Wohnen
16.04.2017

Kompaktes Wohnen

Es gibt viele Gründe und genauso viele Möglichkeiten, seine Wohnfläche zu reduzieren.Thomas Drexel hat es sich für sein Buch zur Aufgabe gemacht, einige davon festzuhalten.

„Weniger, aber besser“– mit diesem Titel schuf der deutsche Industriedesigner Dieter Rams im Jahr 1994 einen Klassiker. Die dahinterstehende Philosophie hat nichts an Aktualität eingebüßt, wie der neu erschienene Band des Augsburgers Thomas Drexel zeigt. Kompaktes Wohnen gewinnt weltweit an Popularität, wie auch das „Small House Movement“ in den USA zeigt, dessen Anhänger für Wohnen in kleinen Häusern eintreten und das vor allem seit der Finanzkrise 2008 großen Zulauf erfährt.

Die Vorteile sind ebenso vielfältig wie einleuchtend: Kostenersparnis, Energieeffizienz, die Beschränkung auf das Wesentliche – egal, ob es sich um Konzepte für Singles, Familien oder Paare handelt. Ein gelungenes Beispiel bietet eine Holzhütte im Schwarzwald nahe Freiburg. Nach einer Neudämmung und Sanierung der Außenwände stand für Architekt Matthias Lange die bestmögliche Raumausnutzung im Vordergrund. Durch die Zusammenlegung von Wohn-, Koch- und Essbereich entstand so im Erdgeschoß auf lediglich 28 eine behagliche Atmosphäre. Ein drehbarer Kamin bildet das Herzstück des Raumes, der Schlafbereich im Obergeschoß ist über eine Ausziehleiter zugänglich.
Kreative Bauweise und intelligentes Design können viel bewirken, wie auch ein Singlehaus in Tübingen zeigt. Architekt Matthias Bruder gelang es, auf 45 alle wesentlichen Wohnfunktionen auf zwei Ebenen zu vereinen. Große Fenstertüren mit Blick ins Tal und eine Zwischenebene mit Glasboden lassen Licht in den Raum und vermitteln ein Gefühl von Helligkeit, während Bad, WC und Lagerraum in einen kleinen Anbau verlegt wurden. Generell ist der Einbau von Glasflächen ein bewährtes Mittel, um optisch Größe zu erzeugen: In einem von Hans Hicker realisierten Einfamilienhaus in Bayern sorgt Seepanorama in Wohn- und Schlafbereich für Entspannung. Kinderzimmer und Bad liegen im Untergeschoß, ein geschickt unter der Treppe platzierter Schrank birgt Stauraum. So wurde auch hier die durch Auflagen beschränkte Baufläche von nur 50 optimal genutzt.
Nicht nur in Deutschland war der Autor unterwegs, um innovative Wohnkonzepte festzuhalten. In den urbanen Zentren der USA oder Japans sind vorrangig Wohnraumverknappung und extreme Preissteigerung dafür verantwortlich, dass sich Menschen zum „Downsizing“ entscheiden. Beispielsweise ein Haus in der Tokioter Innenstadt: Auf nur 33 Grundfläche sollte Platz für zwei Mietparteien entstehen. Mit einem originellen Entwurf, der zwei entlang einer diagonalen Achse gespiegelte, jedoch identische Grundrisse unter einem Dach vereinte, wurde das Doppelhaus Wirklichkeit. Ein anderes Gebäude in der Millionenmetropole erhebt sich auf einer unwesentlich größeren Fläche vier Stockwerke nach oben und schafft gerade durch seine turmartige Bauweise den Spagat zwischen platzsparendem Wohnen und maximaler Funktionalität. Eine vertikale Lösung war auch für Simon Storey naheliegend: Der Architekt aus Los Angeles stockte das nur 5 Meter breite Betonfundament seines Hauses um zwei Geschoße auf. Neben Wohnetage im ersten sowie Schlaf- und Büroetage im zweiten Stock bietet jetzt eine Dachterrasse Ausblick auf die Straßen von Beverly Hills.

„Kleine Häuser unter 100 “ präsentiert auf 160 Seiten Beispiele für kompakte Architektur, illustriert von zahlreichen Bildern sowie anschaulichen Bauskizzen. Erschienen bei DVA, € 51,40