Zika-Virus: Papst für Verhütung statt Abtreibung

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Foto: AP/Felipe Dana Viele werdende Mütter in Südamerika haben Angst vor Fehlbildungen

Abbruch ist keine rechtmäßige Antwort auf die Virengefahr, so höchste Kirchenvertreter.

Papst Franziskus hat künstliche Verhütungsmittel nicht mehr strikt ausgeschlossen, wenn es um eine Bedrohung wie das Zika-Virus geht. Verhütung sei „nichts absolut Böses“ und sei in einigen Fällen sogar einleuchtend, sagte das katholische Kirchenoberhaupt nach Vatikanangaben auf dem Rückflug von Mexiko nach Rom. Die katholische Kirche lehnt Verhütungsmittel eigentlich ab, Franziskus hatte jedoch bereits früher mehr Flexibilität in der Frage angedeutet.


Abort ist ein Verbrechen

Abtreibung als Reaktion auf eine Zika-Infektion lehnte der Papst jedoch entschieden ab. „Die Abtreibung ist nicht das kleinere Übel, es ist ein Verbrechen“, sagte er am Donnerstag. „Es ist ein Verbrechen, es ist das absolut Böse“, ergänzte Franziskus.

Schwangere Frauen mit dem Risiko, sich mit dem Zika-Virus angesteckt zu haben, sollen nicht abtreiben dürfen, meint der Vatikan. Selbst falls ein Fötus starke Missbildungen aufweist, solle es keine Ausnahmen geben. "Nicht nur, dass erleichterter Zugang zu Abtreibung und Abtreibungsmitteln keine rechtmäßige Antwort auf diese Krise ist; da ein Abbruch das Leben eines Kindes beendet, ist er zudem ganz und gar nicht verbeugend", lautet die Stellungnahme des Vatikan-Vertreters bei der UNO, Bernadito Auza. Dieser verkündete die kirchliche Botschaft, während die Weltgesundheitsorganisation eine groß angelegte Kampagne gegen das Virus startete.

Ein internationaler Aktionsplan soll die rasante Ausbreitung bremsen. Erkrankte sollen verbesserte medizinische Betreuung erhalten und die Entwicklung eines Impfstoffes soll schneller vorangebracht werden, teilte die WHO am Mittwoch mit. Die Kosten sollen sich auf rund 50 Millionen Euro belaufen. Zika ist bereits in etwa 40 Ländern aufgetaucht. Das Virus steht im Verdacht, bei Schwangeren schwere Schädelfehlbildungen der Ungeborenen zu verursachen. Einen wissenschaftlich gesicherten Beweis dafür gibt es bisher nicht, obwohl bisher schätzungsweise etwa 4000 Kinder mit Fehlbildungen geboren wurden, deren Mütter das Virus in sich trugen.

Mehr Abtreibungen

Der Vatikandiplomat Auza fügte hinzu: "Es muss betont werden, dass eine Mikrozephalie-Diagnose kein Todesurteil rechtfertigt. Eine solche Reaktion sei die Bestätigung für ein Versagen der Internationalen Gemeinschaft, die Krankheit zu stoppen". Auch die katholische Kirche in Brasilien, dem meistbetroffenen Land, hatte bereits auf das Abtreibungsverbot gedrungen. Dennoch gibt es einen Anstieg der Abtreibungszahlen (mehr dazu hier).

(KURIER / csm) Erstellt am
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