inwiefern werden Frauen im Arbeitsleben noch immer diskriminiert?

Martina Schöggl: Der Klassiker ist natürlich die Frage nach dem Kinderwunsch. Viele Frauen berichten bei unseren Treffen aber auch von unguten Berührungen und permanenten Kommentaren zum Aussehen im Berufsleben. Oder davon, dass Frauen einfach nicht so viel zugetraut wird.

Katharina Brandl: Es geht bei der Sorority aber nicht darum, sich mit Geschichten zu übertrumpfen, die man erlebt hat. Sondern dass es eine Solidarität gibt, die uns verbindet. Die kommt von einem gemeinsamen Erfahrungsschatz, der von unserem sozialen Geschlecht herrührt.

Sehr ihr euch als Gegenstück zu traditionellen Männerbünden oder habt ihr eine ganz andere Herangehensweise?

Therese Kaiser: Die Männerbünde, die es derzeit in Österreich gibt, sind größtenteils sehr hierarchisch organisiert. Es geht dort stark um Exklusion und Demütigung. Wir verfolgen einen inklusiven Ansatz, machen alles transparent und sind, so weit es geht, basisdemokratisch. Deswegen sind auch die Mitgliedsbeiträge sehr gering.

Katharina Brandl: Unsere Koketterie mit dem Begriff "Schwesternschaft" ist eher als Persiflage von Männerbünden zu verstehen.

Untermauert ihr mit der Bezeichnung "Schwesternschaft" nicht trotzdem die in der Gesellschaft vorherrschenden Bilder von Mann und Frau?

Katharina Brandl: In unseren Statuten steht, dass der Verein für alle offen ist, die sich als Frau identifizieren. Für uns ist das Frausein dennoch ein wichtiger Punkt, und in unserer Kommunikation läuft das öfter auf ein binäres Bild hinaus. Das heißt aber nicht, dass wir Frausein nur in der Abgrenzung zum Mannsein sehen.

Männerbünden wird oft vorgeworfen, dass sie Frauen durch einen Ausschluss diskriminieren. Kann man das von eurem Frauennetzwerk nicht auch umgekehrt behaupten?

Katharina Brandl: Unser Standpunkt ist, dass es Sinn macht, Räume für Frauen zu schaffen, um gewisse Themen besprechen zu können, und sich solidarisch zu verbünden. Außerdem gibt es in unserem Verein genug Plattformen, bei denen sich auch Männer beteiligen können und das tun sie auch. Aber nicht in der Form, in der sich Frauen beim Feuerwehrverein einbringen, indem sie Kuchen backen.

Wie schwierig ist es, eure Anliegen einer breiten Masse zu kommunizieren und eine soziale Durchmischung in eurem Verein zu erreichen?

Therese Kaiser: Man läuft natürlich in Gefahr, in seinem Feminismus elitär zu werden. Wir sind Gott sei Dank gut ausgebildet und dadurch gewissermaßen privilegiert. Das darf man in aber in seinem gesamten Handeln nicht vergessen. Wir bemühen uns extrem, alle Frauengruppen in Österreich zu erreichen, ganz schaffen wir es natürlich nicht. Das ist uns aber bewusst.

Infos:

Die nächste Veranstaltung der Reihe femtrails findet am Donnerstag, den 25. Februar im MUSA statt. Die Künstlerin Margot Pilz wird durch die Ausstellung "Margot Pilz – Meilensteine" führen.

Von 20. bis 22. Oktober organisiert "Sorority" das zweite Business Riot Festival, eine Kreativ- und Arbeitsmarktkonferenz mit dem Fokus auf Frauen, bei der unter anderem Workshops und Podiumsdiskussionen durchgeführt werden.

Mehr unter www.sorority.at.

(Kurier) Erstellt am
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