Lolitas 2.0

Die US-Schauspielerin Diane Gaeta illustriert Porträts von jungen Mädchen aus Paris.

"Eigentlich sind die Bilder ja harmlos", schreibt eine Userin im Forum der Huffington Post. "Der Titel ist wahrscheinlich das provokanteste an dieser Kunst". Die Umsetzung ihrer Porträts ist tatsächlich weniger spannend, als die Art und Weise, wie Diane Gaeta an ihre Motive gelangte. "Es war wie eine Reise durch die Welt der jungen Mädchen. Sie hatten tausende Fotos auf ihren Profilen hochgeladen. Einige wenige wählte ich für meine Reihe aus.", erklärt Gaeta in einem Interview mit CoolHunting.com. Facebook als Quell künstlerischer Inspiration? Das ist neu. So bescheiden die künstlerische Umsetzung auch sein mag, mit ihrer "Lolita"-Serie schafft Diane Gaeta die Einbindung sozialer Medien in die Kunst. Bisher verstand man unter dem Begriff "Kunst im Netz" vor allem kollaborative Arbeiten mehrerer Künstler bzw. Teilnehmer, deren einzelne Beiträge erst durch die Zusammenführung im Internet ein großes Ganzes ergaben. Die 21 Porträts, die Gaeta in der "America Marin Gallery" in Los Angeles ausstellte, erhalten ihre Brisanz aber vor allem vor dem Hintergrund einer immer erbitterter geführten Diskussion um die Privatsphäre in sozialen Medien. Natürlich fragte Gaeta vorher bei ihren jungen Modellen an, bevor sie die Bilder verwendete. Doch das mangelnde Problembewusstsein um die Privatsphäre ist besonders bei Jugendlichen ein Problem. Die Serie Gaetas ist dafür nur ein weiterer Beleg. "Lolitas" wirft aber auch die Frage auf, inwieweit der Charakter eines Menschen tatsächlich über Facebook zu erfassen ist, und ob tausende Profilbilder nicht tatsächlich einen profunden Einblick in das Leben wildfremder Menschen geben. Zur Person: Diane Gaeta lebt und arbeitet als Schauspielerin und Künstlerin in Los Angeles. Beide Berufe sind für sie "Ausdruck einer kreativen Kraft, die mich antreibt."

Lolitas" hat Diane Gaeta ihre Porträtserie genannt. Das passt, wenn man die Gesichter mit mal verträumtem, mal verspieltem, mal laszivem Lächeln sieht. Das passt auch, wenn man das Alter der jungen Mädchen kennt. Vierzehn bis zwanzig Jahre alt sind die Modelle der Serie. Wie die Schauspielerin aus Los Angeles an die Vorlagen zu ihrer Serie kam, das verwundert hingegen. Über Facebook befreundet, nahm Gaeta Kontakt mit der jungen Pariserin Heidi auf und bat sie, ihr Bilder von sich und ihren Freundinnen zu schicken. Das Ergebnis ist ebenso ungewöhnlich wie der Prozess an sich: Schräg anmutende Illustrationen im pastellenen Comic-Stil.

Kunstprojekt im Social-Media-Zeitalter

In ihrer ersten Soloausstellungen wurden jetzt 21 Arbeiten von Diane Gaeta in Los Angeles präsentiert. Auf ihren großen Durchbruch wartet die Amerikanerin aber noch. Als Schauspielerin ist sie zwar auch schon über die heimischen Bildschirme gehuscht. Allerdings nur in einer kleinen Nebenrolle in der TV-Serie "90210" (ORFeins / ProSieben). Vielleicht hat sie deswegen ihre Serie "Lolitas" genannt. Der Titel garantiert Aufmerksamkeit und brachte ihr auch einen Bericht in einem der wichtigsten amerikanischen Nachrichtenportale, der Huffington Post, ein. Die Reaktionen waren durchaus kontrovers. Erfahren Sie mehr dazu in unserer Bildergalerie.

(KURIER / kob) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?