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Haussystem
06/20/2013

Mobiles Wohnloft, ein Konzept mit Zukunft

Der deutsche Produktdesigner Werner Aisslinger hat ein mobiles, temporäres Wohnloft entwickelt.

von Ankica Nikolić

Schwerelos, frei stehend und eigenständig – der mit Lamellen umhüllte Würfel wirkt natürlich und selbstverständlich, obwohl der Entwurf alles andere als gewöhnlich ist. Fincube ist ein Konzept des deutschen Produktdesigners Werner Aisslinger. Er ist eine Weiterentwicklung des Loftcubes. Der die Vision des mobilen Wohnens verfolgte. Aisslinger erschuf damit einen komplett neuen Baukörper für den urbanen Raum. „Die Intention dahinter war, die Grundstücks- und Flächenknappheit in Großstädten zu umgehen und Dächer bestehender Gebäude als Standort für temporäre Wohnkonzepte zu nutzen“, erklärt Aisslinger.

Der Bozener Unternehmer Josef Innerhofer erkannte das Potenzial des Projektes – insbesondere für den ländlichen Raum. Ziel des „UFOs“ ist es: Eine alternative Wohnform im Grünen anzubieten, welche mit minimalen Eingriffen in die Natur aufgestellt werden kann. Das Modell eignet sich vor allem für die befristete Nutzung eines Geländes und kann nach Gebrauch vollständig recycelt werden.
Das modular aufgebaute Haussystem besteht aus einer Holzskelettkonstruktion mit vier statischen Stützpunkten. Im Sinne der Nachhaltigkeit beschränkte sich Werner Aisslinger auf eine minimale Bodenversiegelung von jeweils 0,5 . Für die Gebäudehülle wurden dreifach verglaste Panoramafenster verwendet. In Kombination mit der Dämmung kann dadurch vor allem der Energieverbrauch ziemlich gering gehalten werden. Auf den ersten Blick besticht der Entwurf durch die außergewöhnliche Holzlamellenverkleidung. Diese dient gleichzeitig als Sonnen- und Sichtschutz.

Bei der Technik setzte Architekt Werner Aisslinger auf ein zentral gesteuertes Bussystem. Künftige Fincube-Besitzer müssen lediglich dafür sorgen, dass Strom-, Wasser- und Abwasseranschlüsse sowie eine Baubewilligung vorhanden sind.

Das Flachdach kann begrünt oder mit einer Fotovoltaikanlage ausgestattet werden, um somit völlig autark Energie zu gewinnen. Die gesamte Kubatur misst etwa 127,2 m3 und die reine Nutzfläche beträgt 49,7 . Es gibt aber auch eine größere Variante mit etwa 70 Quadratmetern.

Neben der nachhaltigen und ökologischen Bauweise punktet Finncube auch mit einer äußerst kurzen Bauzeit.

Siebzig Tage dauert der Aufbau, gerechnet ab dem Zeitpunkt der Bestellung und der Produktionsfreigabe. Eine Rekordzeit im Vergleich zu klassischen Kleingartenhäusern. Nur das notwendige Kleingeld muss man dafür aufbringen können. Etwa 150.000 Euro kostet die schlüsselfertige Variante, allerdings ohne Inneneinrichtung und exklusive der Grundstücks-, Erschließungs- und Transportkosten. Die Produktion erfolgt ausschließlich in Südtirol. „Speziell in der Holzverarbeitung verfügen die Betriebe in Südtirol über branchenspezifisches Know-how, das europaweit seinesgleichen sucht“, beschreibt Werner Aisslinger.

Im Inneren können Wohnzimmer, Küche, Zimmer sowie Bad untergebracht werden. Je nach Größe ermöglicht der Grundriss auch zwei Schlafbereiche. Mit einer 360°-Fassade aus Glas ist das Haus zwar in sich geschlossen wird aber dadurch gleichzeitig optimal lichtdurchflutet. Für das Gebäude und die Inneneinrichtung wurde das Holz der sibirischen Lärche verwendet. Einzelne Elemente der Einrichtung bestehen aus duftendem Zirbenholz und sollen zusätzlich den Geruchssinn aktivieren. Textilien wurden in ihren Tönen auf die verschiedenen Raumfunktionen abgestimmt. Die schneckenförmige Raumfolge trennt die einzelnen Zimmer voneinander ab. Alle Funktionspaneele des Hauses befinden sich in der Raummitte und alle Bereiche öffnen sich jeweils nach außen hin. Durch diesen Grundriss entsteht auch drinnen keine Enge, trotz der geringen Wohnfläche von 49 beziehungsweise 70 Quadratmetern.
Das Thema der zeitlichen Begrenzung ist für Architekt Werner Aisslinger ein wichtiger Aspekt von Finncube. Dadurch wird die These, dass ein Gebäude für immer am selben Ort stehen muss, neu aufgerollt und hinterfragt. Denn der Entwurf ist eigentlich ein komplett eigenständiger Baustein. Er kann nach Lust und Laune und natürlich nach den jeweiligen Baubestimmungen fast überall aufgestellt werden. Weiters wollen die Hersteller damit auch anderen Nutzungsmöglichkeiten offen gegenüberstehen. So kann der Kubus durchaus neben einem bestehenden Einfamilienhaus separat als Büro- und Arbeitsplatz oder als Gästehaus genutzt werden. Eine touristische oder gewerbliche Nutzung würde sich aufgrund der Mobilität ebenfalls anbieten.
Solche Projekte sind der Beweis dafür, dass man beim Thema Bauen nicht automatisch nur in großen Dimensionen denken muss. Aufgrund der stetig steigenden Grundstücks-, Wohn- und Mietpreise, ist der Finncube eine kleine aber durchaus moderne Antwort auf die Platzknappheit im urbanen Bereich. Die außergewöhnliche Form, die Lammellenstruktur und das kompakte Innenleben machen den Entwurf anpassungsfähig. Die Idee das eigene Haus als mobilen Untersatz zu sehen ist eine mutige Zukunftsvision und hat Potenzial. www.fincube.eu
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