Wohnen mit viel Holz und Glas

© /Ake E:son Lindman

Wohnen
01/20/2017

Nordisch wohnen: Präzise Reduktion

Skandinavier sind Experten, wenn es darum geht, die eigenen vier Wände gemütlich und sinnlich einzurichten. Wohnbeispiele aus dem Norden.

von Ankica Nikolić

Es an bestimmten Elementen, Fixpunkten oder gar Herangehensweisen festzumachen, geht nicht. Dazu präsentieren sich nordische Wohnbeispiele einfach viel zu vielseitig. Denn besucht man Städte wie Amsterdam, Kopenhagen oder Stockholm, sieht man sie überall – die riesigen Fensterfronten und die hellen Räume, die sich dahinter verbergen. Die unfassbare Leichtigkeit und Unaufdringlichkeit, mit der die Räume gestaltet und eingerichtet wurden, sind vielleicht auch gleichzeitig das Bindeglied und einzige Merkmal. Vergleicht man die Häuser und Wohnungen miteinander, ähnelt kein Interieur dem anderen.

Skandinavische Wohnhäuser

Das nordische Stilverständnis hat nun der schwedische Architekt Jon Steinfeld versucht mithilfe von ausgewählten Beispielen in seinem neuen Buch einzufangen. Unter dem Titel „Die besten skandinavischen Wohnhäuser“ hat er verschiedene Projekte porträtiert. Darunter auch einen Entwurf des deutschen Architekturbüros Hauschild + Siegel, welches zudem weitere Niederlassungen in Kopenhagen und Malmö unterhält. Ihre Stil- und Formensprache ist präzise, reduziert und konzentriert, das beweist ebenfalls das „Haus Stölken“ in Hamburg. Für den 290 Quadratmeter großen Entwurf wurden zwei gewinkelte Baukörper aneinandergereiht. Wobei einer davon eine eingeschoßige Ebene bildet, der andere Gebäudeteil geht zwei Stockwerke in die Höhe. Durch den Knick ist im mittleren Bereich ein Hohlraum entstanden, den die Architekten als „offenen Umdrehungspunkt“ nutzen.
Das Haus wurde in massiver Bauweise errichtet und verfügt über eine Flächenheizung. Die Gebäudehülle besteht aus einem Sichtmauerwerk, einer Holzverschalung und aus Sichtbeton. Obwohl für die Fassade drei verschiedene Werkstoffe verwendet wurden, harmonieren die Materialien perfekt miteinander.

Haus aus Holz

Im schwedischen Norrtälje befindet sich das „Barn House“, das an eine landestypische Scheune erinnert, die im hohen Norden als Ikone der Architektur gilt. „Die Einfachheit und Klarheit von Form und Konstruktion machen sie frei skalierbar – von der Größe einer Gartenhütte bis hin zu den fast einschüchternden Höhen und Breiten der Großbauernhöfe“, erklärt Steinfeld. Das Gebäude, ein Entwurf des Baukünstlers Philip Bergerhoff vom Büro Byggfenomen, wurde in spezieller Bauweise in Ortbeton errichtet, mehr als sechzig Prozent des Gebäudes bestehen aus großflächigen Glasfronten. Innen wie außen wurde bei der Gestaltung auf Holz gesetzt. Die Bauherren, ein schon länger in Schweden lebendes, deutsches Ehepaar, liebt die Abgeschiedenheit des Küstengrundstücks und setzte beim Planen auf eine radikalere und durchaus moderne Interpretation einer Scheune. Wobei das Satteldach und das Sockelgeschoß als einzige Hommage zu deuten sind. Letzteres wurde versetzt positioniert, wodurch der Wohnbereich zu schweben scheint. Im Inneren wurden zum Teil Decken abgehängt und bis zum First offen gelassen, dadurch wirken die Räume großzügig. Insgesamt verfügt das Haus über eine Wohnfläche von 155 Quadratmetern, wobei die Terrasse für weitere 120 Quadratmeter sorgt.
Steinfeld hat mit seiner Auswahl Geschick bewiesen, die ausgesuchten Projekte verweisen gekonnt auf die Bandbreite der skandinavischen Architektur, die zahlreiche Inspiration liefert und hoffentlich viele Nachahmer findet.

Jon Steinfeld präsentiert in seinem Buch „Die besten skandinavischen Wohnhäuser“ Projekte aus Schweden, Norwegen, Deutschland und Dänemark. DVA-Verlag, € 51,40