© Carl Hansen & Son

Portrait
10/19/2014

Typisch dänisch: Möbel von Carl Hansen & Søn

Tradition wird auch nach mehr als hundert Jahren großgeschrieben: Heute wird das Unternehmen in dritter Generation geführt.

von Ankica Nikolić

Die Entwürfe sind am Punkt. Jede Linie, jede Verbindung scheint zueinandergefunden zu haben. Sie sind schlicht, dezent unaufdringlich. Den Erfolg verdankt das dänische Unternehmen auch historischen Entwürfen. Schon früh hat man hier begonnen, mit Architekten zusammenzuarbeiten und deren Expertise in puncto Produktion, Gestaltung und Vertrieb einzuholen und zu nutzen. Berühmte Vertreter der 1940er- und 1950er-Jahre wie Ole Wanscher, Mogens Koch, Kaare Klint oder Frits Henningsen gestalteten Entwürfe, die zum Teil heute noch produziert werden.

Der bekannteste und zugleich auch am häufigsten mit Carl Hansen & Søn in Verbindung gebrachte Gestalter ist Hans Jørgensen Wegner. Seine ersten vier Entwürfe entwickelte er während eines Aufenthalts im dänischen Odense. In knapp drei Wochen entstanden rund vier Stühle, unter anderem der "Wishbone Chair". Es ist seine vermutlich bekannteste Arbeit und wird seit 1950 kontinuierlich produziert.

Die schönsten Entwürfe in Bildern:

Das Familienunternehmen wird heute bereits in dritter Generation geführt. Nach dem Tod von Carl Hansen übernahm sein Sohn Holger Hansen das Ruder. Seine Frau Ella führte das Unternehmen weiter. Ihr Sohn, Jørgen Gerner Hansen, übernahm 1988 die Leitung. Doch erst mit dem Wechsel an der Unternehmensspitze durch den zweitjüngsten Sohn von Holger und Ella Hansen, Knud Erik Hansen, im Jahr 2001, erhielt die Manufaktur frischen Wind. Mit der neuen Geschäftsführung wurde auch eine neue Fabrik in Årup, außerhalb von Odense, errichtet.

Carl Hansen & Søn ist der größte Hersteller von Wegner-Möbeln.

Nach wie vor arbeitet das Unternehmen mit dem Hans J. Wegner Studio zusammen. Dadurch können immer wieder neue Wegnermöbel in Serie gehen. Doch nicht nur Verstaubtes und Altes hielt Einzug in das Sortiment. Enge Kooperationen mit Architekten sind auch heute ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Berühmte, zeitgenössische Designer wie das dänische Duo Strand & Hvass oder Thomas Bo Kastholm, realisierten ebenfalls Entwürfe.

Der berühmteste Vertreter der Gegenwart in der Liste ist der japanische Pritzker-Preisträger Tadao Ando. Er entwarf 2013 den skulptural wirkenden "Dream Chair" als Tribut an Wegner, dessen Arbeiten er auch heute noch bewundert.

www.carlhansen.com

In der Designwelt spricht man immer wieder davon, dass ein gutes Produkt auch eine Geschichte erzählen muss. Welche Geschichte erzählt uns ein Carl Hansen?
Es gibt einen Unterschied: Andere Unternehmen müssen erst eine Geschichte suchen und erzählen. Ein Carl Hansen hat bereits eine Geschichte, eine familiäre und die ist echt. Wir müssen nichts erfinden.

Carl Hansen ist aber nicht das einzige Familienunternehmen in der Branche. Worin unterscheiden Sie sich von anderen?
Für mich ist es die Idee meines Großvaters. Mit der Gründung einer kleinen Möbelwerkstatt im kleinen Odense 1908 wollte er Einzelanfertigungen realisieren, weil er der Meinung war, dass sich Menschen im Wohnraum nach Individualität und Qualität sehnen. Er hat das Unternehmen aus Überzeugung gegründet, diesen Bedürfnissen gerecht werden zu können. Mut zu haben, ganz andere Maßstäbe und Ideen voranzutreiben – ich glaube, das ist der größte und zugleich wichtigste Unterschied, auch heute noch.

Ihr Vater hat 1937 das Unternehmen übernommen und damit auch einen sehr großen Coup gelandet, indem er Hans Wegner ins Unternehmen holte.
Ja genau. Es war die Zeit der Industrialisierung und er wusste er muss etwas verändern, da die Idee der Einzelanfertigung zu kostspielig und zu ineffizient geworden ist. Er hat damals gemerkt, dass man die Ur-Idee der Individualisierung irgendwie auf die Serienproduktion übersetzen musste. Zeitgleich hat er begonnen, Architekten als Kooperationspartner zu akquirieren. Ein kluger Schachzug, denn Baukünstler waren damals in der Gestaltung von Wohnräumen tonangebend und zugleich auch visionär.

Wie sind die ersten Entwürfe von Wegner zustande gekommen? Waren es dezidierte Auftragsarbeiten?
Nicht im herkömmlichen Sinn. Der Vertriebsleiter meines Vaters hat die beiden miteinander bekannt gemacht. Erst zwei Jahre später kam Wegner zu uns nach Odense und blieb für drei Wochen. In dieser Zeit entwickelte er die Stühle mit den Nummern 22, 23 und 24. Mein Großvater hat die ersten Prototypen gesehen und meinte zu meinem Vater: ‚Diese Kollektion ist ein Fehler, du solltest ihn wieder raushauen. Mit diesen Entwürfen wirst du keinen Erfolg haben.‘ Doch er widersetzte sich und startete die Produktion der Stühle.

Sie sind nun seit zehn Jahren an der Spitze, haben davor in Reedereien gearbeitet und mit Möbeln nicht viel zu tun gehabt. Warum der Sinneswandel doch einzusteigen?
Meine Mutter hat das Unternehmen nach dem Tod unseres Vaters weitergeführt, da mein Bruder der Ältere war, hat er 1988 Carl Hansen übernehmen müssen. Ich hatte das Privileg meine Erfahrungen abseits der Familie sammeln zu können und ich arbeitete viele Jahre als Reeder. Abgesehen davon wusste ich, dass mein Bruder und ich nicht miteinander arbeiten können. Wir sind von Grund auf verschieden. Damals hatten wir ein gemeinsames Segelboot und haben festgestellt, dass wir nicht einmal miteinander in Ruhe segeln können, also wie sollten wir dann ein Unternehmen gemeinsam leiten?

Und vor zehn Jahren hatten Sie das Gefühl jetzt geht’s?
Ja, da ich die Anteile meines Bruders gekauft habe. Er wollte nichts verändern oder auch vorantreiben, es war eine Art Stillstand. Ich wusste, dass ich diese Einstellung nicht teilen konnte, also konnte ich ihm nur anbieten ihn rauszukaufen, um mein eigenes Ding durchzuziehen.

Haben Sie heute noch Kontakt?
Natürlich (lacht). Wir haben den Wechsel in gutem Einvernehmen über die Bühne gebracht und ich konnte einen kompletten Neustart wagen. Heute findet er es gut, dass ich alles auf den Kopf gestellt habe.

Was war damals die schwierigste Herausforderung?
Die richtigen Leute zu finden. Ich bin kein Tischler, ich bin kein Buchhalter, etc. Diese Liste könnten wir immer weiter und weiter führen. Ich bin Geschäftsmann, der das Geschäft vorantreibt und das Unternehmen mithilfe von Innovationen zukunftstauglich macht und das geht nur mit den richtigen Leuten an meiner Seite. Ich bin kein Freund von Menschen, die behaupten nur sie selbst können alles am Besten.

Sondern?
Aus meiner Sicht ist es einfach unmöglich, alles perfekt zu können. Ich sehe meine Funktion gleich wie die eines Kapitäns. Allein kann ein Kapitän nie sein Schiff sicher von einem Hafen in den anderen bringen. Mit einer guten Crew schon. Es ist mir wichtig, Leute zu finden, die es verstehen, die Geschichte meiner Familie mit mir gemeinsam weiter zu führen, auszubauen und voranzutreiben. Nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger.

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