© Michael Heinrich

Architektur
12/31/2014

Mondäne Alpen-Residenzen

Hotels in den Bergen, die moderne Architektur und anspruchsvollen gastronomischen Service verbinden: Ein neuer Bildband stellt gelungene Beispiele vor.

Heute bin ich ganz verliebt in das Haus", sagt Berta Unterberger. Das erste Modell glich zwar einer "Zündholzschachtel". Doch der Entwurf des Münchner Büro meck architekten überzeugt. Inmitten der Hohen Tauern bei Piesendorf im Salzburger Land schmiegt sich das schnörkellose "Aufberg 1113" in den Hang. Unterhalb davon gesellte sich 2012 das Partnerhaus "Aufberg 1110" hinzu. Beide Häuser sind eine moderne Interpretation der Pinzgauer Berghütte. Sie bergen je zwei Wohnungen und werden von Berta Unterberger und ihrer Tochter an Urlauber vermietet.

Orte wo das Panorama genauso überzeugt wie die Architektur findet man nicht all zu oft. Claudia Miller und Hannes Bäuerle haben sich auf die Suche nach architektonisch herausragenden Unterkünften in den Alpen begeben. Jene Beispiele, die sie am meisten beeindruckt haben, liegen nun in Buchform vor und sind im Detail Verlag unter dem Titel "Alpen Orte" erschienen.

Die großzügig geschnittenen "Aufberg"-Häuser, überzeugten die Autoren nicht nur durch ihre Formensprache, sondern auch aufgrund der verwendeten Materialien. Ein Holzrahmenbau bildet die Konstruktion, die Fenster sind mit tiefen Laibungen wie Bilderrahmen ausgeführt und laden dazu ein, den Blick auf die Natur und die Berge zu lenken.Die Einrichtung ist ebenso schlicht wie luxuriös und spiegelt das Talent der Besitzerinnen für Gestaltung wider. Einfache Materialien wie Wolle, Filz und Loden treffen auf Stein sowie Holz an Wänden und Böden. Sanfte Farben und klare Linien definieren das Innere. Unikate, die vereinzelt auftauchen, verleihen den Räumen Persönlichkeit: So wurde etwa ein Vogelvoliere, der von einem Pariser Flohmarkt stammt, zu einer Leuchte umfunktioniert und hängt nun über dem Esstisch des Appartements "Ansitz".

In Hinterglemm, ebenso im Pinzgau gelegen, wurde ein U-förmiger Gutshof neu gedacht: Das von Gogl Architekten geplante "Wiesergut" ist so angelegt, dass sich in dessen Mitte ein Innenhof bildet. Ein verglaster Gang umschließt diesen und verbindet den Empfang, das Restaurant sowie sieben private Gartensuiten und den Spabereich. Ziel war es, mit der Natur zu bauen.Das ist mitunter an der Fassade sehr gut erkennbar: Das Haus ist mit regionalem, sonnenverbranntem Altholz umhüllt und wirkt daher so, als würde er schon ewig dastehen. Zugleich stellt das eine Referenz an die Historie des Hauses dar, denn schon seit 1350 steht ein Gutshof an dieser Stelle. Seit Ende des 19. Jahrhunderts waren Gäste auf dem Hof untergebracht. Der Altbau war jedoch in so schlechtem Zustand, dass er einem puristischen Neubau Platz machen musste.
Die Geradlinigkeit des Entwurfs setzt sich innen fort und verleiht dem Haus eine rustikal-moderne Identität. Das Interieur in puren, naturbelassenen Tönen folgt klaren Linien und kommt ohne Schnörkel aus. Traditionelle Materialien wie Leinen und Leder, geschmiedetes Eisen, Eichen- und Walnussholz, Glas, Sichtbeton und Naturstein nehmen Bezug zur Region.

Beispielhafte Architektur abseits der Touristenorte ist auch in Südtirol vertreten. Im Eisacktal etwa muss man das Gasthaus "Briol" erst erklimmen: Eineinhalb Stunden Fußmarsch sind erforderlich. Ankommen bedeutet zugleich runterkommen: Es gibt weder eine Rezeption noch fließend Wasser auf den Zimmern, keinen Fernseher und kein Internet. Was den Zauber ausmacht? Die einsame, ruhige Lage, ein sagenhafter Blick auf die Dolomiten und familiäre Freundlichkeit. Der letzte Umbau des Gebäudes reicht ins Jahr 1928 zurück.Das Satteldach wurde durch ein Pultdach, das gegenläufig zum Hang positioniert ist, ersetzt. Laubenartig vorgesetzte Balkonlogen unterbrechen die kubische kompakte Gesamtform.

Geschirr und Möbel, die bis heute in Gebrauch sind, wurden damals von einem Künstler entworfen. Aus dieser Zeit stammt auch das ovale Schwimmbecken: Es wird mit Quellwasser gespeist und soll das erste öffentliche Schwimmbad Süditrols gewesen sein. Heute sorgen Sonnenkollektoren auf dem Dach für Warmwasser, eine Heizung gibt es in den Zimmern aber immer noch nicht. Weiße verputzte Wände, knarzende Dielen und Holztreppen prägen diese Unterkunft. Auch wer mehr Komfort schätzt, kommt auf seine Kosten: 2013 wurde das zum "Briol" gehörende "Haus Settari " aus dem Jahre 1913 behutsam renoviert und zu Ferienwohnungen umgebaut. Kassettendecken und Möbel sind noch original aus den 1920er-Jahren erhalten. Das Haus ist mit Heizung und Bädern ausgestattet, auf jedem Geschoß gibt es einen Aufenthaltsraum mit Bibliothek und Kamin. Zudem ist der Schweizer Architekt Peter Zumthor, ein Meister klischeebefreiter Architektur, aktuell mit der Planung des 1982 abgebrannten Hauses "Einäugl " betraut. Fünf Baumhäuser als kleine Rückzugsorte sollen entstehen.

Claudia Miller und Hannes Bäuerle: „Alpen Orte – Über Nacht in besonderer Architektur“

25 Unterkünfte, zum Großteil im Alpenvorland, in Tirol, Vorarlberg, den Dolomiten und vereinzelt in der Schweiz, werden zweisprachig (Deutsch, Englisch) vorgestellt.

Edition Detail, € 49,–

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