Der neue Science Buster kocht sein Publikum mit Suppe aus Erde ein

Science Busters
Foto: ORF/Hubert Mican Kochen ist nachgewiesen eine Wissenschaft: Molekularbiologe Helmut Jungwirth serviert Suppe aus Erde nach eigenem Rezept.

Helmut Jungwirth, Molekularbiologe der Uni Graz, kommt vom Labor auf die Bühne.

In seinen ersten Auftritt in Wien ist Helmut Jungwirth hineingestolpert. So richtig. "Ich bin gewarnt worden, dass da am Boden eine Verstrebung ist. Aber natürlich bin ich auf die Bühne gestolpert. Darüber hab’ ich dann selbst lachen müssen."

Zuvor ist der Grazer eigentlich auch in das Showleben gestolpert: Einen Gastauftritt von zehn Minuten sollte er bei den Science Busters im November in Graz haben. Doch an dem Abend ging es Pionier Heinz Oberhummer gesundheitlich bereits sehr schlecht, er konnte nicht auftreten. Jungwirth erfuhr fünf Stunden vor dem Auftritt, dass er selbst die ganze Zeit über auf der Bühne bleiben wird. "Am Anfang hab’ ich da gar nicht lange drüber nachgedacht. Erst zwei Minuten vor acht Uhr hab’ ich dann registriert, um was es da eigentlich geht."

Bühne statt Autogramm

Um die "oberste Liga" der Wissenschaftskommunikation nämlich, wie sich der 47-Jährige ausdrückt. "Ich hätt nie gedacht, dass ich da einmal näher rankomme als beim Autogramm holen", überlegt Jungwirth. Bedingt durch Oberhummers Tod und die Ankündigung Werner Grubers, sich zurückziehen zu wollen, treten die Science Busters in neuer Besetzung auf. Jungwirth, Professor an der Universität Graz, ist neben Astronom Florian Freistetter und Verhaltensbiologin Elisabeth Oberzaucher einer der Neuen.

Oberhummer und Gruber hinterlassen große Fußstapfen. "Aber ich seh’ das von der sportlichen Seite, wie bei der Formel 1. Ich hab’ jetzt die Chance, im besten Formel-1-Rennstall zu fahren", vergleicht der Grazer. "Vorher waren da Lauda und Senna. Aber du musst nicht die Performance dieser Großen bringen, sondern einfach dein Bestes geben. Man soll nicht schauen, was vorher war, sondern: Wie kann ich mich selbst einbringen?"

Die Chemie stimmt

Science Busters Foto: ORF/Hubert Mican Ein Team: Jungwirth mit Martin Puntigam, Florian Freistetter (von li.) Kabarettist Martin Puntigam vom Gründungstrio der Science Busters, fragte per Mail einmal locker bei Jungwirth an, wie er es denn so mit einem Engagement halten würde. Nach dem ersten Treffen war klar: Die Chemie passt. "Ich bewundere den Idealismus, mit dem da Wissenschaftskommunikation betrieben wird. Die hätten schon so tolle Sponsorenverträge bekommen können, aber alles abgelehnt", sagt Jungwirth. "Unser Ziel ist, Themen aufzubereiten, die für uns interessant sind."

Und aufzutischen. Molekularbiologe Jungwirth füttert sein Publikum nämlich ganz gern: Mit Suppe aus Erde, verfeinert mit selbst hergestelltem Glutamat. "Zuletzt war da eine Schlange von 300 Menschen, um die zu kosten", erzählt der Grazer.

In einer Art Küche begann auch seine Leidenschaft, Wissenschaft außerhalb des Hörsaales zu vermitteln: Jungwirth startete 2008 mit dem "Offenen Labor" an der Uni, in dem man unter Anleitung von Wissenschaftlern selbst experimentieren konnte. Daraus entwickelte sich das "Geschmackslabor": In der molekularen Küche werden Joghurtbomben und Eis aus Stickstoff zubereitet oder die Geschmacksnerven durch Schokomousse mit Röstzwiebeln verwirrt.

Eine gewisse Öffentlichkeit war Jungwirth also schon gewohnt. "Aber es ist natürlich ein Unterschied. Mir war am Anfang diese Theater-Athmosphäre nicht vertraut", erinnert er sich. "Und was auch immer im Kopf mitspielt, ist, dass da Menschen sind, die dafür bezahlen, dich zu sehen."

Wissenschaftskabarett

Die Science Busters wurden 2007 von den Physikern Heinz Oberhummer und Werner Gruber sowie dem Kabarettisten Martin Puntigam gegründet. Zusätzlich zum  Wissenschaftskabarett schrieben sie  mehrere  Bücher  und  drehten Shows für den ORF. Durch Oberhummers Tod im November und  Grubers angekündigtem Rückzug  gibt es bis auf Puntigam eine neue Besetzung.

www.sciencebusters.at

(kurier) Erstellt am
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