Waltz und Haneke für Golden Globes nominiert

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Foto: rts, ap Schauspieler Christoph Waltz (links) und Regisseur Michael Haneke sind für die Golden Globes nominiert worden.

Zum 70. Mal werden am 13. Jänner 2013 die Golden Globes verliehen. Gleich zwei Österreicher sind nominiert: Schauspieler Christoph Waltz und Regisseur Michael Haneke.

Michael Hanekes Drama "Amour" (Liebe) und der Schauspieler Christoph Waltz sind wie schon 2009 für einen Golden Globe nominiert.

Haneke konkurriert in der Kategorie der besten nicht-englischsprachigen Filme mit dem französischen Hit "Ziemlich beste Freunde", dem norwegischen Historienfilm "Kon-Tiki", dem Cannes-Konkurrenten "Der Geschmack von Rost und Knochen" von Jacques Audiard sowie dem dänischen Film "Die Königin und der Leibarzt".

Trailer: "Liebe" von Michael Haneke

Waltz ist für seine Rolle in Quentin Tarantinos "Django Unchained" als bester Nebendarsteller nominiert.

Trailer: "Django Unchained" von Quentin Tarantino

Vor drei Jahren waren sowohl Haneke als auch Waltz mit einem Golden Globe für "Das weiße Band" bzw. die Rolle in "Inglourious Basterds" prämiert worden. In diesem Jahr tritt Waltz gegen seinen Co-Darsteller in "Django Unchained", Leonardo DiCaprio, sowie Tommy Lee Jones ("Lincoln"), Philip Seymour Hoffman ("The Master") und Alan Arkin ("Argo") an. Tarantino ist unterdessen auch als bester Regisseur, für das beste Drehbuch und mit "Django Unchained" für den besten Film nominiert. In der Hauptkategorie tritt er gegen Steven Spielbergs "Lincoln", Kathryn Bigelows "Zero Dark Thirty", Ang Lees "Life of Pi" und Ben Afflecks "Argo" an.

Bilder: Michael Haneke im Porträt

Wer an Michael Haneke denkt, dem wird üblicherweise nicht gerade warm ums Herz. Der österreichische Filmemacher ist bekannt für seinen gnadenlosen Blick, seine kompromisslosen Analysen und seine verstörenden Filme, die ihn in den vergangenen Jahrzehnten weltberühmt gemacht haben.
Ein Porträt zum Durchklicken... Nach ersten Gehversuchen als Regisseur im Fernsehen ("Sperrmüll" - 1976, "Drei Wege zum See" - 1976, "Lemminge" - 1979) folgte 1989 der erste Kinofilm "Der siebente Kontinent". Haneke durfte das Werk, in der eine Familie gemeinsam Suizid begeht, in Cannes präsentieren. Seitdem ist er Stammgast an der Croisette. Mit dem Erstling "Der siebente Kontinent" begann er seine "Trilogie der emotionalen Vereisung", zu der auch "Benny`s Video" gehört. Darin tötet ein Junge - angespornt durch einen TV-Film - ein junges Mädchen mit einem Bolzenschussgerät. 1994 schließt er seine Reihe mit "71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls" ab. Haneke zeigt - wie immer - sehr kühl 71 Szenen, die keinen kausalen Zusammenhang miteinander haben, denen aber alle eine nicht näher erklärte Katastrophe vorausgeht. Nach der  "Trilogie der emotionalen Vereisung" zu Beginn seiner Kinokarriere Ende der 1980er wurde es nicht versöhnlicher, gesellschaftliche Ängste und die Mechanismen der Gewalt bestimmen das Werk des 1942 in München geborenen Regisseurs.
Bild: Haneke mit seiner Ehefrau Susi. Hanekes Gewaltschocker "Funny Games" war schließlich 1997 nach 35 Jahren der erste österreichische Wettbewerbs-Beitrag in Cannes. 2007 drehte er die US-Version davon unter dem Titel "Funny Games U.S". Für das Projekt wurde er von nicht wenigen kritisiert, weil er seinen Film von 1997 1:1 mit anderen Hauptdarstellern (Tim Roth, Naomi Watts) nachdrehte. Die Jelinek-Verfilmung "Die Klavierspielerin" aus dem Jahr 2001 mit Isabelle Huppert wurde dagegen von den Kritikern gefeiert. An der Cote d`Azur gab es dafür den Großen Preis der Jury, ...
Bild: Haneke bekommt die Goldene Plame für "Das weiße Band" 2009 von Isabelle Huppert überreicht. ... für "Caché" 2005 den Regiepreis. Den Thriller drehte er nach "Die Klavierspielerin" erneut in Frankreich, mit Juliette Binoche in der Hauptrolle. Es folgten die Werke "Code Inconnu" (2000) und das Endzeit-Drama "Wolfzeit" (2003) - sie wurden in Cannes kontrovers besprochen. Auch diese Filme drehte er in Frankreich.
Bild: "Wolfzeit" Als Haneke schließlich von Frankreich für seine filmische "Suche nach der Wahrheit" zum "Commandeur dans l`ordre des Arts et des Lettres" ernannt wurde, sprach Haneke von seiner "großen Bewunderung für die französische Kultur".
Bild: Haneke mit Juliette Binoche und seinen Orden. Kurz vor dieser Ehrung war er bzw. seine schwarz-weiße Faschismusparabel "Das weiße Band" 2009 mit der Goldenen Palme ausgezeichnent worden. Der Film startete einen beeindruckenden Siegeszug, vom Europäischen Filmpreis bis zum Golden Globe. Nur der Oscar blieb Haneke vorerst verwehrt - doch nachdem der humorvolle und weltoffene Filmemacher keinen Gedanken an den Ruhestand verschwendet, mag da noch die eine oder andere Chance kommen.
Sein neuster Film heißt "Amour" und handelt vom Älter werden. Haneke, der am 23. März 1942 geboren wurde, wuchs in Wiener Neustadt als Sohn der österreichischen Schauspielerin Beatrix von Degenschild und des Düsseldorfer Regisseurs und Schauspielers Fritz Haneke auf. Er versuchte sich neben dem Studium der Philosophie und Psychologie in Wien zunächst als Autor sowie Film- und Literaturkritiker, 1967 bis 1971 arbeitete er als Redakteur und Fernsehspieldramaturg beim Südwestfunk in Baden-Baden.
In dieser Zeit entstand sein erstes Drehbuch "Wochenende". 1973 entstand sein erster Fernsehfilm, "...und was kommt danach? (After Liverpool)" nach einem Text von James Saunders. Es folgten TV-Filme nach Vorlagen von Ingeborg Bachmann, Peter Rosei und Franz Kafka. Anfang der 70er Jahre debütierte Haneke als Bühnenregisseur am Stadttheater Baden-Baden mit "Ganze Tage in den Bäumen" von Marguerite Duras. Es folgten Theater-Inszenierungenin Deutschland und Österreich. 2006 gab er exakt an Mozarts 250. Geburtstag an der Pariser Oper sein Debüt als Opernregisseur: Mit seiner modernen Inszenierung von "Don Giovanni" spaltete er das Publikum. Eine Inszenierung von Mozarts "Cosi fan tutte" war ursprünglich für New York geplant, soll nun jedoch heuer bei Gerard Mortier in Madrid stattfinden.
Privat ist der Regisseur seit 1983 mit seiner Frau Susanne liiert, er ist Vater eines Sohnes. Für seinen neuen Film "Amour" wurde er am Sonntag in Cannes zum zweiten Mal mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Unterdessen steckt mit "Flashmob" auch schon ein neues Projekt in den Startlöchern - selbst mit 70 scheint bei Haneke keinerlei Müdigkeit einzukehren. Hauptdarstellerin Emmannuelle Riva (links), Regisseur Michael Haneke und Ehefrau Susi vor dem Gartenbaukino in Wien.

"Lincoln" als Favorit

Steven Spielbergs Historienfilm "Lincoln" hat bei der nächsten Golden-Globe-Verleihung gleich sieben Preischancen. Der Film über das Leben des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln wurde unter anderem in den Sparten Bestes Drama, Regie und Hauptdarsteller (Daniel Day-Lewis) aufgestellt. Die Nominierungen für die begehrten Filmtrophäen gab der Verband der Auslandspresse (HFPA) am Donnerstagmorgen (Ortszeit) in Los Angeles bekannt.

Weitere Nominierungen erhielten Kathryn Bigelows "Zero Dark Thirty" über die Jagd auf Osama bin Laden, Ang Lees Bestsellerverfilmung "Life of Pi" und Tom Hoopers Kostüm-Musical "Les Miserables". Auch die Schauspielerinnen Jessica Chastain, Meryl Streep, Jennifer Lawrence und Helen Mirren haben Gewinnchancen.

Die nach den Oscars wichtigsten US-Filmtrophäen werden in 25 Film- und Fernsehkategorien vergeben. Die Gala-Show geht am 13. Jänner im Beverly Hilton Hotel in Beverly Hills über die Bühne.
 

Die wichtigsten Nominierungen

Bestes Filmdrama: "Argo", "Django Unchained", "Life of Pi", "Lincoln", "Zero Dark Thirty"

Beste Komödie oder bestes Musical: "The Best Exotic Marigold Hotel", "Les Miserables", "Moonrise Kingdom", "Lachsfischen im Jemen", "Silver Linings Playbook"

Bester ausländischer Film: "Amour" (Liebe) (Frankreich, Deutschland, Österreich), "Die Königin und der Leibarzt" (Dänemark), "Ziemlich beste Freunde" (Frankreich), "Kon-Tiki" (Norwegen), "Der Geschmack von Rost und Knochen" (Frankreich, Belgien)

Beste Regie: Ben Affleck ("Argo"), Kathryn Bigelow ("Zero Dark Thirty"), Ang Lee ("Life of Pi"), Steven Spielberg ("Lincoln"), Quentin Tarantino ("Django Unchained")

Bester Schauspieler in einem Filmdrama: Daniel Day-Lewis ("Lincoln"), Richard Gere ("Arbitrage"), John Hawkes ("The Sessions - Wenn Worte berühren"), Joaquin Phoenix ("The Master"), Denzel Washington ("Flight")

Beste Schauspielerin in einem Filmdrama: Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty"), Marion Cotillard ("Der Geschmack von Rost und Knochen"), Helen Mirren ("Hitchcock"), Naomi Watts ("The Impossible"), Rachel Weisz ("The Deep Blue Sea")

Bester Schauspieler in einer Komödie oder einem Musical: Jack Black ("Bernie"), Bradley Cooper ("Silver Linings Playbook"), Hugh Jackman ("Les Miserables"), Ewan McGregor ("Lachsfischen im Jemen"), Bill Murray ("Hyde Park on Hudson")

Beste Schauspielerin in einer Komödie oder einem Musical: Emily Blunt ("Lachsfischen im Jemen"), Judi Dench ("The Best Exotic Marigold Hotel"), Jennifer Lawrence ("Silver Linings Playbook"), Maggie Smith ("Quartet"), Meryl Streep ("Wie beim ersten Mal")

Bester Nebendarsteller: Alan Arkin (“Argo”), Leonardo DiCaprio (“Django Unchained"), Philip Seymour Hoffman (“The Master”), Tommy Lee Jones (“Lincoln”), Christoph Waltz (“Django Unchained”)

Beste Nebendarstellerin: Amy Adams ("The Master"), Sally Field ("Lincoln"), Anne Hathaway ("Les Miserables"), Helen Hunt ("The Sessions"), Nicole Kidman ("The Paperboy")
 

(apa / reis) Erstellt am
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