Wohnen
29.05.2018

Im Schattenreich: Mit Schirm, Charme und Sonnensegel

Sonnenschutz hat aktuell Hochsaison. Kunden haben je nach Größe des Geldbörsels die Qual der Wahl.

Sonne, Sonne und noch mehr Sonne: Der heurige April war der Wärmste seit 1800. Auch der Mai geizt nicht mit Sonnentagen. Glücklich sind alle, die, während sie das schöne Wetter im Freien genießen, ihre Wohnung mit Raffstores oder Rollläden kühl halten können.

Und jene, die spontan eine Beschattung kaufen wollen? „Jetzt eine neue Fassadenbeschattung?“, Andreas Klotzner , Geschäftsführer des Sonnenschutztechnik-Herstellers Valetta, lacht. Unternehmern der Sonnenschutz-Branche geht es ähnlich wie den Eisverkäufern: Während das Geschäft im Winter brach liegt, laufen ihnen die Kunden ab den ersten Sonnenstrahlen die Türen ein. Das, obwohl viele Anbieter im Winter mit „Frühbucherrabatt“ locken.

„Mit vier bis sechs Wochen müssen Sie aktuell schon rechnen“ wird Klotzner ernst. So lange müssen Kunden warten bis der neue Raffstore, Rollladen oder Textilscreen geliefert und montiert wird. „Eine Markise bekommen Sie, wenn Sie Glück haben, vielleicht schon in drei Wochen.“ Seine Systeme sind maßangefertigt und werden an die Beschaffenheit der Fassade angepasst.

All das brauche eine gewisse Vorlaufzeit. Und dann muss ein Montage-Termin gefunden werden. Je flexibler der Kunde, desto besser, so der Valetta-Chef mit Verweis auf die aktuelle Auftragslage.

Klotzners Eltern haben 1960 klein mit der Jalousie-Herstellung begonnen. Heute bringt es die Firma auf einen Jahresumsatz von etwa 20 Millionen Euro. Besonders der Raffstore, der mit breiteren, in Schienen geführten Lamellen die Jalousie im Außenbereich inzwischen weitgehend abgelöst hat, erweist sich als Verkaufsschlager. Aber auch moderne Textilscreens, die durch ihre transparente Struktur die Sonne abschirmen ohne dabei den Blick ins Freie zu stören, werden vermehrt nachgefragt.

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Ein Raffstore aus Aluminium ist robust und wetterfest. Elektrische Steuerung ist heute Standard.

Schönes Segel: Sonnensegel halten Wind gut aus und bieten auch bei Regen Schutz. Allerdings ist ihre Planung komplex und die Anschaffung kostspielig.

Wer es im Garten gerne beständiger hat, investiert in eine Pergola.

Die Pergola-Markise ist dank Schienen und Stützen deutlich robuster als die klassische Gelenkarm-Markise. Sie hält Windstärken bis 50 km/h aus.

Wer im Sommer Ärger mit Gelsen hat, kann ergänzend einen Insektenschutz anbringen lassen.

Der gute alte Schirm wird im privaten Bereich gerne als flexible Zusatzbeschattung verwendet.

Setz die Segel

Volle Auftragsbücher kennt man auch beim Sonnensegel-Speziallisten Sunsquare. Im Gegensatz zur klassischen Markise und zum guten alten Sonnenschirm, der heute in erster Linie noch in der Gastronomie zum Einsatz kommt, sorgt das Segel auch auf großen Flächen für Schatten. Auch die Sunsquare-Produkte werden individuell geplant. 70 Prozent der Kunden sind Privathaushalte, 30 Prozent der Aufträge kommen aus dem Gastgewerbe.

„Ja, unsere Sonnensegel sind 30 Prozent teurer als die meisten Markisen“, gibt Geschäftsführer Robert Kautzky zu. Im nächsten Atemzug zählt er auch schon die Vorteile auf, die dennoch für sein Produkt sprechen: „Das Segel schützt vor Sonne ebenso wie vor Regen. Es ist technisch flexibler und lässt sich auch auf freistehenden Terrassen montieren.“ Optisch ansprechender als eine Markise sei es obendrein. Und in puncto Wind könne die Markise erst recht nicht mithalten. „Die Befestigung mit Seilen und Federn sorgt dafür, dass das Sonnensegel dem Wind einfach ausweicht“, erklärt Kautzky, der den Betrieb von seinem Vater übernommen hat.

Die Sunsquare-Segel sind motorisiert. Ab einer Windstärke von 40 km/h werden sie automatisch eingefahren. „Das Tuch selbst würde auch mehr aushalten“, sagt Kautzky. So aber würden Verschleißteile geschont, was Kosten bei Wartung und Pflege spart.

Grün ist clever

Mit Reparatur und vorbeugender Wartung lässt sich Geld sparen. „Bei einer Jalousie oder einem Raffstore halten die Lamellen aus Metall, ich will nicht sagen ewig, aber sehr lange. 30 Jahre sind kein Thema. Verschleißteile, wie Textilien, Schnüre oder einen Motor muss ich auswechseln, dann ist die Jalousie fast wieder wie neu. Mit regelmäßiger Wartung können Sie die Lebensdauer von Ihrem Sonnenschutz verdoppeln“, sagt auch Heiner Praun, Gründer und Chef der Fachhandelskooperation Sonne-Licht-Schatten.

Smart Homes und intelligente Beschattung, die selbst auf Wind und Sonne reagiert, nennt Ardeshir Mahdavi zukunftsweisend für nachhaltiges Wohnen. Mahdavi leitet das Department für Bauphysik und -ökologie der TU Wien. Und sonst? „Es muss nicht immer die konventionelle Lösung sein.“ Nach West und Ost könnten längliche, vertikale Elemente an der Fassade, etwa aus Holz, eine kreative Antwort sein. „Aber egal, für welche Beschattung Sie sich entscheiden, im Mittelpunkt muss die Funktionalität stehen.“ Oft sei die simple Lösung die Beste. Experte Mahdavi: „Der Laubbaum ist clever. Im Sommer spendet er Schatten, im Winter lässt er das Licht durch.“ Stimmt. Und günstig ist er obendrein.


Das kleine A bis Z des Schattens

Die Produktpalette der Sonnenschutz-Branche ist groß. Hier ein Überblick.

Ampelschirm Anders als beim klassischen Mittelmast-Sonnenschirm  ist der Steher hier seitlich, der Schirm hängt vorne über. Achtung:  wenig windstabil.
Jalousie Zarte Lamellen regulieren das Licht im Hausinneren. Es gab sie bereits im Venedig der Renaissance. Im Freien hat sie heute der Raffstore abgelöst.
Klebefolie Vom Fachmann oder billig im Baumarkt: Gute Folien dämmen die Hitze bis zu 80 Prozent, leider nehmen sie  auch einiges an Tageslicht weg.
Markise Der Klassiker unter der Terrassenbeschattung ist als Markenprodukt ab ca. 3000 Euro zu haben und kann maximal  vier Meter ausgefahren werden.
Pergola Vier Säulen und ein Dach: Sie hält Wind bis 110 km/h stand und kostet rund 10.000 Euro. Das Dach ist wasserdicht bespannt und schützt vor Regen.
Pergolamarkise Das Tuch wird seitlich in Schienen geführt und vorne  durch schlanke Säulen abgestützt. Sie kann mehr als sechs Meter  ausgefahren werden.
Raffstore Breitere Lamellen als die Jalousie, seitlich  durch Schienen gestützt.
Rollladen Geschlossene Profile werden aufgerollt. Gut geeignet für Schlafräume.
Sonnensegel Sie spenden großflächig Schatten, sind aber in der Planung recht aufwendig und in der Anschaffung teuer (10.000 Euro aufwärts)
Zipscreen Im Konzept ist der Textilscreen ähnlich dem Rollladen, aber hier wird transparenter Stoff verwendet. Seitliche Schienen machen ihn windfest.