Wohnen
05.03.2012

Spannungsreiche Baukultur mit Ziegeln

Der diesjährige "austrian brick and roof award" kürte zum dritten Mal innovative, österreichische Bauprojekte.

Kompakt, hochwertig und massiv: Mit Ziegeln zu bauen hat Tradition. Es steht für Langlebigkeit und Werterhalt. Neben verschiedenen, neuen Alternativen zählt der altbewährte Baustein nach wie vor zu den gefragtesten Materialien beim Hausbau.

Vor drei Jahren wurde der "austrian brick and roof award" (ABARA) von dem Verband Österreichischer Ziegelwerke (VÖZ) gemeinsam mit Tondach Gleinstätten und Wienerberger Österreich initiiert. "Wir haben diesen Wettbewerb ins Leben gerufen, um aufzuzeigen, wie attraktiv, spannend und vielseitig mit Ziegel heute gebaut werden kann. Und auch, um für moderne Ziegelarchitektur in Österreich eine Plattform zur Präsentation und ein Instrument der Anerkennung zu schaffen", so Gerhard Koch, Europa-Geschäftsführer des VÖZ.

Mit der Auszeichnung sollen Projekte, die sich mit dem Potenzial des Ziegels in seinen vielfältigen Eigenschaften und Funktionen auseinandersetzen, prämiert werden. "Mit zehn österreichischen Einreichungen wollen wir einen starken heimischen Beitrag zum internationalen Wettbewerb brick12 leisten, der die besten Beispiele moderner Ziegelarchitektur weltweit auszeichnen wird", so Gerhard Koch.

Galerie

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NORBERT PROMMER, WALTER EBENHOFER, RICHARD WETT, VOLKER LOIDOLT

NORBERT PROMMER, WALTER EBENHOFER, RICHARD WETT, VOLKER LOIDOLT

NORBERT PROMMER, WALTER EBENHOFER, RICHARD WETT, VOLKER LOIDOLT

NORBERT PROMMER, WALTER EBENHOFER, RICHARD WETT, VOLKER LOIDOLT

NORBERT PROMMER, WALTER EBENHOFER, RICHARD WETT, VOLKER LOIDOLT

Vier Kategorien

Zum dritten Mal wurde der ABARA heuer verliehen. Die Auszeichnung wird in vier Kategorien vergeben: Wohnbau kleinvolumig, Wohnbau großvolumig, Nicht-Wohnbau und Steildach mit Tondachziegel. Erstmals erhielt heuer ein Projekt einen Sonderpreis für Sanierung.

Etwas Neues zu bauen ist im Vergleich zur Umgestaltung von Bestehendem einfacher. Historische Substanzen stellen Baukünstler immer wieder vor Herausforderungen. Architekt Michael Lingenhöle hat den Umbau des Franziskanerklosters im burgenländischen Güssing eher als Chance gesehen: "Unsere Aufgabe lag darin, Altes mit Neuem hervorzuheben. Dadurch wird das Gebäude wertvoller." Das Projekt wurde in der Kategorie Nicht-Wohnbau ausgezeichnet. Im Zuge der Sanierung wurden zwei Stallbauten für neue Funktionen adaptiert. Hier wurden nun ein Jugendzentrum, eine Kirchenbeitragsstelle sowie eine öffentliche Toilettenanlage untergebracht. Das Erdgeschoß des Klosters wurde sorgfältig erneuert, der massive Charakter – ein Ziegelmauerwerk mit bis zu 80 cm Wandstärke – blieb erhalten, dieser wird durch die Kastenstockfenster zusätzlich hervorgehoben.

Der gläserne Aufbau mit Betonstruktur ist das zeitgenössische Pendant zum Untergeschoß. So erhielt das obere Stockwerk eine klare, optische Trennung. Die Aufstockung wirkt trotz der Holzlamellenverkleidung transparent. Der Zubau im Erdgeschoß fungiert einerseits als Foyer und andererseits als Bindeglied zwischen den Gebäuden.

Neu und Alt

Die Verschmelzung von Neu und Alt spielte auch bei der Gestaltung des Goingerhofs in Kitzbühel die Hauptrolle. Hier wurde vom Architekturbüro Seifert eine abgebrannte Tenne saniert. Prämiert wurde das Projekt in der Kategorie Steildach mit Tondachziegel. Der gemauerte Hof wurde dabei behutsam revitalisiert und die Tenne komplett neu errichtet. Spannend ist jedoch die Tatsache, dass sich beide Gebäude ein gemeinsames Dach teilen.
Die Entwürfe könnten nicht unterschiedlicher sein. Der alte Hof weist traditionelle Elemente der ländlichen Architektur wie die kleinen Fenster mit Fensterläden, Blumenbalkone, weiß verputzte Sockelzonen oder Wandmalereien auf. Der moderne Nachbar hingegen besticht durch eine umfassende Lärchenholzverkleidung. Dennoch ist ein homogenes Erscheinungsbild entstanden, welches sich harmonisch in das saftige Grün der umliegenden Berglandschaft fügt.

Die eingeschnittene Terrasse im Dach weist auf die besondere Eindeckung hin. Man setzte zwar auf konventionelle Tondachziegel, jedoch versucht man die optische Wirkung von leicht verwitterten Holzschindeln zu erreichen. Den Effekt erzielte man, indem rechteckige Dachziegel in mehreren Schichten in Hellgrau engobiert und in unterschiedlichen Längen und Breiten gemischt verlegt wurden. Damit das neue Dach auch optisch dieselben Farbnuancen wie bei klassischen Holzschindeln erhält, spritzte man auf die Ziegel nachträglich dunkle Streifen auf. Zusätzliche Einbauten und Schneefänger wurden mit einem hellen Grauton beschichtet. So konnte man die Gesamtkonstruktion noch einheitlicher an die eines Holzschindeldaches anpassen und lieferte gleichzeitig dazu eine neue, spannende und interessante Alternative zu modernen Metalleindeckungen.

Die prämierten Projekte beweisen, dass Ziegel auch in der modernen Architektur neue Lösungsansätze bieten kann. Es ist einen Versuch wert, künftig noch mehr darauf Wert zu legen.

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