Wohnen 23.03.2016

Materialkunde

Bildnummer 33540638 Wolle, Gestapelt, Stapeln, Nähen, Ordnung, Makro, Zusammenstellung, Muster, Material, Nahaufnahme, Baumwolle… © Bild: /oksix/IStockphoto.com

Etiketten von Heimtextilien sind mit zahlreichen Wasch- und Pflegesymbolen sowie Zusammensetzungen vollgeschrieben. Doch welches Material steht für welche Eigenschaften? Gemeinsam mit Ingrid Hackl und Beate Luger-Goyer von der Kunstuniversität Linz (Abteilung textil.kunst.design) gibt IMMO einen Überblick über die wichtigsten Stoffgruppen sowie deren Vor- und Nachteile.

Viskose

Bei dieser Stoffart handelt es sich um Chemiefasern, die auf Basis von Zellulose (Buchen- oder Fichtenholz oder nicht verspinnbarer Baumwolle) gefertigt werden. Der Stoff ist nicht natürlich gewachsen, sondern im chemischen Prozess, im sogenannten Viskoseverfahren entstanden. Das Material gilt als das „natürlichste“ aller Chemiefasern. Der Stoff ist leicht, weich fließend, nimmt Feuchtigkeit gut auf und knittert kaum. Viskosesorten gelten zudem als besonders gut einfärbbar, da das Ergebnis aufgrund der Beschaffenheit besonders gleichmäßig wird. Beim Angreifen wirkt das Material weich und weist oft eine glänzende Oberfläche auf. Zudem wird Viskose oftmals auch mit anderen Rohstoffen gemischt.

Verwendung: hochwertige Bett-und Tischwäsche, feine Teppiche

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Synthetische Stoffe

Die bekanntesten synthetischen Stoffe für Textilien sind Polyacryl, Polyamid, Polyester und Nylon. Eine besondere Form stellt die Mikrofaser dar, im Haushalt bekannt bei Putztüchern. Bei Mikrofasern handelt es sich um einen Überbegriff für Feinstfasern mit besonders dünnem Haar. Sie sind dünner als Seide und werden in Spezialverfahren aus chemischen und synthetischen Polymeren hergestellt. Es gilt als leicht, weich, fließend, seidig, formbeständig und pflegeleicht. Generell weisen synthetische Stoffe eine matte bis hochglänzende Oberfläche auf, sie sind thermoplastisch (unter Wärmeeinwirkung formbar). Der Nachteil dabei ist, sie verrotten nicht. Mikrofasergewebe aus Polyester und Polyamid gelten ohne zusätzliche Beschichtung als besonders wasserdicht.

Verwendung: Gardinen, Vorhänge, Möbelbezüge, Teppiche, Dekorstoffe

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Wolle

Reine Schurwolle wird ausschließlich von lebenden Tieren geschoren. Qualitativ hochwertige Ware stammt vor allem von Merinoschafen oder Mohair- bzw. Kaschmirziegen. Wolle wird für Strickwaren, Teppiche, aber auch für Matratzen oder zur Wärmedämmung verwendet. Da das Material vorwiegend aus Eiweiß besteht, verfügt es über ein sehr gutes Warmhaltevermögen. Die zum Teil gekräuselten Fasern ermöglichen die Bildung von Luftpolstern, das sorgt wiederum für eine gute Isolierung. Wolle nimmt dampfförmige Feuchtigkeit auf ohne sich feucht anzufühlen und es bindet Gerüche. Wolle hat eine hohe Elastizität und knittert wenig. Wird die Wolle zu warm gewaschen, verfilzt sie häufig, da sie keine hohen Temperaturen verträgt.

Verwendung: Decken, Möbelbezüge, Teppiche, Brandschutztextilien, technische Filze, Dekorstoffe

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Baumwolle

Baumwolle ist eine Natur- bzw. Zellulosefaser. Gewonnen wird das Material von der gleichnamigen Staudenpflanze. China, Indien, Pakistan, USA sowie die Türkei sind die wichtigsten Produzenten. Sie ist atmungsaktiv, strapazierfähig, reißfest und widerstandsfähig gegen Hitze. Zudem gilt sie als saugfähig, da sie bis zu 20 Prozent ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen kann. Dafür trocknet sie jedoch vergleichsweise langsam. Die Stoffe sollten gut durchgelüftet und trocken gelagert werden, da sie sonst zu Stockflecken neigen. Desto naturbelassener der Stoff, desto stärker knittert und läuft er bei der Wäsche ein. Mithilfe von speziellen Veredelungen kann man das Material nahezu schrumpffrei und knitterarm, somit auch äußerst pflegeleicht herstellen.

Verwendung: Vorhänge, Tischwäsche, Bettwäsche, Bezugsstoffe, Handtücher, Geschirtücher, Dekorstoffe

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Leinen

Leinen ist eine Naturfaser, hat einen festen Griff und wird aus der Flachspflanze gewonnen. Es weist eine knitterfreudige, leicht glänzende Oberflächenstruktur auf und das Gewebe schließt wenig Luft ein. Dadurch ist es nahezu flusenfrei und kaum anfällig für Schmutz oder Bakterien. Es ist vor allem bei Bettwäsche beliebt, da der Faser eine kühlende Wirkung nachgesagt wird. Luftfeuchtigkeit wird von dem Material besonders gut aufgenommen, da es fast genauso so schnell wieder mit der Luft ausgetauscht wird. Ähnlich wie andere Naturfasern absorbiert Leinen Gerüche. Außerdem gilt der Stoff als besonders strapazier- und reißfähig, aber auch als langlebig. Wenn der Stoff nicht vorgewaschen ist, kann er beim Waschen einlaufen.

Verwendung: Vorhänge, Bettwäsche, Bezugsstoffe, Geschirtücher, Dekorstoffe

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Seide

Seide wird aus den Kokons des Seidenspinners gewonnen. Mit nur einem Kokon kann eine Länge von bis zu vier Kilometern gesponnen werden. Sie besteht aus Proteinen und wird vorwiegend in China, Japan und Indien produziert. Das Material gilt als angenehm kühl, weich und ist reißfest, aber empfindlich. Handelt es sich bei der Ware um eine waschbare Version, dann sollte man diese mit einem Spezialwaschmittel behandeln. Nasse Seide sollte jedoch nie ausgewrungen, gerieben oder gar geschleudert werden. Nach dem Waschvorgang sollte man sie vorsichtig ausdrücken und noch feucht zum Trocknen aufhängen. Generell ist eine professionelle Reinigung empfehlenswert. Seide hat einen hohen Glanz und ein extrem geringes Eigengewicht.

Verwendung: hochwertige Bettwäsche, Vorhänge (müssen gefüttert werden), Teppiche

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Mischfasern

Bildnummer 8378953
Textilien, Wolle, Kleidung, V…
Bildnummer 8378953 Textilien, Wolle, Kleidung, Vielfalt, Bunt, Gestapelt, Sammlung, Material, Einzelhandel, Auslage, Haufen, Ei… © Bild: YinYang/IStockphoto.com

Diese Gruppe ist auch als Mischgewebe bekannt. Sie bestehen aus einer Verbindung von Baumwolle und synthetischen Fasern. Mikrofaserstoffe etwa bestehen ebenfalls immer aus einer Kombination von unterschiedlichen Grundstoffen. Je nach Einsatz werden verschiedene Fasern gemischt, um Eigenschaften der Textilien zu optimieren, wie z. B. um Knittern zu vermindern, bessere Saugfähigkeit oder um eine bessere Wärmeisolation zu erreichen. Oft werden dazu synthetische und natürliche Fäden kombiniert. Aber auch eine Mischung von verschiedenen natürlichen Fasern kommt vielfach vor. Für die Pflege und das Waschen gilt: Der empfindlichste Bestandteil bestimmt, wie man den Stoff behandeln sollte.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Beate Luger-Goyer und Ingrid Hackl von der Kunstuniversität Linz (Abteilung textil.design.kunst) über die Beschaffenheit von Materialien und Unterschieden zwischen schlechten und guten Stoffen.

Ätzsamt

Verarbeitung: kurzfloriges, weiches Samtgewebe, entsteht durch Wegätzen Rohstoff: synthetische Stoffe, Baumwolle Verwendung: Dekor- und Möbelbezugstoff

Batist

Verarbeitung: feines Gewebe, oft transparent Rohstoff: Baumwolle, Leinen, Wolle, Baumwolle/synthetische Stoffe Verwendung: Gardinen

Bouclé

Verarbeitung: Gewebe mit Schlingen, noppige Oberfläche Rohstoff: Wolle Verwendung: Möbelbezugstoff

Brokat

Verarbeitung: schweres Jacquardgewebe mit Metallfäden (Lurex) Rohstoff: Seide, Viskose Verwendung: Dekorstoff

Cordsamt

Verarbeitung: Fein- und Breitripp, Florgewebe Rohstoff: Baumwolle Verwendung: Dekorstoff

Damast

Verarbeitung: Jacquard- oder Schaftmusterung, hergestellt mit merzerisierter (veredelter) Baumwolle Rohstoff: Baumwolle Verwendung: Dekorstoff

Filz

Verarbeitung: Wolle wärmebehandelt Rohstoff: Wolle Verwendung: Möbelbezugstoff, Tischsets

Flanell

Verarbeitung: aufgerautes Gewebe Rohstoff: Wolle Verwendung: Bettwäsche

Fleece

Verarbeitung: weiche Maschenware Rohstoff: synthetische Stoffe, Baumwolle Verwendung: Decken

Frottier

Verarbeitung: voluminöses, weiches Schlingengewebe Rohstoff: Baumwolle Verwendung: Handtücher, Baumwolle

Jacquard

Verarbeitung: großmustrige Oberflächenstruktur Rohstoff: Baumwolle, Leinen, synthetische Stoffe, Viskoe Verwendung: Dekorstoffe, Betwäsche, Vorhänge, Möbelbezugstoffe

Jersey

Verarbeitung: Maschinenstrick, weich, elastisch Rohstoff: Baumwolle, Leinen, synthetische Stoffe, Viskose Verwendung: Bettwäsche

Kattun

Verarbeitung: Mittelfeines Leinwandgewebe Rohstoff: Baumwolle Verwendung: Bett- und Tischwäsche

Loden

Verarbeitung: Streichgarngewebe Rohstoff: Wolle Verwendung; Möbelbezugstoffe

Moiré

Verarbeitung: wellenförmige Maserung, meist Ripsgewebe Rohstoff: Baumwolle, synthetische Stoffe, Seide Verwendung: Dekorstoff

Organza

Vearbeitung: durchscheinendes, versteiftes Gewebe Rohstoff: synthetische Stoffe, Seide Verwendung: Gardinen

Piqué

Verarbeitung: Doppelgewebe, reliefartige Musterung Rohstoff: Baumwolle Verwendung: Bademantel, Geschirrtücher

Plüsch

Verarbeitung: Web- oder Maschenware mit hohem Flor Rohstoff: synthetische Stoffe Verwendung: Decken, Kissenbezüge

Samt

Verarbeitung: Florgewebe aus verschiedenen Materialien Rohstoff: Baumwolle, synthetische Stoffe Verwendung: Dekor- un Möbelbezugstoff

Satin

Verarbeitung: glatte Oberfläche Rohstoff: Baumwolle, Seide, synthetische Stoffe Verwendung: Bett- und Tischwäsche

Seersucker

Verarbeitung: borkige Längsstreifen durch unterschiedliche Kettspannung Rohstoff: Baumwolle Verwendung: Bettwäsche

Velvet

Verarbeitung: glattes Samtgewebe Rohstoff: Baumwolle Verwendung: Dekorstoff

Voile

Verarbeitung: Gewebe mit hart gedrehten Garnen, durchscheinend, rau im Griff Rohstoff: Baumwolle, Leinen, synthetische Stoffe Verwendung: Gardinen

Webpelz

Verarbeitung: Web- oder Maschenware mit hohem Flor Rohstoff: synthetische Stoffe Verwendung: Decken, Kissenbezüge

( kurier.at ) Erstellt am 23.03.2016