Wohnen
05.06.2017

Verbindendes Sitzmöbel

Susanne Honsa hat als Masterarbeit an der Fachhochschule Salzburg, Studiengang Design & Produktmanagement, einen Hocker entwickelt und den „Bayerischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner“ damit geholt.

Leicht, aber stabil. Innovativ, dennoch handwerklich gemacht. Modern, trotzdem mit viel Tradition. Der Hocker „merhaba“ vereint eine Menge Gegensätze. Wem da vor lauter Überraschung die Floskel „Aber hallo!“ über die Lippen kommt, liegt damit richtig. „Merhaba ist türkisch und bedeutet Hallo. Mit dieser freundlichen Einladung will ich zum kurzen Verweilen und Kommunizieren einladen“, sagt Susanne Honsa.

Mit „merhaba“ gelingt das optimal. Der Hocker ist das Ergebnis, ja das Meisterstück ihrer Masterarbeit an der Fachhochschule Salzburg, Studiengang Design und Produktmanagement. „Ziel der Arbeit war, der Frage nachzugehen, wie Kooperationen zwischen Handwerkern und Designern sinnvoll durchgeführt werden können und welches Potenzial kultur- und disziplinübergreifender Wissentransfer für die Produktgestaltung bietet“, erläutert Honsa. In „merhaba“ findet all das nun seinen Ausdruck.

Der Hocker ist eng an die in der Türkei verbreiteten niedrigen „Tabure“-Hocker angelehnt. Schon früh im Prozess der Produktgestaltung hat Honsa deshalb einen türkischen Handwerker einbezogen, der noch die Kunst des Kastanienholz spalten und hobeln beherrscht. Gemeinsam wurde eine neue Fertigungsmethodik im Flechthandwerk entwickelt. Das Sitzmöbel wird nicht gewöhnlich geflochten, sondern auf spezielle Art entwickelt, wobei die Methode erst durch die Erfindung einer neuartigen Vorrichtung möglich wurde.
Eine weitere Besonderheit liegt in der ressourcenschonenden Produktion und der hohen Stabilität. Honsa: „Durch die Konstruktion halten nur 300 Gramm Weidenruten oder 700 Gramm Kastanienspan einer Belastung von über 160 Kilogramm Stand.“ Abgesehen davon kann der Hocker dank der klugen Fertigungstechnik in nur wenigen Arbeitsstunden hergestellt werden „und lässt zudem eine enorme Vielfalt an Formen und Ausgangsmaterialien zu. Der Hocker hat also auch hohes Potenzial für weitere Produkte – nicht nur mit Flechtmaterialien.“

Möglich wurde all das erst durch die enge Zusammenarbeit von Designerin und Handwerker in allen Phasen der kulturübergreifenden Produktentwicklung. Damit ist der Hocker weit mehr als nur eine Sitzgelegenheit. Er ist auch Ausdruck des Gedanken- und Wissenstransfers. Ein schönes Ergebnis also für das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen zwischen Okzident und Orient. Und damit möglicherweise auch die optimale Sitzgelegenheit für Politiker.

Designschmiede

Das Studium „Design & Produktmanagement“ der Fachhochschule Salzburg bildet Designer und Produktmanager als Strategen im Innovationsprozess aus. Während sich das dreijährige Bachelorstudium auf berufsfeldspezifische Kompetenzen konzentriert, werden im Masterstudiengang Management-Inhalte vertieft. www.fh-salzburg.ac.at