© Max Eisenköck

Architektur
05/15/2016

Gut geplant: Ferienhaus am Neufeldersee

Der erste Auftrag erwies sich für Maximilian Eisenköck als Glücksfall – nicht nur wegen des hufeisenförmigen Innenhofes. Auch die Umsetzung gelang erfreulich unkonventionell: Afrikanisches Holz und eine japanische Fassade verleihen dem Haus am Neufelder See eine individuelle Note.

von Mario Kopf

"Bauen am Wasser ist etwas ganz Spezielles, das Gebäude bekommt dadurch eine eigene Stimmung. Eigentlich bin ich neidisch, dass ich nicht selbst darin wohne", sagt Max Eisenköck und lacht. Es ist dem 32-Jährigen nicht zu verdenken: Auf dem Seegrundstück im Burgenland errichtete der Architekt ein Ferienhaus, das den Raum intelligent nützt und zugleich stilvoll kompakt wirkt.

Der Auftraggeber, ein Ehepaar, ließ ein Domizil für seine drei Kinder planen, die mit ihren Partnern hier Entspannung finden sollen. Aufgrund der die Umgebung prägenden Kleingärten entschied sich Eisenköck für einen hufeisenförmigen Baukörper: Dieser ermöglicht auf allen Seiten Blickschutz und somit Privatsphäre und öffnet sich lediglich in Richtung Neufelder See. "Das Herzstück ist der Hof, eine Art Patio in der Mitte des Gebäudes. In diesen hat jede der drei – räumlich getrennten – Wohneinheiten Zugang."

Das Haus war Eisenköcks erster Auftrag nach der Bürogründung 2014 – dementsprechend aufmerksam widmete sich der gebürtige Grazer dem Projekt. Ein zentrales Anliegen war das harmonische Zusammenspiel von Holz und Glas: Während Panoramafenster für Helligkeit und Ausblick sorgen, generiert das afrikanische Okuméholz im Außenbereich einen stimmigen Kontrast. Die Wahl auf dieses in Skandinavien oftmals genutzte Material fiel unter anderem wegen seiner frostbeständigen, gut haltbaren Art. Wie bei einem japanischen Ornament wurden schwarze Riemen gebildet, die von den Platten optimal ausgefüllt werden.

Die Fassade ist eines der baukulturellen Merkmale, die durch die gedankenlose Verwendung von Vollwärmeschutz in den letzten Jahren stark eingebüßt hat. Anstelle von willkürlich eingeschnittenen Öffnungen für die Fenster haben wir eine Riemenstruktur geschaffen, bei der Holz und Glas ineinander übergehen. Die Fassade muss wieder Tiefgang haben“, sagt Eisenköck. Die Anordnung der Scheiben wurde bewusst gewählt: Da die künstlerisch veranlagten Bewohner gerne malen, befinden sich nordseitig große Glasfronten, die optimales Licht ermöglichen.

Außerdem legte der Baukünstler Wert auf genügend Schatten, da das Haus mit 220 vor allem im Sommer genutzt wird. Zudem sollten sich die Innen- und Außenräume auflösen – die Eckfenster lassen sich aufschieben, sodass man sich im Gebäude sitzend im Garten wähnt. Die fast rahmenlosen Verglasungen, die an manchen Stellen bis zur Oberkante des Gebäudes reichen, forderten eine langwierige Tüftelei: "Eine Konstruktion, die viel Detailarbeit verlangt." Herausforderungen wie diese sind es, die Eisenköck anspornen: "Ich möchte Dinge entwickeln, die vorher noch niemand gemacht hat. Standardlösungen interessieren mich nicht."

Ökologisches Bauen definiert sich beim Architekten über einen klugen Grundriss, der mit wenig Fläche auskommt und materialsparend bebaut wird. "Das Haus wurde in Holztafelbauweise konstruiert, dazu kommt Glas und der Estrichboden. Viel mehr gibt es nicht." Das im Juli 2015 fertiggestellte Heim war die erste Bewährungsprobe – und ein Lernprozess. "Ich habe viel mitgenommen. Komplizierte Details resultieren in einem horrenden Planungsaufwand, aber sie zahlen sich aus." Auch wenn er selbst nicht darin wohnen kann: Drei junge Paare sehen das ziemlich genauso.

Nach dem Studium an der Technischen Universität Wien gründete Max Eisenköck das Studio „MEA“ im Jahr 2014 mit Sitz in der Bundeshauptstadt. Je nach Auftragslage verfügt er über ein Team von drei bis vier Personen. Neben Einfamilienhäusern und Wohnanlagen beschäftigt sich der Sohn von Hermann Eisenköck (Partner beim Büro „Architektur Consult“) mit historischer Bausubstanz: Umbauten und Denkmalpflege sind ihm ein besonderes Anliegen. www.maxeisenkoeck.com

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