© Wolfgang Woessner/MAK

Ausstellung
10/09/2016

Garnitur und Fantasie

Der eine verfolgte einen strengen Stil, der andere ging liberaler ans Werk: Eine Ausstellung im tschechischen Brtnice stellt die Positionen von Josef Hoffmann und Josef Frank gegenüber – zwei Schlüsselfiguren der österreichischen Architektur.

von Ankica Nikolić

Müsste man ihre Bekanntschaft benennen, würde man die beiden nicht als Konkurrenten, sondern viel mehr als Verbündete bezeichnen. Ihre unterschiedlichen Lösungs- und Gestaltungsansätze hinterließen in der heimischen Baukunst bedeutende Spuren. Ebendiesen widmet sich nun die elfte Ausstellung, die das MAK (Museum für angewandte Kunst) in der Tschechischen Republik kuratiert. Die Schau findet in Hoffmanns Geburtshaus statt, welches von ihm im Jahr 1907 getreu den Prinzipien der Wiener Werkstätte komplett umgebaut wurde. Seit 2006 wird das Haus vom MAK und der Mährischen Galerie in Brtnice gemeinsam betreut.

Die aktuelle Gegenüberstellung zeigt die wichtigsten Exponate der Jahre 1910 bis 1930, die damit gleichzeitig die Begegnungen der beiden Protagonisten markieren. Bereits in frühen Jahren unterstützte Josef Hoffmann den jungen Frank und half ihm, seine Position zu finden. Er wurde Gründungsmitglied des Bundes Österreichischer Künstler, der sogenannten Kunstschau und arbeitete immer wieder an Projekten der Wiener Werkstätte sowie Hoffmanns mit. Zur wichtigsten Zusammenarbeit der beiden Ausnahmetalente zählt etwa die Gestaltung des Landhaus Skywa-Primavesi und der Wiener Werkbundsiedlung. Wobei nur sehr wenige wissen, dass sie bereits ein paar Jahre zuvor Arbeiten für die Deutsche Werkbundausstellung gemeinsam konzipierten. Von den beiden Hietzinger Projekten werden nun umfangreiche Entwürfe und Pläne, aber auch zahlreiche Fotos gezeigt. Eine weitere Verbindung fand sich in ihrer Lehrtätigkeit, beide unterrichteten an der Kunstgewerbeschule in der Bundeshauptstadt. Frank vermittelte als Nachfolger des berühmten deutschen Architekten Heinrich Tessenow bis zum Jahr 1926 Baukonstruktionslehre. Hoffmann hingegen war als Professor für Architektur tätig.

Ganzheitlicher Gestaltungsanspruch

Dem Garnitur-Gedanken der Wiener Werkstätte blieb Hoffmann auch nach dem Jahr 1920 treu. Holistische Ansätze bei der Gestaltung schienen für ihn der einzig wahre Zugang zu sein. Josef Frank hingegen entwickelte sich mit den Jahren zu einem Vordenker. Er erlaubte es sich, über den Tellerrand zu schauen und alte Konventionen mit neuen zu verbinden oder einfach neu zu interpretieren. Der damals vorherrschende stringente Stil war nicht zuletzt auch aufgrund seines Engagements schon bald Geschichte. Innovative Herangehensweisen entwickelten sich, Architekten waren plötzlich nicht mehr Teil des strengen Gestaltungskorsetts. Viel mehr ging es darum, nun die Grenzen auszuloten und neu zu positionieren. Durchaus auch mithilfe von unkonventionellen Einflüssen wie der Arts-and-Crafts-Bewegung, der italienischen Renaissance oder der traditionellen Ornamentik – die Möglichkeiten schienen schier unendlich. Je nach Projekt wurden nun die Stile maßgeschneidert entwickelt, keine Vorgaben, nur die individuellen zählten. Die Eklektik war geboren, man verabschiedete sich von überladenen Räumen und begrüßte fortan eine gewisse Leichtigkeit in Designprozessen. 1933 emigrierte Frank nach Schweden und mit ihm sein großartiges Talent. Gleichzeitig wurde damit die Zusammenarbeit zwischen Hoffmann und ihm beendet. Die Ausstellung zeigt, dass Hoffmanns Perfektion zur Basis für Franks liberale Ansätze wurde. Frei in der Gestaltung, kompromisslos in der Umsetzung.

Ausstellung

Die vom MAK und der Mährischen Galerie in Brno kuratierte Schau „Josef HoffmannJosef Frank. Von der ,unendlichen Garnitur‘ zum offenen System“ ist noch bis 30. Oktober 2016 im Josef Hofmann Museum Brtnice zu sehen. Juli–August täglich, September/Oktober Di.–Sa. jeweils 10–17 Uhr; www.mak.at

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