Wohnen
28.01.2012

Versteigerung: Leben wie ein Fürst

Im Wiener Dorotheum kommen jetzt Möbel, Bilder und andere Gegenstände aus dem Palais Kinsky unter den Hammer

Das Palais auf der Wiener Freyung zählt zu den prächtigsten Palästen der Stadt. Bis 1986 im Eigentum der Familie Kinsky, gehört es heute "Billa"-Gründer Karl Wlaschek, der es auch selbst bewohnt. Teile der Inneneinrichtung gelangen jetzt in einer der umfangreichsten Auktionen aus österreichischem Privatbesitz unter den Hammer. Die Möbel, Uhren, Gemälde und Kristallluster, die da zu erwerben sind, erzählen viele Geschichten. Nicht nur über die Kinskys und ihr berühmtestes Familienmitglied Bertha von Suttner, sondern auch über Beethoven, Kaiserin Elisabeth und Winston Churchill.

Ab 21. Februar kann man im Wiener Dorotheum besichtigen, wie die Fürsten Kinsky einst logierten. Sie waren, obwohl sie als Protestanten mit dem Kaiserhaus in ständigem Konflikt lebten, zu riesigem Reichtum gelangt. Doch während des 30-jährigen Krieges fiel Wilhelm Kinsky bei den Habsburgern dermaßen in Ungnade, dass man ihn gemeinsam mit dem Heerführer Wallenstein ermorden ließ. Die Kinskys verarmten dann, erholten sich aber spätestens wieder, als Fürst Josef 1777 die reiche Gräfin Rosa Harrach heiratete, die das Palais auf der Freyung mit in die Ehe brachte.

Ihr Sohn Ferdinand Kinsky war es, der als Mäzen Beethovens Geschichte schrieb, denn ohne die Unterstützung des Fürsten wäre es dem Musikgenie nicht möglich gewesen, das Leben eines freischaffenden Künstlers zu führen. Kinsky ist es zu danken, dass der Komponist in Wien blieb: Als der König von Westfalen ihn 1808 als Kapellmeister an seinen Hof holen wollte, setzte Kinsky mit zwei weiteren Aristokraten eine jährliche Leibrente von 4000 Gulden aus – mit der Bedingung, dass Beethoven in Wien bliebe. Das "Geschäft" war nicht ganz uneigennützig: Die drei Herren hatten den Ehrgeiz, sich selbst als Komponisten zu beweisen, was ihnen freilich nur mit Beethovens "Hilfe" möglich war. In Wirklichkeit sind ihre Musikstücke das Werk Beethovens.

Bertha

Nicht im Palais auf der Freyung, sondern in Prag wuchs die junge Bertha von Suttner geb. Kinsky auf. Das Geschlecht hatte sich 1747 in eine fürstliche und eine gräfliche Linie geteilt und letzterer entstammte die spätere Nobelpreisträgerin, deren Vater und sämtliche Onkeln Generäle waren, was wohl ein Hauptgrund dafür war, dass sie ihre ganze Energie der Friedensidee widmete.

Bertha Kinsky befürchtete, ihr Leben als "alte Jungfrau" fristen zu müssen, da ihre Mutter eine Bürgerliche war und heiratsfähige Aristokraten deshalb einen großen Bogen um sie machten.

Geheime Ehe

Sie war bereits 30 und im Glauben, niemals heiraten zu können, als Bertha eine Stelle als Erzieherin bei der Familie Suttner auf Schloss Harmannsdorf im Waldviertel antrat, deren ältester Sohn Arthur sich in sie verliebte. Als seine Mutter der Beziehung auf die Spur kam, wurde Bertha entlassen, worauf Arthur sie heimlich heiratete. Als ihr der Friedensnobelpreis 1905 verliehen wurde, war ihr Mann bereits tot.

In der Zeit Kaiser Franz Josephs war das Palais auf der Freyung oft Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, da des Kaisers Obersthofmeister, Prinz Liechtenstein, ein Bruder der Fürstin Marie Kinsky war. Als offensichtlich wurde, dass Liechtenstein bei der Zuteilung bedeutender Staatsämter die Kinskys bevorzugte, fand ein bei so einer Postenvergabe übergangener Bewerber den für die Situation treffenden Reim: "Ich bitte um Verzeihung, ich bin nicht von der Freyung."

Kaiserin Elisabeth fühlte sich den Kinskys so verbunden, dass sie ihnen ein Porträt, das sie als Braut des Kaisers zeigt, schenkte. Auch dieses Gemälde kommt jetzt unter den Hammer.

Marie Kinskys Sohn Karl schaffte es, in den Memoiren Winston Churchills erwähnt zu werden – allerdings nicht wegen besonderer Heldentaten, sondern weil er als österreichischer Honorar-Attaché in London ein "Pantscherl" mit Churchills Mutter hatte. "Sie hatte sehr wenig Zeit für mich", erinnerte sich Englands späterer Premierminister an seine Kindheit, "denn sie wurde von einer Schar junger Verehrer umschwärmt, deren berühmtester Count Kinsky war."

Ermordet

Das Palais auf der Freyung ging derweil in den Besitz des Fürsten Ulrich Ferdinand Kinsky über, der als Autorennfahrer, Sportflieger und Polospieler eine Berühmtheit war. Seit er im Dezember 1938 im noblen Wiener Rennverein tot umfiel, will das Gerücht nicht verstummen, der 45-Jährige sei als Anti-Nazi Opfer eines Attentats geworden. Den neuen Machthabern kam sein Tod jedenfalls gelegen: Im Palais auf der Freyung wurden Dienststellen der Wehrmacht untergebracht.

Sein Sohn Franz Ulrich, der elfte Fürst Kinsky, verkaufte den Prachtbau 1986 um 35 Millionen Schilling, elf Jahre und einige Kurzzeit-Besitzer später griff "Billa"-Gründer Karl Wlaschek zu, der das Palais heute nicht nur bewohnt, sondern sich in dessen Hof ein Mausoleum bauen ließ, in dem er dereinst die letzte Ruhe finden will.

Ein Teil der Möbel aus Kinsky’schem Besitz blieb im Palais, der Rest wird jetzt im Dorotheum versteigert.

Das Palais auf der Freyung: Von Kinsky zu Wlaschek

Familie Die Kinskys, eines der ältesten Geschlechter Europas, stammen aus Böhmen und wurden 1237 erstmals urkundlich erwähnt. Sie besaßen zahlreiche Burgen und Schlösser sowie je ein Palais in Prag und in Wien.
Das Wiener Palais auf der Freyung zählt zu den bedeutendsten Barockpalästen der Stadt. 1713 bis 1716 im Auftrag des Grafen Daun von Lukas von Hildebrandt errichtet, gehörte es später den Familien Khevenhüller und Harrach, ehe es 1777 durch Heirat in den Besitz der Kinskys gelangte. Zu den prominenten Bewohnern des Kinsky zählte Feldmarschall Radetzky, der sich als Mieter im Palais niedergelassen hatte.

Wlaschek Franz Urlich Kinsky, der im Jahre 2009 starb, hatte das Palais auf der Freyung 1986 verkauft, seit 1997 ist es im Besitz von Karl Wlaschek.

Versteigerung Die Versteigerung der Kunst- und Einrichtungsgegenstände aus dem Kinsky findet am 28. Februar um 16 Uhr im Wiener Dorotheum statt. Die rund 300 Exponate aus dem Besitz des jetzigen Familienoberhaupts Karl Kinsky haben einen Schätzwert von bis zu einer Million Euro.