Ein quietschender Frosch als Internetstar

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Foto: Screenshot Youtube

Der Bewohner einer westafrikanischen Küstenregion begeistert mit seiner "untypischen Stimmlage"

Breviceps macrops, so der latenische Name des Wüstenregen-Frosches, war bis vor einigen ein paar Wochen wohl nur Zoologen ein Begriff. Doch seit mehrere Videos von seinem "Gefahrengebrüll" im Internet die Runde machen, wurde der endemisch in der Region Namaqua zwischen Namibia und Südafrika vorkommende Wüstenbewohner einem breiteren Publikum bekannt.

Der zwischen fünf und zehn Zentimeter kleine Bodenbewohner vergräbt sich ob der großen Hitze den ganzen Tag über bis zu 20cm tief im Sand und wird erst mit Einbruch der Dämmerung aktiv. Das Verbreitungsgebiet der Tiere beschränkt sich dabei jedoch auf relativ kleine Gebiete, zumal der Frosch um genügend Feuchtigkeit aufnehmen zu können, zumindest 100 Nebeltage pro Jahr benötigt.

Wie sich der Frosch anhört? Hören Sie selbst.

Der Blaue Baumsteiger (Dendrobates tinctorius) bewohnt die Sipaliwinisavanne im Dreiländereck zwischen Brasilien, Surinam und Französisch-Guyana. Der Färberfrosch wird knapp 7cm lang und sondert, zur Abwehr von Pilzen und Fressfeinden, Gift über seine Haut ab. Aufgrund dessen wird er auch zu den Pfeilgiftfröschen gezählt, wenngleich der Winzling weit weniger giftig ist, als ... ... sein Verwandter, der Schreckliche Pfeilgiftfrosch (Phyllobates terribilis). Auch als Goldener Giftfrosch oder Zitronengelber Blattsteiger bekannt, wurde er erst 1978 das erste Mal beschrieben. Kein Wunder, zumal er nur in einem sehr kleinen Gebiet am kolumbianischen Fluss Rio Saija lebt. Sein Gift zählt zu den stärksten im Tierreich, jedenfalls ist es das stärkste Toxin unter den Fröschen. Die Chocó-Indianer benutzten das giftige Sekret des Tiers um die Spitzen ihrer Blasrohrpfeile zu vergiften. Wie stark das Gift wirklich ist zeigt, dass bereits Hunde und Hühner nach Kontakt mit einem Papierhandtuch gestorben sind, über welches zuvor ein solcher Frosch gelaufen war. Werden die Tiere allerdings in Gefangenschaft gehalten, verlieren sie nach und nach ihr Gift - ihre Nachkommen sind sogar ungiftig. Etwas weiter nördlich lebt eine knallrote Art der Baumsteigerfrösche. Von Panama bis Costa Rica ist Oophaga granulifera mehr als nur ein Blickfang. Eine ganz eigene Frosch-Population hat sich, abseits vom afrikanischen Festland, auf Madagaskar entwickelt. Die Madagaskarfrösche (Mantellidae) werden als eigene Gattung beschrieben. Der Boophis quasboehmei wurde dabei etwa erst 2010 von einem Forscherteam der Uni Braunschweig entdeckt. Analog zu den Pfeilgiftfröschen haben auch die Mantellidae mehr oder weniger wirksame Hautgifte entwickelt. Die daneben größte ... ... Frosch-Gruppe auf Madagaskar ist die der Engmaulfrösche (Microhylidae). Wenig verwunderlich, zumal ...
  ... die knapp 450 Arten bis auf Europa alle Kontinente bewohnt. Meistens  in subtropischem oder tropischem Klima beheimatet, verbringen die  meisten Arten ihr leben am Boden oder halb vergraben in der Erde. Wieder  zurück ... ... in Südamerika findet man eine Vielzahl an Stummelfußfröschen (Atelopus), besser bekannt als Harlekin-Kröten. Dass es sich bei den Tier, die in vielen Farbvarianten vorkommen, um Kröten und nicht um Frösche handelt, beweist das Vorhandensein des sogenannten Bidderschen Organs. Dabei handelt es sich um einen einfachen Eierstock im Körper der Männchen. Apropos Kröte. Die Aga-Kröte (Bufo marinus) hat es bereits zu einem gewissen Maß an (trauriger) Berühmtheit gebracht. So erzählt etwa ein Episode der TV-Serie "Die Simpsons" von der Invasion der Kröte in Australien. Und tatsächlich, die eigentlich in Mittel- und Südamerika heimische Kröte wurde 1935 nach Down Under gebracht und vermehrte sich in der Folge derart explosionsartig, dass sie heute wohl die "meistgehasste" Plage des Kontinents darstellt, zumal ihr dort ihre eigentlichen Fressfeinde fehlen. Hinzu kommt, dass auch die Aga-Kröte eine giftige Substanz über ihre Hautdrüsen absondert. Inzwischen sind bereits vereinzelte Todesfälle durch Aga-Krötengift beim Menschen bekannt. Neben stark giftigen Substanzen enthält das Kröten-Sekret aber auch Bufotenin, welches unter Drogenkonsumenten als Halluzinogen geschätzt wird. So wird immer wieder von Menschen berichtet, die Kröten "ablecken", was im Fall der Aga-Kröte - deren Sekret nur geringe Mengen des Halluzinogens enthält - aber eher zu schweren Schäden, als zu einem Rausch führen dürfte. Im Nasikabatrachus sahyadrensis, aus dem Englischen auch als Schweinsnasenfrosch bekannt, lebt in einem kleinen Gebiet im Südwesten Indiens. Erst 2003 wurde seine Gattung von einem belgischen Forscherteam entdeckt und mittlerweile gilt es als gesichert, dass sich die Art vor knapp 100 Millionen Jahren von den anderen Froschlurchen abspaltete - sie folglich ein lebendes Fossil darstellen. Gänzlich anders "sonderbar" sind die sogenannten Zungenlosen (Pipidae). Vertreter der Gattung, wie etwa der Krallenfrosch haben keine Zunge. Sie leben ständig im Wasser (wodurch auch das Vorhandensein eines Seitenlinienorgans nicht verwundert) und besitzen darüber hinaus keine Augenlider oder Hornzähne. Einige Arten wurden früher als Schwangerschaftstest genutzt: Ihnen wurde menschlicher Urin gespritzt, war die Frau schwanger, so laichten die Tiere binnen 12 Stunden ab. Eine andere Beziehung zum Thema Nachwuchs hat die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans). Die Männchen der Gattung übernehmen den Laich direkt von der Partnerin und tragen ihn so lange mit sich spazieren, bis die Kaulquappen schlüpfen. Man findet die Geburtshelferkröte auf dem gesamten europäischen Festland, nördlich und westlich der Alpen.

(KURIER / lm) Erstellt am
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