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Serie
02/07/2015

Was macht eigentlich ein Bauingenieur?

Sie überprüfen die Umsetzbarkeit von Plänen und sorgen dafür, dass Häuser und Brücken nicht einstürzen. Aber nicht nur das.

von Ursula Horvath

Verrechnen sollte sich ein Tragwerkplaner nicht. Denn er verifiziert die Machbarkeit von Entwürfen und Plänen. "Der Architekt ist vor allem für den künstlerischen Teil verantwortlich. In einer funktionierenden Teamarbeit berät der Tragwerkplaner den Architekten und gemeinsam entsteht ein Entwurf, der den ästhetischen und den konstruktiven Anforderungen entspricht", erklärt Andreas Kolbitsch, Zivilingenieur für Bauwesen und Leiter des Forschungsbereichs Hochbaukonstruktionen und Gebäudeerhaltung am Institut für Hochbau und Technologie an der Technischen Universität Wien (TU). "In Österreich ist die Branche eher klein, daher ist es oft so, dass sich Büros projektbezogen zusammenfinden. Es gibt aber auch große Büros, in denen sowohl Architekten als auch Bauingenieure arbeiten. Das sind dann richtige Generalplaner."

Die Statik ist nur ein Teilbereich

Den Begriff Statiker hören die meisten Bauingenieure nicht so gerne. Denn eine statische Berechnung anzustellen gehört zwar zu ihren Aufgaben, die Tragwerksplanung im Bereich Hoch- und Tiefbau ist aber nur ein mögliches Tätigkeitsfeld.

In der Bauphysik sind sie etwa für Wärme- und Schallschutz zuständig. Ein relativ neues Berufsfeld ist das Ressourcenmanagment, also die Betrachtung von Bauwerken über den gesamten Lebenszyklus. Auch im Infrastrukturmanagement sind Bauingenieure tätig: Sie entwickeln neue Verkehrskonzepte, optimieren die Ausnutzung von vorhandenen Wegen und kümmern sich zum Beispiel um die bauliche Gestaltung von Tunnel-Systemen oder Straßenbahn-Trassen.

"Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten, kommt es heute durchaus vor, dass sich die Schwerpunkte im Lauf des Berufslebens verändern", erzählt Kolbitsch. Den klassischen Arbeitsalltag gibt es nicht: "Wenn jemand bei einer Behörde arbeitet, hat er einen anderen Tagesablauf als jemand, der bei einem technischen Büro für Stahlbau tätig ist. Wer die Projektleitung für eine große Baufirma macht, wird mehr Zeit auf der Baustelle als vor dem Computer verbringen", sagt Kolbitsch.

Planen oder ausführen

Viele machen sich selbstständig: Einige legen die Ziviltechnikerprüfung ab und eröffnen ein Ingenieurbüro. Andere absolvieren die Baumeisterprüfung und sind sowohl planend als auch ausführend tätig. Für diesen Weg ist kein Studium notwendig. "Traditionell ist der Fokus aber auf die Ausführung gerichtet", sagt Kolbitsch.

Mängel kann es auch bei der gewissenhaftesten Arbeit geben. Ingenieurkonsulenten für Bauwesen müssen daher eine Haftpflichtversicherung abschließen. Die Höhe der Prämie hängt vom Umsatz des Büros ab.

Einige HTL bieten die Fachrichtung Bautechnik an – die Schüler können sich auf Hoch- oder Tiefbau spezialisieren. Die klassische akademische Variante ist das Studium an einer der Technischen Universitäten in Wien, Graz oder Innsbruck. Die Inhalte sind nicht ident, aber sehr ähnlich. An der TU Wien werden das Bachelorstudium „Bauingenieurwesen und Infrastrukturmanagement“ und das darauf aufbauende Masterstudium „Bauingenieurwesen“ angeboten. Einige Fachhochschul-Lehrgänge greifen Teilaspekte des Bauingenieurwesens heraus – so kann man etwa am FH Campus Wien Bauingenieurwesen und Baumanagement studieren.

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