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09/11/2012

Liebe zur Natur: Unsere kleine Farm

Ein Leben im Grünen: Bei der Vorstellung vom perfekten Glück gehört das einfach dazu.

von Barbara Reiter

Leicht könnte man auf die Idee kommen, Lisa Pfleger und Michael Hartl in eine Schublade zu stecken. Alle Indizien sprechen dafür. Zuerst fingen sie an, in Wien im kleinen Stil zu gärtnern, zogen Kräuter auf dem Fensterbrett und Tomaten im Topf, schließlich halfen sie ein Mal pro Woche in einer Bio­gärtnerei mit. "Wir wollten wissen, wo unser Essen herkommt. Biogemüse kann gut sein, ist aber oft auch in Plastik eingeschweißt. Da bekommt man das Gefühl: Nur wenn man Dinge selber macht, kann man sie auch kontrollieren."

Das erforderte Maßnahmen. 2009 beschlossen der Ex-Radiomoderator und die Umweltpädagogikstudentin, von der Stadt aufs Land zu ziehen. "Selbstversorgung war dabei nur ein Teil des Plans", erzählt Michael. "Uns ging es vor allem um Zufriedenheit, Freiheit und Selbstbestimmung." Und darum, ein verantwortungsvolles Leben zu führen. Die Schublade, in die Lisa und Michael auf den ersten Blick passen, heißt nicht Öko, sondern zeitgemäß Aussteiger. "Viele Menschen sehen uns so, wir sind aber genau das Gegenteil. Mit unserem Umzug sind wir erst richtig in die Gesellschaft eingestiegen und nun vor Ort tiefer vernetzt, als wir es in Wien oder sonst wo je waren."

Das Paar lebt derzeit auf einem Hof im Südburgenland, was aber nicht immer so bleiben soll. Eine Hofgemeinschaft ist eines von vielen Projekten, das es irgendwann einmal verwirklichen will. In der Zwischenzeit haben sich beide im Ort gut vernetzt, pflegen Kontakte von den Nachbarn bis zum Bürgermeister und gehen gern ins Dorfwirtshaus. "Wir wollen für die Region etwas bewegen und auch voneinander profitieren." Das Weitergeben von überschüssigem Gemüse ist da für beide selbstverständlich, im Gegenzug haben sie auch schon Holz zum Heizen bekommen. "Wenn wir den alten Bauern vom Tauschen erzählen, sagen sie: ‚Das war früher gang und gäbe." Warum sollte es nicht wieder so sein?"

 

Experiment Selbstversorgung

Lisa und Michael haben ihr "Experiment Selbstversorgung" vor zweieinhalb Jahren in Niederösterreich begonnen, in Tschechien fortgeführt und sind schließlich wegen der Sprachbarriere nach Heiligenbrunn bei Güssing gezogen. Hier gibt es vor allem Nichts, doch das in seiner schönsten Ausformung. Wer Lisa und Michael besucht, durchquert ein Waldstück, ehe er zum Hof gelangt und der Urlaub für die Sinne beginnt. Wälder und Wiesen erstrahlen im satten Grün, die Vögel zwitschern und die Apfelbäume tragen saftige Früchte. Und wer einmal die selbstangebauten Tomaten von der Rispe gekostet hat, weiß, was süß und schmackhaft wirklich ist. Das ist Idylle, das ist Landlust, das ist Entspannung pur, findet auch Michael. "Das Gute daran ist, dass sich das fast jeder leisten kann. Es kommt nur auf die Einstellung an." Das Paar hat Haus und Grund nur gepachtet, und lebt einfach. Im Haus gibt es kaum Möbel, einen Fernseher sowieso nicht. Gesessen wird auf Matten am Boden, Lisa legt Früchte und Gemüse in einer kleinen, alten Küche ein, und Michael deponiert die Vorräte in einem Keller mit Naturboden. Das Paar hat sich auch dort angesiedelt, wo die Pacht günstig ist. Im Südburgenland liegen die Preise für Bauland derzeit zwischen 3, 50 und 5 Euro pro Quadratmeter, Ackerland gibt es für 70 Cent bis einen Euro. "Wir können uns auch vorstellen, irgendwann ein eigenes Haus zu bauen – aus Holz, Stroh und Lehm, den billigsten Materialien. Und wenn man gut vernetzt ist, kriegt man sie noch günstiger." Michael rechnet mit Kosten bis zu 15.000 Euro, die seiner Meinung nach mit einem Durchschnittsgehalt zu erwirtschaften sind. "Man muss sich nur überlegen, was wichtiger ist. Auf eine Party zu gehen, Alkohol zu trinken und zu rauchen, oder sich einen Traum zu erfüllen."

Für Lisa ist der schon in Erfüllung gegangen. Erst 23, weiß sie genau, was sie will oder besser gesagt nicht will. Action zum Beispiel, weil sie nicht das Gefühl hat, "etwas Besonderes erleben zu müssen. Das wird uns von der Gesellschaft nur eingeredet." So wie die Liebe zum Konsum. "Ich habe mir früher auch gerne Kleidung gekauft. Die Freude darüber war aber nur kurz, und ich habe mir die Frage gestellt, ob ich gewisse Dinge brauche. Die Antwort war schließlich fast immer nein."

Heute erfreut sie sich daran, Pflanzen wachsen zu sehen. Wenn sie etwas Neues aussät, macht sie der Wachstumsprozess noch immer sprachlos. "Ich gebe ein Kugerl in die Erde und dann kommt so was Tolles raus. Das ist Leben. Was braucht man mehr?"

Jedenfalls kein Fleisch. Michael und Lisa sind seit vielen Jahren Veganer. Keine radikale Entscheidung, sondern ein langer Prozess. "Es ist wie mit dem Umzug aufs Land. Alles ging schrittweise. Ich war vorher Vegetarier und habe nach einem Besuch in einer Legebatterie beschlossen, nichts Tierisches mehr zu essen." Und Lisa ergänzt: "Man kann sich nicht vorstellen, welche Fülle an Ernährungsmöglichkeiten es abseits von Milch, Eiern und Fleisch gibt, wenn man sich damit beschäftigt."

 

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