"Da war höhere Macht dabei"

"Da war höhere Macht dabei"
Anton Maljevic brachte einen Pädophilen durch sein Handeln hinter Gitter.

Mit seinem Handy hat Anton Maljevic das Leben eines kleinen Mädchens verändert, es aus unvorstellbaren Qualen befreit. Als der 44-jährige Dachdecker im Februar in Wien-Favoriten auf einer Baustelle arbeitete, passierte das Unfassbare: "Normalerweise sieht man nicht in die anderen Fenster hinein, weil es meistens spiegelt. Dass ich an dem Tag gesehen habe, wie sich der Vater an dem Mädchen vergeht, war ein riesiger Zufall", erzählt der zweifache Familienvater.

Als ihm bewusst wurde, dass er gerade Zeuge eines sexuellen Missbrauchs wird, griff er instinktiv zum Handy und filmte den Übergriff mit. "Ich wusste, ohne einen Beweis würde mir das niemand glauben. Es war ja in relativ großer Entfernung und ich konnte danach gar nicht glauben, dass man auf dem Video alles so gut erkennen konnte. Ich habe eigentlich nie an so etwas geglaubt, aber da war auch eine höhere Macht dabei", sagt Maljevic im KURIER-Gespräch. Mit dem Video konnte die Polizei dann tatsächlich den Täter überführen und den Leidensweg des Kindes beenden. Der Mann, der sich an seiner Tochter vergangen hatte, wurde später zu fünf Jahren Haft und fünf weiteren Jahren Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt verurteilt. Das Strafmaß sieht Anton Maljevic nüchtern: "Wenn ich bestimmen könnte, dann würde er natürlich mehr bekommen. Aber ich habe nachher viel im Internet über ähnliche Fälle gelesen, und da sind die Täter oft mit nur einem Jahr davongekommen. Von daher finde ich die Strafe angemessen."

Engagement geweckt

Für Familienvater Maljevic hat aber vor allem die Flut an Aufmerksamkeit, die nach dem Vorfall über ihn schwappte, viel verändert. Er spendet schon seit 17 Jahren an Kinderhilfsprojekte, aber seit er den schrecklichen Missbrauch aufgedeckt hat, geht er nun auch in die Offensive.

"Am Anfang wollte ich nicht in die Medien, aber nach und nach ist mit klar geworden, dass es wichtig ist, über das Thema offen zu reden ", so Maljevic. Ihm geht es um Zivilcourage und darum, mit dem Thema Pädophilie offen umzugehen, und nicht aus Scham wegzuschauen. Von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner wurde der Dachdecker ausgezeichnet. Doch viel mehr Bedeutung hat eine Skulptur, die er von einem befreundeten Künstler geschenkt bekommen hat.

"Alles hat zwei Seiten"

"Ein Bekannter von mir hat mir diesen Engel aus Metall gegeben. Er ist auf einer Seite rau und verrostet und auf der anderen Seite glatt. Es soll symbolisieren, dass alles zwei Seiten hat, und nicht immer so sein muss, wie es auf den ersten Blick ausschaut. Genau darum geht es mir. Menschen, die pädophil sind, sind krank und müssen behandelt werden. Ich wünsche mir, dass sie sich dem stellen und sich therapieren lassen", sagt Maljevic.

Nachdem der Fall in den Medien war, hat der 43-Jährige auch viel Resonanz von fremden Menschen bekommen, die seinem Beispiel folgen und sich seitdem für Kinder engagieren. Maljevic freut sich über diesen Effekt: "Als ich den Missbrauch gesehen habe, war ich in Panik und ich kann verstehen, dass man das nicht glauben kann. Ich hoffe, ich habe ein paar Menschen motivieren können, auch richtig zu handeln, wenn sie in so eine Situation kommen."

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