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Wenn Kinder den Garten erobern
05/13/2016

Wenn Kinder den Garten erobern

Schon längst nicht mehr sind heimische Freiluftoasen das Hoheitsgebiet Erwachsener, auch kleine Nachwuchsgärtner möchten in grünen Oasen ihr persönliches, kleines Fleckchen Erde bewirtschaften.

von Ankica Nikolić

In der Erde wühlen, das Grün nach Insekten durchsuchen oder auf Bäume kraxeln – Kinder erleben den Naturraum auf ihre eigene Art. Spielerisch und teilweise ohne Furcht erkunden sie Freiflächen, Gebüsche und alles, was dazugehört. Das Interesse der Jungen liegt aber schon längst nicht mehr nur im Bereich grüner Expeditionen, viele möchten mit anpacken, ihr eigenes Beet pflanzen oder ihr erstes Gemüse anbauen. "Jedes Kind kann Arbeiten wie das Aussäen von Samen sowie das Einpflanzen von Jungpflanzen ausführen", erklärt Gartenexperte und Vater Martin Jann vom Gartenbau Starkl aus Pottendorf. Radieschen, Erbsen, Karotten, Erdbeeren, Cherrytomaten, Snack-Gurken oder -Paprika eignen sich für Kinder besonders gut. Der Pflegeaufwand ist überschaubar und die Ernte ist einfach bewerkstelligen. "Es eigenen sich aber auch leicht zu kultivierende Exoten wie Mini-Wassermelone, Physalis-Andenbeere oder Mexikanische Minigurke", sagt Jann.

Einfache Arbeitsschritte können junge Gärtner schon ganz gut und eigenständig übernehmen.

"Die Aussaat, das Etikettieren oder Gießen sind besonders beliebte Tätigkeiten, die gerne übernommen werden. In der Folge kann man sie auch für das Gedeihen und die Pflege der Pflanzen oder ihres Gemüsegartens begeistern", sagt Jann. Meist reicht es schon, wenn man zum Beispiel ein bis zwei Quadratmeter Fläche entbehren kann: "Entgegen vieler Meinungen übernehmen Kinder durchaus gerne die Verantwortung, besonders wenn es um ihr eigenes Fleckchen Erde geht." Ein wichtiger Punkt ist sicherlich auch der Umgang mit Dünger: "Ganz vorne steht hier der Kompost – am besten aus dem eigenen Garten. Kindern sollte im Idealfall die Anlage und der Sinn eines Komposthaufens erklärt werden. Sollte keiner vorhanden sein, gibt es diesen auch zu kaufen. Ansonsten ist das Arbeiten mit ausschließlich biologisch-organischen Düngern wie zum Beispiel Hornspäne zu empfehlen," beschreibt Jann.

Junge Gartenfans sollten auch in anderen Bereichen einbezogen werden.

Wenn man Besorgungen für den Garten zu erledigen hat, sollte man die Kinder mitnehmen. Dabei lernen sie, was noch alles notwendig ist, um das Grün vor der Terrassentüre zum Blühen zu bringen und in Schuss zu halten. Nach Möglichkeit sollte man den Kleinen auch ihr eigenes Werkzeug bereitstellen. Mittlerweile gibt es im gut sortierten Fachhandel spezielle Serien. Geräte mit scharfen Kanten sollte immer gut verstaut werden und immer nur in Beisein von Erwachsenen benutzt werden. Doch egal wie alt Kinder sind, das Benutzen von elektrischen Gräte ist definitiv eine Angelegenheit für Erwachsene und hat in Kinderhänden nichts verloren. "Besonders beliebt sind Klassiker wie Schaufel, Schubkarre und Gießkanne. Zusatzprodukte wie Windräder, die neben der Zierfunktion auch Vögel vertreiben und dadurch das Saatgut auspicken, sollte man ebenfalls berücksichtigen. Spielerische Elemente sollten jedenfalls in keinem Garten für Kinder fehlen."

Der Spaß beim Garten sollte nicht auf der Strecke bleiben.

Das weiß auch der britische Autor Matthew Appleby. In seinem Band " KinderGartenGlück" hat er 52 kreative Ideen, für jede Woche eine, zusammengestellt. "Kinder brauchen vor allem schnelle und gute Resultate. Ich empfehle also immer, mit robusten Pflanzen zu beginnen und mit ein paar Sachen, die Ihre Kinder ganz bestimmt gerne essen werden." Für jedes Wetter und alle Jahreszeiten hält der Autor in seinem Buch kreative Ideen parat. Ein Beispiel etwa ist eine praktische Wasserspielwand, die man aus einer Euro-Palette und ein paar ausrangierten Haushaltsgeräten selbst zusammenbauen kann. Alte Garten- oder Staubsaugerschläuche, Plastikflaschen, Regenrinnen, Trichter, Gießkannen oder Dosen sind mithilfe von Haken an der Palette zu befestigen. "Am besten wird das Ganze, wenn man in die Installation oben Wasser hineingießen und es kreuz und quer über die Objekte nach unten fließen sehen kann", erklärt Appleby.

Ums Garteln geht es auch der amerikanischen Biologin und Pädagogin Renata Fossen Brown. In "Garten-Lab" verrät sie zahlreiche Tricks und erklärt Nachwuchsgärtnern ausführlich die grundlegenden Elemente. Von der Gestaltung der Beete, thematisch aufbereiteten Gärten, Futterplätzen für Vögel bis zu witzigen Accessoires – in einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitungen können Kinder die Projekte gleich selbst umsetzen.

1. Schritt: Zeichne sechs Kreise in einer Kreisform und male sie in dieser Abfolge an: rot, orange, gelb, grün, blau, violett. Finde Pflanzen, die jeweils in diesen Farben blühen und schreibe ihre Namen in den jeweiligen Farbkreis. Dies dient gleichzeitig als Einkaufshilfe. Zudem benötigst du noch eine Pflanzenschale und Blumenerde.

2. Schritt: Nun das Gefäß mit Erde befüllen. Bevor man die Pflanzen aus den Töpfen nimmt, müssen ihre Wurzeln vorsichtig gelockert werden.

3. Schritt: Jetzt wird der Farbkreis wieder benötigt. Arrangiere die Pflanzen in der Anordnung des Kreises, pflanze sie und gieße sie ausreichend ein.

Dieser Tipp stammt von Renata Fossen Brown aus dem Buch „Garten-LAB“, erschienen im EMF Verlag.

In „Garten-LAB“ nimmt Biologin und Pädagogin Renata Fossen Brown Kinder auf eine kreative und wissensreiche Abenteuerreise durch die Welt der Pflanzen und der Natur. EMF Verlag, um € 19,99

"KinderGartenGlück" Matthew Appleby hat 52 spannende Projekte für jedes Wetter und jede Jahreszeit zusammengetragen. Im DVA Verlag erschienen um € 20,60

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