Nudelsieb ist religiöse Kopfbedeckung

Niko Alm hat ein Nudelsieb auf und verehrt ein Spaghettimonster.
Foto: APA/NIKO ALM

Wiener Behörden genehmigten nach drei Jahren ein unkonventionelles Führerscheinfoto eines Atheisten.

Ich wollte es mir mit dem System anlegen", erklärt Niko Alm, 35, aus Wien bei seinem Besuch in der KURIER-Redaktion. Ausgerüstet war der Wiener - er ist in der Werbebranche tätig - bei seinem grotesken "Feldzug" mit einem Plastik-Nudelsieb und einer gehörigen Portion Auflehnung. Ziel seiner Aktion: Die Führerscheinabteilung im Wiener Verkehrsamt.
Der bekennende Atheist wollte 2008 seinen abgenutzten "Rosa Deckel" gegen den damals relativ neu eingeführten EU-Scheckkarten-Führerschein tauschen.

Alm marschierte zu einer bekannten Elektrohandelskette und ließ die vorgeschriebenen EU-Passbilder machen. Allerdings setzte sich der damals 32-Jährige ein Plastik-Nudelsieb vor der Kamera auf. "Ich wollte gleiche Rechte, wie Nonnen oder muslimische Frauen. Die tragen auf Führerscheinbildern ebenfalls Kopfbedeckungen."

Alm, kein Kind von Traurigkeit, ging noch einen Schritt weiter: Als er ins Amt marschierte schmückte er sein Haupt ebenfalls mit dem Nudelsieb.

Der Schalterbeamte zuckte nicht einmal mit der Wimper. Vorerst übernahm er den Antrag. Alm verließ das Amt. Zehn Minuten später klingelte sein Handy. "Der Beamte erklärte mir, dass das so nicht geht. Das Nudelsieb ist nicht gestattet. So kann man keinen Führerschein ausstellen."

Amtsärztin

Also gab es keinen Schein, dafür eine Vorladung zur Amtsärztin. Dieser Termin im April 2009 veränderte die Sachlage. "Ich wollte einen negativen Bescheid, um vor Gericht für Gerechtigkeit zu kämpfen."

Doch da spielte die Amtsärztin nicht mit. Sie bescheinigte dem Unternehmer, dass er "psychisch befähigt" sei, ein Kfz zu lenken. "Die Amtsärztin instruierte das Verkehrsamt, mir den EU-Führerschein auszustellen."

Dann folgte Schweigen. Denn der Amtsschimmel wollte Rache. Obwohl der neue Schein bereits am 12. Oktober 2009 ausgestellt wurde, gab es keinerlei Benachrichtigung. Das Dokument lag 21 Monate unter Verschluss. Ein "Sympathisant" informierte Alm, dass der Schein längst abzuholen sei. Am Dienstag marschierte der Wiener wieder ins Verkehrsamt und holte sich die Lenkerberechtigung ab. Zwar trug er diesmal kein Sieb am Kopf, das Nudelsieb-Foto im Führerschein aber wurde von der Behörde akzeptiert.

Mehr zum Thema

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?